Die Welt ist in den vergangenen zwölf Monaten eine andere geworden – das gilt nicht nur für die coronageplagte Gesellschaft im Allgemeinen, sondern auch für zwei Berufsfußballer des VfB Stuttgart im Besonderen. Genau ein Jahr ist es her, dass der kroatische Außenbahnspieler Borna Sosa im Zweitligaduell mit Jahn Regensburg (2:0) wieder einmal vergeblich darauf wartete, wenigstens für ein paar Minuten eingewechselt zu werden. Der österreichische Stürmer Sasa Kalajdzic war damals nach seinem Kreuzbandriss gerade ins Aufbautraining eingestiegen.

Ein Jahr später gehören Borna Sosa und Sasa Kalajdzic, beide 23 Jahre alt, nicht mehr in die Kategorie Dauerreservist, Langzeitverletzter oder gar Fehleinkauf – sondern zu den neuen Attraktionen dieser Bundesliga-Saison. Auch ihnen ist es zu verdanken, dass bundesweit mit wachsender Hochachtung auf die junge VfB-Mannschaft geblickt wird; dass es für die Fans inmitten der vereinspolitischen Turbulenzen auch Grund zur unbeschwerten Freude gibt; und dass der Aufsteiger mit dem 1:0 (0:0) beim 1. FC Köln einen großen Schritt auf dem Weg zum Klassenverbleib hinter sich gebracht hat.

Flanke, Kopfball, Tor – das war wieder einmal das Erfolgsrezept: Mit der perfekten Mischung aus Gefühl und Geschwindigkeit trat Sosa kurz nach der Pause einen Freistoß von links in den Kölner Strafraum, wo Kalajdzic seinen zwei Meter langen Körper so geschickt in die Höhe wuchtete, dass er den Ball mit dem Hinterkopf unhaltbar ins Toreck verlängern konnte. „Flanke Borna, Kopfball Sasa – wir haben ja schon in den vergangenen Wochen gesehen, was das für eine Waffe sein kann“, sagte VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo über das Duo, deren Kombinationen auch zuvor gegen Hertha BSC (1:1) und Mainz 05 (2:0) zu Toren geführt hatte.

Das Warten hat sich gelohnt

Laut waren Anfang 2020 die Rufe nach Simon Terodde, weil sich Kalajdzic in der Vorbereitung schwer am Knie verletzt hatte. Doch die VfB-Verantwortlichen warteten auf die Genesung von Kalajdzic. So ungewöhnlich er mit seiner Kombination aus Größe, Technik und Spielintelligenz auf dem Platz ist, so ungewöhnlich ist er außerhalb: Es gibt nicht viele Profis, die so geerdet sind wie der gebürtige Wiener.

Borna Sosa wiederum erlebte beim VfB schon fünf verschiedene Trainer – und blühte erst unter dem sechsten richtig auf: Pellegrino Matarazzo, der nicht nur das Potenzial des Hochbegabten erkannte, sondern es auch schaffte, die Fähigkeiten zur Entfaltung zu bringen.

Der VfB-Trainer vermittelte Sosa in vielen Gesprächen Selbstvertrauen und setzte ihn auch auf einer Position ein, auf der seine Stärken – Ballsicherheit, Schnelligkeit, Dribbling und präzise Flanken – zur Geltung kommen: Nicht als klassischer Linksverteidiger agiert Sosa, sondern als so genannter Wing-Back, eine Art defensiver Mittelfeldspieler auf dem Flügel. „Wir spielen den Fußball, den ich liebe – offensiv und schnell“, sagt Sosa.

Unterdessen sorgte ein Artikel der „Ruhr-Nachrichten“ vom Samstag in der Causa VfB-Sportdirektor Sven Mislintat für Wirbel. Das Blatt schreibt, dass Borussia Dortmund reges Interesse an einer Verpflichtung des 48-Jährigen habe – und zwar vom Sommer 2022 an, wenn der eigene Sportdirektor Michael Zorc seine BVB-Ära beenden wird. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke strebe daher im März ein Treffen mit Mislintat an, der ja, so heißt es in dem Bericht weiter, in rund 17 Monaten eine Ausstiegsklausel in seinem Vertrag stehen habe.

Sven Mislintat, lange Chef­scout bei den Schwarz-Gelben, sagte dazu am Sonntag: „Der BVB ist für mich ein ganz besonderer Klub. Wenn Interesse bestehen sollte, dann wäre das etwas, das mich nicht kalt lassen würde.“ Er sagte auch: „Es hat überhaupt keine Gespräche gegeben. Allerdings liegen derlei Dinge in der Natur der Sache, wenn man seinen Job gut macht.“ Klar ist also, dass Mislintat die Avancen aus der Heimat durchaus genießt.

Andererseits lässt ihm der Vorstandschef Thomas Hitzlsperger beim VfB vor allem bei der Kaderplanung große Freiräume. „Wer mich kennt, weiß, dass ich mit Haut und Haaren beim VfB bin. Der Verein ist mein Zuhause – und ich werde bis zum letzten Tag 150 Prozent geben“, betonte Mislintat, bei dem die internen Querelen im Verein aber durchaus ihre Spuren hinterlassen haben.

Mit sieben Zähler auf Platz sieben der Rückrundentabelle


10   Saisontreffer hat VfB-Stürmer Sasa Kalajdzic nun erzielt. Damit liegt er auf Rang sieben der Torjägerliste, einen Platz hinter dem Teamkollegen Silas Wamangituka (11).

7   Punkte hat der VfB Stuttgart seit Rückrundenstart geholt. Macht Platz sieben in der Rückrundentabelle. Auf Platz eins liegt Eintracht Frankfurt (15), gefolgt vom VfL Wolfsburg (13).

10  Jahre (von 20016 bis 2016) arbeitete VfB-Sportdirektor Sven Mislintat bei Borussia Dortmund als Kaderplaner und baute in dieser Zeit Jürgen Klopp die Mannschaft zusammen, mit der der heutige Coach des FC Liverpool zwei Meisterschaften und den DFB-Pokal gewann

2    Wochen ist es her, dass sich argentinische Offensivmann Nicolas Gonzalez im Spiel bei Bayer Leverkusen schwer am Oberschenkel verletzte. Ende der Woche wird der 22-Jähirge in Stuttgart zurück erwartet. DerVfB-Stürmer hatte Heimaturlaub erhalten, um in Argentinien die erste Phase seiner Reha-Maßnahmen zu absolvieren.