In regelmäßigen Abständen hört Claus Vogt interessante Geschichten über sich, die er selbst noch gar nicht kannte. Mal erfährt der Präsident des VfB Stuttgart, er habe seine Frau verlassen und sei zu Hause ausgezogen; mal wird ihm berichtet, ihm stehe finanziell das Wasser bis zum Hals, weshalb er die Insolvenz seiner Firma verschleppe. Er könne alle beruhigen, sagt Vogt in solchen Fällen, für das Unternehmen Intesia in Böblingen gelte Ähnliches wie für sein Familienleben in Waldenbuch: alles in bester Ordnung.

Es sind diskreditierende Gerüchte wie diese, gezielt gestreut und verbreitet im Umfeld des VfB, die einen Hinweis darauf liefern, dass die derzeitige Ruhe an der Vereinsspitze eine trügerische ist. Nach dem großen Führungschaos zu Beginn des Jahres könnten auch die nächsten Wochen wieder stürmisch werden, nachdem die Bundesliga-Saison erfolgreich beendet ist und der Blick sich wieder auf die Vereinspolitik richtet. Genauer: auf die Mitgliederversammlung am 18. Juli, bei der sämtliche Gremien neu gewählt werden, darunter auch der Vereinspräsident.

Neben Claus Vogt (51), der sich zur Wiederwahl stellt und auf eine zweite Amtszeit hofft, wurde Pierre-Enric Steiger (49), Chef der Björn-Steiger-Stiftung in Winnenden, vom Vereinsbeirat als zweiter Kandidat nominiert. Unisono haben beide bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt versichert, dass sie fair miteinander umgehen wollen und keinerlei Interesse an einer Schlammschlacht haben. Er verstehe die kommenden Wochen nicht als Wahlkampf, erklärte der Herausforderer, sondern lediglich „als Wahlphase“.

Allerdings hat es nicht lang gedauert, bis auch Steiger feststellen musste, mit welch harten Bandagen im Fußballgeschäft gearbeitet wird. Er sehe sich Hackerangriffen ausgesetzt, berichtete er – und weiß auch ansonsten, dass auf der Suche nach Schwachstellen nicht nur Vogt ausgeleuchtet wird, sondern auch er selbst samt seinem Umfeld. Zu diesem gehört der frühere Regierungssprecher und stellvertretende „Bild“-Chefredakteur Bela Anda (58), der als externer Kommunikationsexperte die Öffentlichkeitsarbeit der Steiger-Stiftung leitet. Mit seinen VfB-Ambitionen habe das PR-Schwergewicht nichts zu tun, sagt Steiger, die Medienarbeit seiner Wahlkampagne betreibe er alleine.

Die medialen Störfeuer haben bereits begonnen – und richten sich vornehmlich gegen Vogt. Da heißt es etwa, Claus Vogt sei ein durchtriebener Machtmensch, der den VfB komplett umgestalten will. „Ich bin ein standhafter und ehrlicher Präsident, der für Werte steht, sich nicht verbiegen lässt und sich für die Mitglieder einsetzt“, versicherte dieser jüngst  im SWR-Fernsehen - und begegnete gleichzeitig einer weiteren Breitseite, die sogar unmittelbar aus den eigenen Reihen gekommen war – von Daimler-Vorstand Wilfried Porth (62). Er habe „die Sorge, dass man auf die Wahl Einfluss nehmen möchte“, sagte der VfB-Präsident zu den Aussagen, die sein Aufsichtsratskollege in einem Interview mit der „Stuttgarter Zeitung“ getätigt hatte.

Unversöhnlich sprach der mächtige Daimler-Mann darin über „meine kritische Haltung zu Herrn Vogt“, es gebe „keinen Grund, diese zu ändern“. Vom Ausgang der Präsidentenwahl werde abhängen, ob er auch nach seinem Ausscheiden bei der Daimler AG dem VfB-Aufsichtsrat angehören werde. Als Drohung wollte Porth seinen möglichen Rückzug vermutlich verstanden wissen – dass er damit jedoch bei vielen VfB-Mitgliedern Wahlwerbung für Vogt betrieben hat, dürfte auch dem Herausforderer nicht entgangen sein.

Es habe bereits ein erstes Kennenlerngespräch zwischen ihm und dem Daimler-Abgesandten gegeben, berichtet Pierre-Enric Steiger. Ob er es gutheißen würde, wenn Porth im VfB-Aufsichtsrat bliebe? „Diese Frage stellt sich nicht“, sagt Steiger und verweist auf geltendes Recht und geschlossene Verträge. Zu Beginn des neuen Jahres ist der neue Aufsichtsrat zu wählen – wenn Porth, dessen Vertrag bei Daimler erst im April 2022 endet, dann noch im Amt ist, hat der VfB keinerlei Vetorechte. Auch dann nicht, wenn Porths Ruhestand schon am Tag danach beginnt.

Nachwuchsexperte kommt aus Hoffenheim


Dominik Drobisch wechselt von der TSG Hoffenheim zum VfB. Der Nachwuchsexperte tritt die Nachfolge von Rainer Mutschler an, der den VfB verlassen hat. Drobisch tritt seine Aufgabe am 1. Juli an und ist als Senior Manager Administration/Organisation im Nachwuchsleistungszentrum tätig.

Der VfB hat einem seiner Meistertrainer gratuliert: Helmut Benthaus ist 86 Jahre alt geworden. Er gewann 1984 mit den Stuttgartern den Titel.