Lilian Egloff geht es gut. Rein psychisch betrachtet. Noch steht der Fußballprofi des VfB Stuttgart nicht davor, im Viereck umherzuspringen und die Wände einzuschlagen. Auch wenn das angesichts der Leidensgeschichte des Jungprofis und der langen fußballlosen Zeit zu verstehen wäre. Lilian „Li“ Egloff aber macht sich nicht verrückt. Gerät nicht ins Grübeln oder gar Verzweifeln, sondern bleibt hoffnungsvoll.

Egloff, 18 Jahre alt und heißestes Versprechen der VfB-Nachwuchsabteilung, ist seit Monaten abgetaucht. Wo seit Saisonbeginn andere Jungstars vom Wasen die Bundesliga aufmischen und die Schlagzeilen dominieren, findet der Name Egloff nicht statt. Dabei stand er im vergangenen Sommer schon kurz davor, die große Bühne zu betreten. Nach einigen Kurzeinsätzen in der zweiten Liga gingen nicht wenige davon aus, dass „der Beste seit Jahren“ (Einschätzung von VfB-Jugendtrainern) auch im Oberhaus auf sich aufmerksam machen würde.

Doch dann kam Kitzbühel. Im Sommertrainingslager riss ihm das Syndesmoseband im rechten Sprunggelenk. Die Verletzung heilte aus, hatte aber ein langes Nachspiel. Möglich, dass das, was im Dezember folgte, in Zusammenhang mit der Sprunggelenksverletzung steht. In Egloffs Mittelfuß bildete sich ein Knochenödem. Eine Art Bluterguss, der Schmerzen verursacht. Für Egloff, der es in der Hinrunde fünfmal in den Bundesliga-Kader geschafft und zu zwei Kurzeinsätzen gebracht hatte, ging es zurück in die Reha.

Vier Monate später ist Egloff noch immer in Behandlung. Ein Ödem ist eine so langwierige wie komplexe Geschichte. Immer wieder wurde versucht, mit speziellen Schuheinlagen des Problems Herr zu werden. Nur auf Operationen wurde verzichtet. Nun scheint ein Ende des langen Leidensweges zumindest in Sicht. „Die Trainingsumfänge konnten zuletzt Schritt für Schritt gesteigert werden, Li ist auf einem guten Weg“, sagt Sportdirektor Sven Mislintat. Spätestens zum Start in die neue Saison wird der Zehner mit dem großen Spielverständnis und Vertrag bis 2024 vollumfänglich auf dem Trainingsplatz zurückerwartet. „Es ist viel Geduld notwendig, und diese Geduld haben wir“, betont Mislintat. Andernfalls könnte es noch schlimmer kommen. Ein Ödem gilt als Vorstufe zum Mittelfußbruch. Eine noch langwierigere Verletzung. Das will man dem Mittelfeldspieler beim VfB auf alle Fälle ersparen. Zumal die sportliche Situation des Tabellenachten vor dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund an diesem Samstag (18.30 Uhr/Sky) frühzeitige Experimente auch überhaupt nicht erfordert.

Nicht zuletzt dürfte die Einschätzung von Medizinern Egloff und allen VfB-Fans Hoffnung machen: Anders als ein Knorpelschaden, mit dem sich etwa Spielmacher Daniel Didavi, 31, zeit seiner Karriere herumplagen muss, heilt ein Ödem dauerhaft aus. Es ist nur eine Frage der Zeit.
Gregor Preiß

Info Der VfB Stuttgart muss weiter auf Mittelfeldspieler Orel Mangala verzichten. Wie der VfB am Mittwoch mitteilte, zog sich der 23-Jährige im Mannschaftstraining erneut eine Muskelverletzung im Oberschenkel zu und fällt bis auf Weiteres aus.