Für Wataru Endo muss sich das wie ein Kurzstreckenflug angefühlt haben. Knapp 4500 Kilometer sind es von Al-Rayyan in Katar, wo er mit der japanischen Nationalmannschaft pandemiebedingt noch am Dienstag in der WM-Qualifikation gegen China (1:0) gespielt hat, bis Stuttgart – Luftlinie. Von Tokio aus ist die Entfernung mehr als doppelt so weit, die Endo normalerweise zu bewältigen hat, wenn er für sein Heimatland im Einsatz ist. Seit Donnerstag ist der VfB-Kapitän wieder in Stuttgart. Mit einer individuellen Trainingseinheit ging es für ihn los, um die Müdigkeit abzuschütteln. Am Freitag stieß er zur Mannschaft – und dabei begleitet ihn angesichts seines Mammutprogramms die Frage, wie frisch Endo nach den Reisestrapazen rund um die Länderspiele vor der Bundesligabegegnung an diesem Sonntag (15.30 Uhr/DAZN) bei Eintracht Frankfurt aufläuft.

Bis jetzt galt immer: Endo spielt immer. Der 28-Jährige trat selbst nach einer kurzen Sommerpause und dem Olympiaturnier unermüdlich auf. Durchschnittlich elf Kilometer pro Partie läuft der Mittelfeldspieler, und wenn man bedenkt, dass er seit vergangenem Sommer 55 Spiele absolviert hat – 36 davon im laufenden Kalenderjahr – dann stecken ihm allein 2021 fast 400 Kilometer an Laufleistung in den Beinen.

„Das ist ein außergewöhnliches Pensum, das er leistet“, sagt der Trainer Pellegrino Matarazzo. Selbst für einen wie Endo, der sich schnell erholt. Es gehört zu seinen Stärken, sich im Zentrum strategisch klug zu positionieren und irgendwie schon vor dem Ball zu wissen, wohin dieser gespielt wird. „Wataru Endo ist eine Maschine“, sagt Matarazzo über den Dauer(b)renner. Doch zuletzt hatte die Konstanz in Person einige kleine Aussetzer. Gerade in der Defensive bei den Niederlagen gegen RB Leipzig (0:4) und den SC Freiburg (2:3). Doch Endo bleibt für den Coach und die Mitspieler der Boss im Team. Eine Pause ist nicht angedacht.

„Es tut extrem gut, einen solchen Spieler in der Gruppe zu haben“, sagt der Sportdirektor Sven Mislintat über die grundsätzliche Bedeutung Endos für die Mannschaft, „er ist ja nicht nur ein sehr guter Fußballer, sondern auch ein extrem positiver Mensch.“ Über die Führungsqualitäten des Japaners hinaus ist jedoch ebenso Fakt, dass der VfB nach drei Spieltagen bereits acht Gegentore in der Liga hinnehmen musste. Zu viele, um auf Dauer erfolgreich zu sein. Und zu vermuten bleibt, dass es Endo weniger an Frische mangelt, sondern ihm aktuell auf der Doppelsechs sein Partner Orel Mangala mehr fehlt als in den vielen Monaten zuvor, als der Belgier verletzt ausfiel.

Seit Mitte März ist Mangala nicht mehr für den VfB aufgelaufen, aber jetzt schickt er sich an, wieder eine Option für Matarazzo zu sein. Der 23-Jährige hat voll trainiert. Nach zwei schweren Muskelverletzungen ist aber noch Vorsicht geboten. „Für die Startelf kommt Orel Mangala in Frankfurt noch nicht infrage“, sagt der Trainer. Für eine halbe Stunde aber wohl schon.

Gut möglich, dass Atakan Karazor in Frankfurt mit Endo den Mittelblock vor der Abwehrreihe bildet. Denn während der Länderspielpause hat der VfB verstärkt im Defensivbereich gearbeitet.

Zwei Ansätze sieht Matarazzo da: „Man verbessert die Abläufe, oder man verändert das Personal – ich bin für beides offen.“ Endo bleibt ein Fixpunkt. Um ihn herum rotieren die anderen. „Ich bin optimistisch, dass er an diesem Sonntag wieder voll einsatzfähig ist“, sagt der Trainer, der sich mit Endo von Tag zu Tag über dessen Regeneration austauscht. So wie sie es nach der Olympiarückkehr im August getan haben. Anschließend trumpfte Endo gegen die SpVgg Greuther Fürth auf.

Stürmt Neuzugang Marmoush?


Den VfB und Eintracht Frankfurt eint, dass der Saisonstart nicht so verlief, wie man sich das erwartet hatte. Während der VfB immerhin einmal gewonnen, dafür aber zweimal verloren hat, konnten die Frankfurter unter ihrem neuen Trainer Oliver Glasner bislang nur zwei Punkte holen. 

VfB-Neuzugang Omar Marmoush hat laut Trainer Pellegrino Matarazzo gute Chancen auf einen Einsatz. Der Ägypter könne das VfB-Spiel mit seiner Qualität bereichern.