Konstantinos Mavropanos hat es kommen sehen. Wie Alassane Plea angetreten ist, wie der Stürmer von Borussia Mönchengladbach kurz vor dem Strafraum nach links abbog, um seinen Gegner zu umkurven, und wohin er wohl schießen wird. Also hat der Fußballprofi des VfB Stuttgart noch einmal alles reingelegt, was er an Körpergröße und Kraft zu bieten hat – und das ist nicht wenig. Der Abwehrspieler blockte den Ball spektakulär am Boden liegend. Gefährlich wäre es ansonsten geworden. Sehr gefährlich in dieser 69. Minute.

Hinterher wurde Mavropanos für diese Aktion gefeiert. Von Mitspielern, Verantwortlichen, Fans. Fast so euphorisch wie zuvor bei seinem Tor, das ja den Grundstein für das 1:1 im Borussia-Park gelegt hatte. Aus 28 Metern hatte der 23-Jährige abgezogen und dem Torhüter Yann Sommer mit dem Flachschuss keine Chance gelassen. „Von zehn Versuchen trifft er neun aus dieser Distanz so nicht“, sagte Gladbachs Trainer Adi Hütter.

Doch bei Mavropanos kann man sich da nicht so sicher sein. Der Grieche hat beim VfB einen Lauf. Drei Tore erzielte er in dieser Bundesligasaison bereits. Mit Wucht und Willen. Davon steckt so viel in dem Innenverteidiger, dass sich Sven Mislintat schon vor der Länderspielpause nach Mavropanos’ Solo-Tor gegen die TSG Hoffenheim an einen der Großen der Zunft erinnert fühlte.

Mavropanos’ Muskulatur aber ist jedoch anfällig. Verletzungen haben ihn immer wieder ausgebremst. Vor allem beim FC Arsenal, wohin ihn der damalige Kaderplaner Mislintat im Januar 2018 geholt hatte. Vom Erstligisten PAS Giannina, für zwei Millionen Euro. „Man hat bei Dinos Mavropanos schon viel Potenzial gesehen, als er noch in Griechenland spielte. Seine Schnelligkeit, seine Aggressivität, seine Kopfballstärke – er bringt sehr viel mit, um ein Innenverteidiger auf Topniveau zu werden“, sagt der VfB-Sportdirektor.

Mislintat findet schon seit Jahren, dass griechische Abwehrspieler gut gebaut sind, sie Maschinen gleichen. Und er hat eine Art Prototypen vor Augen: Sokratis Papastathopoulos. Groß, kantig, athletisch. Von Werder Bremen lockte der Westfale Sokratis einst 2013 zu Borussia Dortmund und später nach England zum FC Arsenal. Mavropanos stellt nun eine Art Nachfolgemodell in Stuttgart dar. Zehn Jahre jünger als das Original, vor Energie und Selbstvertrauen strotzend.

Die Leihgabe aus London ist das neue Kraftwerk in Stuttgart. 500 000 Euro an Gebühr hat Mavropanos in der zweiten Saison gekostet. Verbunden mit einer Kaufverpflichtung in Höhe von drei Millionen Euro bei Klassenverbleib. Gut investiertes Geld, weil der VfB bereits jetzt sportlich profitiert und der Marktwert steigt. Wobei man sich schon die Frage stellen kann, wie Mislintat diese Vereinbarung bei seinem ehemaligen Arbeitgeber aushandeln konnte. Trotz der prozentualen Beteiligung der Engländer bei einem möglichen Weiterverkauf. Das hat viel damit zu tun, dass sich Mavropanos nach den ersten Bundesliga-Erfahrungen schnell und klar bekannt hat.

Der Grieche wollte entweder eine Chance bei seinem Stammverein in der Premier League erhalten oder zurück nach Stuttgart. Und offensichtlich betrachteten die Arsenal-Verantwortlichen Mavropanos als keinen, der sie weiterbringt. Wenn sie sich da mal nicht gewaltig getäuscht haben. „Er ist mit seinen 23 Jahren immer noch jung genug, um sich weiterzuentwickeln. Er bringt auch die entsprechende Einstellung mit“, sagt Mislintat, „er muss nun schauen, dass sein Körper stabil bleibt. Dann fehlt ihm nur, dass er die starken Leistungen, die er zuletzt gezeigt hat, konstant abruft.“

Weitere Vorstellungen wie in Gladbach wären nach Mislintats Geschmack. Dann wäre Mavropanos plötzlich ein begehrter und teurer Spieler. Dabei hatte der Grieche noch vor wenigen Tagen Tränen in den Augen, als seine Nationalelf in Schweden mit 0:2 unterlag und er einen Elfmeter verursachte. Die WM-Qualifikation ist dadurch in weite Ferne gerückt. „Er lebt Fußball sehr intensiv“, sagt Matarazzo über den Musterprofi.

„Er ist auf dem Weg, ein Führungsspieler zu werden, weil er auf dem Platz mit Leistung und Mentalität vorangeht“, sagt Mislintat. Der Modellathlet braucht keine lauten Worte und wilden Gesten. Er ist ein ruhiger Typ, der nur beim Fußball aus sich herausgeht und – wie Matarazzo betont – sowohl ein „Defensiv-Gen“ als auch ein „Offensiv-Gen“ in sich trägt.

Als Verteidiger haut er sich in die Zweikämpfe und Schüsse. Als Angreifer wird Mavropanos mit seiner Urgewalt zum Schrecken der Gegner. Er treibt das eigene Team mit Wucht nach vorne. „11 Mavropanosse müsst ihr sein“, hat ein begeisterter VfB-Fan über Twitter quasi in die digitale Welt hinausgebrüllt – und den Nerv der Stuttgarter Anhänger voll getroffen.

Corona: Orel Mangala doch nicht infiziert?


Seit einem positiven Coronatest am Freitag befindet sich Orel Mangala in häuslicher Isolation. Trotzdem ist es möglich, dass der Mittelfeldspieler bald wieder auf den Platz zurückkehrt. Denn der zweite PCR-Test bei dem 23-jährigen Belgier fiel negativ aus. Klarheit soll nun ein dritter Test an diesem Montag bringen. 

Die VfB-Verantwortlichen wollen auf ihre Profis einwirken, um auf eine höhere Impfquote zu kommen. Trotzdem würde es „ein paar Spieler“ geben, die sich nicht überzeugen lassen. „Das ist zu akzeptieren“, sagte der Sportdirektor Sven Mislintat.