Ludger Beerbaum atmete auf. Zumindest ein bisschen. Der Vorwurf der Tierquälerei gegen den Olympiasieger im Springreiten ist juristisch vom Tisch. Die Staatsanwaltschaft Münster hat das Ermittlungsverfahren „mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt“.

Das ist „eine Bestätigung für mich“, kommentierte Ludger Beerbaum die neuesten Entwicklungen in dem Fall um heimlich auf seinem Hof in Riesenbeck gedrehtes Videomaterial, das bundesweit für Aufstehen gesorgt hatte. Wie die Staatsanwaltschaft Münster am Dienstag mitteilte, sei nicht nachzuweisen, „dass dem betroffenen Pferd durch den Kontakt mit der Stange (...) ‚erhebliche‘ Schmerzen oder Leiden zugefügt worden sind“.

Strafrechtlich nicht relevant

Damit, so Beerbaum in einer Stellungnahme, sei „jetzt auch bewiesen, dass die Vorwürfe im RTL-Beitrag gegen mich und meinen Stall nicht zutreffend sind“. Der 59-Jährige hatte die Anschuldigungen stets zurückgewiesen und seinerseits juristische Schritte eingeleitet. Er betonte, dass auf den Filmaufnahmen kein strafrechtlich relevantes Verhalten zu erkennen sei. Er setze zudem grundsätzlich nur Trainingsmethoden ein, die von den Verbänden erlaubt seien.

Erledigt ist das Thema für Ludger Beerbaum damit aber noch keineswegs. Auch die Deutsche Reiterliche Vereinigung FN setzt sich seit geraumer Zeit mit den Vorwürfen auseinander. Der Weltverband FEI hatte die in dem Beitrag gezeigten Methoden in einer ersten Reaktion Anfang des Jahres als „absolut inakzeptabel“ gegeißelt, sie „widersprechen allen FEI-Regularien“.

Ein Beitrag in der Sendung „RTL extra“ hatte die Angelegenheit im Januar dieses Jahres ins Rollen gebracht. Die Tierrechtsorganisation Peta erstattete daraufhin Strafanzeige gegen Beerbaum und eine weitere Person wegen quälerischer Tiermisshandlung und Mittäterschaft.

Touchieren oder Barren?

Im Kern geht es um die Frage, ob es sich bei den im RTL-Beitrag festgehaltenen Vorgängen um Touchieren oder Barren handelt. Das Touchieren ist nach den Verbands-Statuten erlaubt – das Barren, also das Schlagen mit einer Stange an die Vorderhufe des Pferdes, hingegen nicht.

Auf den nun ausgewerteten Ausnahmen war unter anderem eine Sequenz zu sehen, in der ein hinter einem Hindernis kniender Mann beim Absprung eines Pferdes eine lange Latte in Höhe der Vorderbeine hochreißt. Das zuständige Veterinäramt hatte unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe Beerbaums Hof aufgesucht und dabei keine Verstöße oder klinische Auffälligkeiten bei den Pferden dokumentiert. Beerbaum argumentierte ebenfalls, dass die „touchierten“ Tiere keine Schmerzerscheinungen oder Verhaltensauffälligkeiten gezeigt hätten. sid