Die Leistungsdaten des Nicolas Gonzalez beim jüngsten 3:2-Testsieg über den Hamburger SV, sie können sich mehr als sehen lassen: Lediglich 45 Minuten ist der 22-jährige Stürmer auf dem Platz gestanden, eine Vorlage zum 1:0 durch Mateo Klimowicz und zwei eigene Treffer standen am Ende des Kurzarbeitstages dennoch für Gonzalez zu Buche – darunter der Geniestreich zum 3:0, als das Schlitzohr vom Rio de la Plata den Ball aus der eigenen Hälfte mit 60 Meter Abstand zum Tor über den verdutzten HSV-Keeper Daniel Heuer Fernandes hinweg ins Netz lupfte.

Es ist also keine Frage: „Loco Nico“ (der verrückte Nico), wie Gonzalez aufgrund seiner spitzbübisch-unkonventionellen Art im Teamkreis gerne mal genannt wird, kommt beim VfB immer besser in Form. Als einer der wenigen Akteure im Stuttgarter Kader zeigt bei dem jungen Südamerikaner, der im Sommer 2018 von Ex-Manager Michael Reschke für 8,5 Millionen Euro von den Argentinos Juniors verpflichtet wurde, die Formkurve konstant nach oben.

Und ein Ende der positiven Entwicklung scheint noch nicht erreicht. Vorbei die Zeiten, als Gonzalez etwa im Relegationsrückspiel bei Union Berlin (0:0) vom Mai 2019 beim womöglich spielentscheidenden Freistoßtor von Dennis Aogo im Abseits stand – und hinterher nach dem Abstieg wie ein geprügelter Hund im Stadion-Innenraum umherirrte, ehe er den Tränen freien Lauf ließ.

Inzwischen ist Nicolas Gonzalez zum größten Faustpfand des VfB, zum Profi mit dem höchsten Verkaufswert gereift. Offiziell besitzt der Linksfuß mit der engen Ballführung noch einen Vertrag bis 2023. Allerdings hatte Gonzalez selbst bereits seinen Abschied befeuert: „Es war eine großartige Zeit. Aber ich brauche ein Luftveränderung. Ich werde Stuttgart verlassen“, hatte er italienischen Medien verraten. Klar ist also: Gonzalez will lieber heute als morgen weg.

So ist aus seinem Umfeld zu hören, dass es dem dreimaligen argentinischen Nationalspieler mit weiteren Auftritten auf höherer Ebene nicht schnell genug gehen kann. Ein Motiv, das bereits bei seinem im vergangenen Winter zu Hertha BSC abgewanderten Landsmann Santiago Ascacibar zu beobachten war.

Offiziell will man vonseiten der Agentur ISCM um ihren Chef José Noguera nichts sagen – jener Firma mit Sitz in Deutschland, Spanien und der Schweiz, die Gonzalo Gonzalez einst vom Rio de la Plata an den Neckar vermittelte. Doch die Stuttgarter Welt mit dem alleinigen Ziel des Nichtabstiegs, dem Bundesliga-Klassenerhalt, sie erscheint dem Argentinier ganz offensichtlich inzwischen als zu klein.

Spätestens mit dem Auftritt gegen den HSV dürfte aber auch der Stuttgarter Vorstandschef Thomas Hitzlsperger als Stadiongast in Kufstein ins Grübeln gekommen sein. Soll man tatsächlich verkaufen? „Man hat gesehen, dass Nico einen weiteren Schritt gemacht hat. Er kriegt die Diskussionen um seine Person ja auch mit – aber er gibt weiter Vollgas“, fasste Hitzlsperger das Szenario zusammen: „Ich bin froh, wenn er lange da ist. Aber wir wissen auch, wie die Realität aussieht. Niemand weiß, wo am Ende die Reise hingeht.“

Allerdings gleicht der Poker um die Zukunft des Nicolas Gonzalez für den VfB mit Blick auf den näher rückenden Saisonstart zunehmend einem Vabanquespiel. Immerhin haben sich die Spielregeln in Corona-Zeiten gewaltig verändert. So groß wie aktuell war die Unsicherheit auf dem noch bis zum 5. Oktober, also zwei Wochen nach Bundesliga-Start, geöffneten Transfermarkt noch nie. Ohne Zuschauereinnahmen sowie durch reduzierte TV-Gelder müssen alle 36 Bundesligisten aus erster und zweiter Liga den Gürtel enger schnallen – und warten ab.

15 Millionen Euro, da sind sich die Experten einig, würde Nicolas Gonzalez allerdings trotz anhaltender Pandemie bringen. Schließlich ist der VfB-Stürmer auch bei einigen ausländischen Klubs in den Fokus gerückt: So hatte der englische Premier-League-Aufsteiger Leeds United um seinen argentinischen Headcoach Marcelo Bielsa Interesse angemeldet, ehe man sich letztlich für den spanischen Nationalspieler Rodrigo vom FC Valencia für eine Ablöse von 30 Millionen Euro entschied.

Das Problem für den VfB: Zumindest 20 Millionen Euro sollten es für Gonzalez schon sein. Auch, weil die Argentinos Juniors noch mit zwölf Prozent an einem möglichen Weiterverkauf partizipieren. Zudem hat mit Mario Gomez ein Routinier seine Karriere beendet, während die restlichen vier Stürmer im VfB-Kader – Silas Wamangituka, Hamadi Al Ghaddioui, Sasa Kalajdzic und Mateo Klimowicz – gemeinsam über die Erfahrung von null Erstligaspielen verfügen.

Ersatz zu finden wird schwer

Ein veritabler Ersatz für Gonzalez (14 Tore in der Vorsaison) müsste also erst einmal gefunden werden. Ein schwieriges Unternehmen für den VfB-Sportdirektor Sven Mislintat. Weshalb ein Branchenkenner und VfB-Intimus, der seinen Namen nicht genannt haben will, sagt: „Ich würde mit dem Verkauf noch ein Jahr warten. Dann haben wir eine ganz andere Marktlage – und die Form von Nico Gonzalez wird bis dahin bestimmt nicht schlechter.“

VfB will Pablo Maffeo ausleihen oder verkaufen


Der VfB ist guter Dinge, Pablo Maffeo an einen spanischen Verein binden zu können. So gibt es für den Verteidiger, der für eine Ablöse von 9,5 Millionen Euro verpflichtet wurde, in seiner Heimat einige Interessenten, darunter offenbar Real Valladolid. Im Gespräch ist eine Leihe oder ein Verkauf für rund fünf Millionen Euro.