Ulm / Carsten Muth/dpa Den Zweitligisten plagen grundsätzliche Probleme. Die Geisterkulisse beim bitteren 1:2 in Wiesbaden lässt einige Baustellen erkennen. Von Carsten Muth

Der VfB Stuttgart befindet sich in der Bredouille. Auch drei Tage nach 1:2 beim SV Wehen Wiesbaden haben die Verantwortlichen des Fußball-Zweitligisten an der Last-Minute-Niederlage zu knabbern. Die umstrittene Elfmeter-Entscheidung, die den Gastgebern in der Nachspielzeit den Siegtreffer ermöglichte, hat viel Wirbel ausgelöst (wir berichteten).

Doch die Probleme des VfB in dieser Zweitliga-Spielzeit lassen sich nicht allein am Schiedsrichter festmachen. Das weiß Sven Mislintat. Der Sportdirektor legte bei seinem verbalen Rundumschlag nach dem Knock-Out in Wiesbaden auch durchaus Wert auf diese Tatsache. Angesprochen auf die Strafstoß-Entscheidung von Referee Sascha Stegemann sprach der sonst so besonnene 47-Jährige jedoch mehrfach von einem „Skandal“. Angesichts dessen ging die sachliche Kritik an den sportlichen Defiziten des Aufstiegsaspiranten, der nun auf Platz drei abgerutscht ist, beinahe unter. Das Spiel machte die Probleme offenkundig. Das ebenso bittere wie unglückliche 1:2 beim Abstiegskandidaten zeigte einmal mehr, dass diese grundsätzlicher Natur sind.

Kaderplanung Vor gut einem Jahr hat Sportdirektor Mislintat seinen Job angetreten. Als Chef-Kaderplaner verpflichtete er bislang fast 20 Spieler. Doch immer wieder gibt es Ausrutscher. Der Klub kommt nicht recht von der Stelle und in Schwung. Die Zeit drängt, denn es bleiben nur noch acht Spieltage.

Nach der erneuten Niederlage gegen einen Außenseiter dürfte sich Mislintat die Frage stellen, ob dieser Kader richtig zusammengestellt worden ist. Trotz Mario Gomez, Hamadi Al Ghaddioui oder Nicolas Gonzales: Dem VfB fehlt ein treffsicherer Stürmer. Der Klub verzichtete aber auf eine Nachverpflichtung in der Winterpause. Das ist freilich nur eine Baustelle. Offen gab Mislintat nach der Pleite in Hessen ein mutmaßlich größeres Problem zu: Es fehlen „die Typen“.

Fehlende Typen Keine Frage: Individuelle Qualität gibt es im üppigen VfB-Kader zuhauf. Ebenso hochveranlagte Talente wie etwa Silas, Clinton Mola, Tanguy Coulibaly oder Mateo Klimowicz. Allerdings ist die Mannschaft offenkundig zu brav. Diesen Eindruck gewannen Beobachter jedenfalls beim Geisterspiel in Wiesbaden. Das Team ist zu leise. Es muss sich mehr wehren, hieß es.

„Jetzt kann man darüber nachdenken, ob wir diese extrovertierten Typen haben, die das alle komplett leben oder nicht, wenn wir unsere Führungsspieler angucken“, sagte Mislintat nach dem Spiel vielsagend. Bemerkenswert: Zu hören waren im leeren Stadion in Wiesbaden zumeist nur Torhüter Gregor Kobel oder Kapitän und Abwehrchef Marc Oliver Kempf. Selbst der Sportdirektor auf der Tribüne war lauter als viele VfB-Profis auf dem sattgrünen Rasen. Was Mislintat mehr als verwunderte. „Wenn ich sehe, dass Silas viermal, mindestens zwei- bis dreimal gelbwürdig gefoult wird, und der Einzige, dem die Hutschnur platzt, der Sportdirektor auf der Tribüne ist, dann muss ich von meinen Jungs auf dem Platz erwarten, dass sie sich da selbst besser unterstützen. Das ist das, was wir lernen müssen.“

Unkonzentriertheiten Die mangelnde Chancenverwertung ist und bleibt ein Problem der Stuttgarter in dieser Saison. Auch dafür glich die Partie in Wiesbaden einer Blaupause. Dort vergab Routinier Mario Gomez schon nach wenigen Minuten eine tolle Einschussmöglichkeit. Wer weiß, wie das Spiel ausgegangen wäre, wenn der 34 Jahre alte Angreifer zu diesem Zeitpunkt getroffen hätte? Zur Erinnerung: Mit nur sieben Treffern ist Nicolas Gonzalez bester VfB-Torschütze in dieser Saison.

Dennoch hat der auswärtsschwache VfB am Sonntag (13.30 Uhr/Sky) bei Holstein Kiel die Chance, einen Schritt in Richtung Bundesliga zu machen. Denn im Parallelduell dürften sich die Aufstiegsrivalen Hamburger SV und Arminia Bielefeld gegenseitig die Punkte wegnehmen. (mit dpa)

VfB prüft Einspruch gegen Niederlage

Der VfB Stuttgart prüft einen Einspruch gegen die Wertung seiner 1:2-Niederlage in der 2. Fußball-Bundesliga beim SV Wehen Wiesbaden. Das bestätigte ein Vereinssprecher der Schwaben am Dienstag auf Nachfrage. Zuvor hatten die „Stuttgarter Nachrichten“ und die „Stuttgarter Zeitung“ darüber berichtet.

Die Partie am Sonntag war durch einen Elfmeter für Wehen-Wiesbaden in der fünften Minute der Nachspielzeit entschieden worden. Schiedsrichter Sascha Stegemann entschied nach einem mutmaßlichen Handspiel von VfB-Stürmer Al Ghaddioui und Rücksprache mit dem Videoassistenten auf Strafstoß.

Der Deutsche Fußball Bund (DFB) fand den Elfmeter „regeltechnisch korrekt“, erkannte aber auch einen Fehler des betreffenden Videoassistenten. Dessen Empfehlung an Stegemann, sich die strittige Szene noch mal auf einem Bildschirm am Seitenrand anzuschauen, sei „nicht angebracht“ gewesen. dpa