Box-Legende, gläubiger Moslem, Aktivist, Kriegsdienstverweigerer, charismatischer Witzbold, Entertainer, Großmaul. Idol und Feindbild von Millionen. Alles das war Muhammad Ali und noch viel, viel mehr. Am kommenden Montag wäre der US-Amerikaner 80 Jahre alt geworden. Eine neue TV-Doku-Reihe beleuchtet nun Leben und Wirken Alis, eines außergewöhnlichen Mannes, der als der beste Faustkämpfer aller Zeiten in die Geschichte einging.

Die vier Teile der bemerkenswerten Serie sind am Dienstag und Mittwoch jeweils von 20.15 Uhr an auf Arte zu sehen – sowie in der Mediathek des Senders abrufbar. Die Filme des Regisseur-Trios Ken und Sarah Burns und Davic McMahon erzählen die Geschichte eines selbstbewussten wie selbstbestimmt lebenden Menschen, der mit vielen Talenten gesegnet war, nicht nur boxerischen. Dessen Leben vom Glauben dominiert war – und eine Strahlkraft entwickelte, die weit über den Sport hinausreichte.

Ali wurde 1942 als Cassius Marcellus Clay in Louisville, Kentucky geboren. Er starb, schwer von einer Parkinson-Erkrankung gezeichnet, am 3. Juni 2016 in Scotsdale, Arizona. Ali war ein Jahrhundertsportler. Olympiasieger 1960, der einzige Schwergewichtler, der den Titel des unumstrittenen Weltmeisters dreimal in seiner Karriere gewinnen konnte, die Titel aller anerkannten Weltboxverbände vereinte.

Der tanzende Champion

Der 1,91 Meter große Kämpfer dominierte die Szene in den 1960er Jahren, nachdem er sich den WM-Gürtel 1966 gegen Sonny Liston geholt und dabei einen einzigartigen Stil kreiert hatte. Ali war trotz seiner Größe sehr schnell auf seinen Beinen. Er tanzte im Ring, war in der Lage, rasend schnelle Kombinationen zu schlagen, den Gegner auszugucken. Auf die übliche Doppeldeckung verzichtete der Champ gerne mal. Ali ließ die Arme an seinem Körper herunterbaumeln, wich den Schlägen seiner Kontrahenten aus, in dem er sich mit dem Oberkörper zurücklehnte oder zur Seite auswich. So etwas hatte die Sportwelt bis dato noch nicht gesehen.

Die Geschichte des außergewöhnlichen Sportlers, der immer wieder Teile seiner Kampfbörsen dafür ausgab, um Kindergärten und Schulen sowie Menschen in Not finanziell zu unterstützen, lässt sich nicht ohne dessen Hinwendung zum Glauben erzählen. Als junger Mensch schloss er sich der Nation of Islam an, einer sektenähnlichen, religiös-politischen Organisation. Das erste Mal Weltmeister wurde Ali noch als Cassius Clay. Wenig später legte er den Namen ab, nannte sich fortan Muhammad Ali, wurde Freund und Wegbegleiter des schwarzen Bürgerrechtsaktivisten Malcolm X. Beide prangerten den Rassismus der weißen Gesellschaft an. „Cassius Clay ist ein Sklavenname. Ich habe ihn nicht gewählt, und ich will ihn nicht“, sagte Ali damals.

Ali polarisierte in einer Gesellschaft, die in den 60er Jahren politisch aufgeheizt war. Er verspottete seine Widersacher. Nicht nur jene, die sich weigerten, ihn mit seinem neuen Namen anzusprechen. Die Weigerung Alis, für sein Land im Vietnam-Krieg zu kämpfen, führte zum Bruch mit einem Großteil der US-Gesellschaft. Der 25-Jährige begründete seine klare Haltung mit seinem Glauben, der ihm einen solchen Kriegsdienst nicht erlaube.

Ein Gericht verurteilte den Boxer zu einer Haftstrafe wegen Kriegsdienstverweigerung, die nie vollzogen wurde. Die Boxverbände entzogen Ali sämtliche Titel. Erst nach drei Jahren durfte der Schwergewichtler wieder in den Ring steigen. Zwischenzeitlich hatten starke Kontrahenten die Bühne des Weltboxens betreten. Darunter Joe Frazier und George Foreman, mit denen sich Ali in den 1970er Jahren epische Ringschlachten lieferte. Aus Ali, dem eleganten Box-Souverän der 60er Jahre, wurde nun ein erbitterter Kämpfer. Und ein Boxer, der selbst K.o. ging, viele harte Treffer einstecken musste. 

Ende 1981, nach einer Niederlage gegen Trevor Berbick, beendete Ali seine Karriere. Viel zu spät, wie viele Fachleute sagen. 1984 wurde bei Ali Parkinson diagnostiziert. Um den früheren Champion wurde es still. 1996, sichtlich gezeichnet von seiner Erkrankung, entzündete er das Feuer bei den Olympischen Spielen in Atlanta. Mehr als eine Milliarde Menschen schaute zu.

2016 ging Alis Leben zu Ende. Die Verehrung ist geblieben. Der US-amerikanische Singer-Songwriter, Lyriker und Nobelpreisträger Bob Dylan schrieb einmal über Ali: „Wenn sich Größe darin vermisst, das Herz eines jeden Menschen auf der Erde zu erfreuen, dann war er wirklich der Größte.“ Der größte Boxer aller Zeiten ist auf dem Cave Hill Cemetery in seiner Heimatstadt Louisville beerdigt. Auf seinem Grabstein ist ein Spruch eingraviert, den Ali gerne zitierte: „Der Dienst am Nächsten ist die Miete für deinen Platz im Himmel.“

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Profikämpfe hat Muhammad Ali in seiner Karriere bestritten. Der Schwergewichtsboxer hat 56 Duelle gewonnen (37 durch K.o.) und fünf Niederlagen erlitten.