Als sich der Trubel um die neue Stufenbarren-Europameisterin Elisabeth Seitz gerade gelegt hatte, da legte Nachwuchstalent Emma Malewski mit einer zweiten EM-Goldmedaille bei den European Championships sensationell nach. Und das Publikum in der Münchner Olympiahalle rastete aus.

Die gerade 18 Jahre alte Chemnitzerin Malewski blendete den Lärm in der Arena aus, gratulierte der deutschen Rekordmeisterin aus Stuttgart kurz, blieb cool und kam nahezu ohne Wackler über den „Zitterbalken“. Fassungslos verfolgte die gebürtige Hamburgerin, wie ihre Rivalinnen anschließend reihenweise vom Gerät fielen. „Es ist einfach phantastisch, ein perfekter Tag. Durch die vielen Zuschauer fühlt sich alles noch viel krasser an. Ich bin schon ein bisschen stolz auf mich“, sagte die Schülerin.

Revanche für verpasste Chancen

Zu diesem Zeitpunkt hatte Seitz – immer noch mit feuchten Augen ihre ersehnte Trophäe bewundernd – ihren langersehnten Triumph endlich realisiert. „So viele vierte, fünfte und sechste Plätze, endlich ist es vorbei“, sagte die Stuttgarterin mit einem leichten Seufzen in der Stimme. Nach 13 Jahren auf der internationalen Turnbühne kam die 28-Jährige bei den European Championships zum allerersten Mal ganz oben an. Eine „nicht perfekte Übung“ reichte zum so oft knapp verpassten Titel, für die Sportsoldatin „der absolute Höhepunkt“.

Einen ebenfalls bombastischen Schlusspunkt erlebte im Windschatten der neuen Europameisterinnen Kim Bui. Die langjährige Trainingsgefährtin von Seitz kam in ihrem letzten Wettkampf am Stufenbarren auf Rang fünf.

Schon der erstmalige Gewinn der Bronzemedaille im EM-Mannschaftsfinale am Samstag hatte die Erwartungen des neuen Cheftrainers Gerben Wiersma übertroffen. „Die Top-Five waren eigentlich unser Ziel“, sagte der Niederländer. sid