Als die schlimmen Befürchtungen bittere Realität wurden, waren auch die Bosse von Bayern München rund 4000 Kilometer von Doha entfernt bestürzt. „Wir sind alle geschockt“, sagte der Münchner Sportvorstand Hasan Salihamidzic über das WM-Aus von Lucas Hernandez. Der französische Verteidiger und Hoffnungsträger erlitt beim 4:1 gegen Australien einen Kreuzbandriss.

Hernandez soll „zeitnah“ abreisen, „zu uns kommen, dann operiert werden und seine Reha in München antreten. Er kriegt alle Unterstützung, die möglich ist“, führte Salihamidzic aus. Der Eingriff soll wohl in Innsbruck bei Kniespezialist Christian Fink erfolgen, der zuletzt auch Bayerns Top-Star Sadio Mané am Wadenbeinköpfchen operiert hatte.

Während der Senegalese wohl in der heißen Bundesliga-Saisonphase wieder einsteigt, sieht die Prognose bei Hernandez düster aus: Es ist kaum vorstellbar, dass der 26-Jährige bei der Münchner Triple-Mission eine Rolle spielen wird. „Wir bedauern das sehr“, führte Salihamidzic aus, gab sich aber schon wieder optimistisch: „Lucas ist ein Kämpfer und wird stark zurückkommen. Er kriegt dafür alle Unterstützung.“ Nach Informationen des „Kicker“ will der FC Bayern in der Winterpause nicht personell nachlegen.

Hernandez hatte gerade erst einen Muskelbündelriss überstanden. Wegen dieser Verletzung hatte er bereits anderthalb Monate ausgesetzt. Beim Auftaktspiel der Franzosen gegen Australien war er bei einem harmlos wirkenden Laufduell mit Mathew Leckie aus dem Gleichgewicht geraten und zu Boden gestürzt.

Sechster bitterer Ausfall

Weil Hernandez mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen blieb, „haben wir sofort gemerkt, dass es etwas Schlimmeres ist“, sagte Frankreichs Kapitän und Torwart Hugo Lloris. Die vielen Ausfälle würden für den Weltmeister mehr und mehr „zu einem großen Problem“. Das sah auch Trainer Didier Deschamps so. „Wir alle sind sehr traurig, weil wir einen wichtigen Spieler verloren haben“, sagte der Weltmeistercoach. Er habe keine Zweifel, dass Hernandez diese schwierige Zeit überstehe. Doch kurzfristig für die WM, immerhin steht bereits am Samstag das nächste Spiel gegen Dänemark (17 Uhr MEZ/ARD und MagentaTV) an, muss Des­champs erneut improvisieren.

Lucas Hernandez, Innenverteidiger Presnel Kimpembe, Weltfußballer und Torgarant Karim Benzema, die Mittelfeldspieler Paul Pogba und N‘Golo Kanté sowie der Leipziger Christopher Nkunku – es sind allesamt Startelfkandidaten, die fehlen.

Wie es nun weitergeht? „Darüber muss ich mir Gedanken machen“, sagte Deschamps. „Aber wir haben Alternativen.“ sid