Sensationssieger Pierre Gasly wippte beim Ertönen der Marseillaise auf dem Podest nach seinem Coup im Monza-Chaos ungläubig mit. Sebastian Vettel flüchtete sich nach dem Ferrari-Totalschaden im High-Speed-Drama in bitteren Sarkasmus. „Am Dienstag bin ich im Simulator, das Auto hält wenigstens“, sagte der viermalige Formel-1-Weltmeister nach seiner desaströsen Abschiedsvorstellung für die Scuderia in der Lombardei. An Vettels Dienstwagen explodierten die Bremsen – hochgefährlich, bei einem Crash standen zum Glück nur Styropor-Aufsteller im Weg. Stallrivale Charles Leclerc krachte einige Runden nach dem frühen Vettel-Aus beim 999. Rennen der Scuderia brutal in die Reifenstapel, blieb aber unverletzt.

Im irren Spektakel mit zwei Safety-Car-Phasen, einer Unterbrechung von 21 Minuten triumphierte völlig unerwartet der Franzose Gasly von Alpha Tauri vor Vettels Ferrari-Nachfolger Sainz und Lance Stroll im Racing Point. „Unglaublich, ich weiß noch nicht, ob ich das schon realisiere“, stammelte Gasly. „Ich komme damit noch gar nicht richtig klar, ich habe keine Worte.“

Bremsleitung explodiert

Im Hinterfeld erlebte Vettel sein nächstes Formel-1-Drama in diesem Jahr. Erst explodierte die Bremsleitung an seinem Ferrari, dann krachte er durch die Styropor-Absperrung ausgangs der ersten Kurve. Die Hydraulikflüssigkeit fing Feuer. Vettel rollte mit seinem lahmenden Wagen zurück in die Box und stellte ihn in der achten Runde ab. „Ich weiß im Moment auch nicht weiter“, sagte der ratlose Heppenheimer. „Das Ferrari-Auto ist unfahrbar“, kommentierte Nico Rosberg im TV-Sender RTL. Vettel sagte: „Der Drops ist aber gelutscht. Nächstes Jahr betrifft mich nicht.“ Vettel muss Ferrari im Winter verlassen. Für seinen Stallrivalen Leclerc war in Runde 25 Schluss. Der Grand Prix musste nach dessen Unfall unterbrochen werden, die Fahrer kehrten kurz danach in die Garagen zurück. Hamilton bekam Ärger nach der ersten Safety-Car-Phase.

Der Brite war nach dem Ausfall von Haas-Pilot Kevin Magnussen sofort zum Reifenwechsel reingekommen. Die Boxeneinfahrt war zu diesem Zeitpunkt aber nicht freigegeben. Hamilton erhielt eine Strafe von zehn Sekunden, die er später an der Box absitzen musste. Die Standstrafe warf ihn auf den letzten Platz zurück. Der Weltmeister nahm mit 23 Sekunden Rückstand auf das Vorderfeld die Jagd auf, kam als Siebter noch in die Punkteränge.

An der Spitze führte völlig überraschend Gasly den Grand Prix an. Sainz und Racing-Point-Mann Stroll hatte der Franzose im Nacken. Während sich Hamilton noch in die Punkte rettete, verteidigte der Alpha-Tauri-Fahrer seine Führung ins Ziel. dpa

Racing Point zieht Einspruch zurück


Racing Point und Ferrari haben ebenso wie zuvor Renault in der Kopier-Affäre der Formel 1 ihren Protest gegen das Urteil der Fia-Kommissare zurückgezogen. Racing-Point akzeptiert damit den Abzug von 15 Punkten in der Konstrukteursweltmeisterschaft sowie die Geldstrafe von 400 000 Euro.

Anfang August war die Kommission des Automobil-Weltverbandes Fia zu dem Schluss gelangt, dass die hinteren Bremsbelüftungen des Raching-Point-Modells RP20 illegal von Motorenpartner Mercedes kopiert worden sind.