Nach 289 Tagen Pandemie-Zwangspause ist die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zurück auf dem Platz – und hat das erste Geisterspiel ihrer Geschichte absolviert. Das Team von Bundestrainer Jogi Löw trennte sich am Donnerstagabend in Stuttgart von dem früheren Welt- und Europameister Spanien im ersten Nations-League-Spiel dieser Saison mit 1:1. Bitter: Der Ausgleich für Spanien fiel in der sechsten Minute der Nachspielzeit.

Auch ohne einige Stammkräfte – der Bundestrainer hatte unter anderem auf Manuel Neuer, Serge Gnabry, Joshua Kimmich und Leon Goretzka von Triple-Gewinner Bayern München verzichtet – bot die deutsche Elf eine ansprechende Leistung. Kevin Trapp, Keeper der Frankfurter Eintracht, und Debütant Robin Gosens, Mittelfeldspieler von Atalanta Bergamo, durften ebenso von Beginn an ran wie Außenstürmer Julian Draxler, der beim Champions-League-Finalisten Paris St. Germain zuletzt noch zweite Wahl gewesen war.

Löws Mannschaft agierte mutig im 3-4-3. Die von Niklas Süle organisierte Dreier-Abwehrkette rückte mutig auf, im Mittelfeld ließen Ilkay Güngogan und Toni Kroos, der die Elf als Kapitän aufs Feld geführt hatte, die Bälle laufen. Vorne aber hatten es Leroy Sané, Julian Draxler und Timo Werner schwer, sich gegen die konzentriert spielende spanische Abwehrreihe um Real Madrids Sergio Ramos in Szene zu setzen – auch weil die deutsche Elf im letzten Angriffsdrittel die nötige Präzision vermissen ließ.

Die Gäste, gespickt mit technisch starken Akteuren wie den Noch-Bayern-Spielgestalter Thiago, Dreh- und Angelpunkt der Spanier, versteckten sich keineswegs. Phasenweise übernahmen sie klar das Kommando in der Mercedes-Benz-Arena, drängten die Deutschen zurück. Und unter Druck wirkte Löws Hintermannschaft nicht immer souverän.

Chancen gab es freilich auf beiden Seiten. Ex-VfBler Thilo Kehrer (11.) und Leroy Sané (18.) hatten das 1:0 für Hausherren auf dem Kopf und Fuß. Auf der Gegenseite reagierte Torwart Kevin Trapp gleich drei Mal stark: gegen Rodrigo Moreno (14./45.) und Sergio Busquets (23.).

In Halbzeit zwei erwischten Löws Schützlinge einen Start nach Maß. Gündogan öffnete klug das Spiel mit einem Diagonalball auf Robin Gosens. Dieser eilte auf dem linken Flügel davon, passte  nach innen, wo Wirbelwind Timo Werner, der gebürtige Stuttgarter, nun in Diensten des FC Chelsea, aus der Drehung heraus zum 1:0 einschoss  (51.). Ein toller Angriff des DFB-Teams, das fünf Minuten später auf 2:0 hätte erhöhen können. Diesmal aber traf Werner nur das Außennetz.

Spanien ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, verlagerte nun zunehmend das Spiel in die deutsche Hälfte, entwickelte Druck, wollte den Ausgleich. Bundestrainer Löw reagierte, stärkte die Defensive, brachte Abwehrspezialist Matthias Ginter für Sané, der nach seiner langen Verletzungspause noch nicht in Topform war. Die deutsche Elf machte fortan die Räume dicht, lauerte auf Konter, kam jedoch minutenlang nicht mehr heraus aus der Umklammerung der Gäste. Immerhin: Die deutsche Defensive stand. Bis auf die Chance Thiagos – er verfehlte Trapps Kasten nur knapp – sprang zunächst nichts heraus für die spanische Nationalelf (70.). Als die deutsche Elf den Sieg zum Greifen nahe hatte, schlug Spanien doch noch zu. Luis Gaya schob in der Nachspielzeit aus kurzer Distanz ein – es war die letzte Aktion dieser Partie (96.).

Am kommenden Sonntag schon geht es für das DFB-Team weiter. Das zweite Spiel in der Nations-League-Gruppe 4 steht an: in Basel gegen die Schweiz (20.45 Uhr/ZDF).

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Zuschauer „aus systemrelevanten Berufsgruppen“ wollte der Deutsche Fußball-Bund für das Länderspiel gegen Spanien in Stuttgart zulassen. Dies aber lehnte die Uefa ab.