Der Mann für alle Fälle in der Formel 1 war gut drauf. „Nicht so schlecht für einen Halbtagsarbeiter“, sagte Nico Hülkenberg über sein mit Platz acht gelungenes Nürburgring-Wochenende – das doch so ganz anders geplant war. Eigentlich sollte er für RTL im Kölner Studio den Experten geben. Am Samstag gegen 11 Uhr klingelte sein Handy. Der Anrufer: Otmar Szafnauer, Teamchef von Racing Point. Hülkenberg hob ab, Szafnauer rief: „Wir brauchen dich!“

 Der 33-Jährige überlegte nicht lange, brauste die gut 100 km von der Domstadt in die Eifel. Ankunft kurz nach 12 Uhr, Coronatest mit Blitz-Auswertung, Overall anziehen, ab ins Auto. „Ohne Vorbereitung, so richtig aus der kalten Hose“, sagte er nach Platz 20 im Qualifying: „Aber ich bin Rennfahrer, das ist mein Job. Da muss man so eine Chance beim Schopf packen.“ Sein Wagemut zahlte sich aus: Vom Ende des Feldes fuhr der Superjoker in die Punkteränge und wurde von den Formel-1-Fans weltweit zum „Fahrer des Tages“ gewählt, noch vor dem neuen Rekordsieger Lewis Hamilton. „Es hat alles super gepasst“, resümierte Hülkenberg, „dabei habe ich einfach nur versucht, die Karre auf dem Asphalt zu halten.“ Der 179-malige Grand-Prix-Starter ist verschenkt als Vertretungsfahrer, so wie diesmal für den an einer Magenverstimmung leidenden Kanadier Lance Stroll. Allein: Ganz so einfach ist die Rückkehr in die Formel 1 nicht. Zwar sind acht der 20 Cockpits für 2021 noch nicht offiziell vergeben, hinter den Kulissen wird aber heftig geschachert.

Die Berufung Mick Schumachers zu Alfa Romeo scheint klar. Bei Alpha Tauri kommen traditionell nur Fahrer aus dem Red-Bull-Nachwuchspool zum Einsatz. Und bei Haas wird Hülkenberg zwar gehandelt, aber auch viele andere Kandidaten.

Bleibt das Red-Bull-Mutterteam selbst gewiss eine attraktive Lösung. Doch wie sieht es für 2021 aus? „Alex Albon muss performen, dann bleibt er“, sagte der Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko über Albon.

Marko glaubt „nicht, dass jemand näher als drei Zehntel an Max Verstappen herankommen würde. An guten Tagen ist Albon dazu auch in der Lage.“ Das klingt derzeit nicht gut für Superjoker Hülkenberg und dessen Chancen auf ein Cockpit. sid/dpa