Die Nase blutig, der Rücken „ziemlich mitgenommen“ – doch Josef Ferstl kämpft sich durch. Der Kitzbühel-Sieger von 2019 wird nach seinem schweren Trainingssturz auf der Streif bei den Abfahrten am Freitag (11.30 Uhr) und Sonntag (13.30 Uhr/beide 3.30 Uhr/ARD und Eurosport) in Österreichs Ski-Mekka an den Start gehen.

„Gut aufwärmen, Zähne zusammenbeißen, Schmerztabletten brauche ich auch“, sagte Ferstl nach dem zweiten Training auf verkürzter Strecke am Donnerstag. Neben dem Cut auf der Nase habe er Prellungen und leichte Muskelzerrungen erlitten, „aber es ist überschaubar“. Allerdings habe er starke Schmerzen, „besonders nach dem Aufstehen“.

Umso wichtiger war für den 33-Jährigen, dass er die berühmt-berüchtigte und in diesem Jahr leicht veränderte Piste noch einmal unter Rennbedingungen fahren konnte – wenngleich wegen Schneefalls von der Seidlalm aus gestartet wurde. „Das ist auch für den Kopf gut“, sagte er über den Test: „Das Gefühl war gut, es hat geschneit und war extrem langsam – für mich perfekt zum Reinkommen.“

Auf Rang 21 hatte er 1,57 Sekunden Rückstand auf die Bestzeit von Christof Innerhofer (Italien). Bester Deutscher bei der wenig aussagekräftigen Probe war Dominik Schwaiger auf Rang zwölf. Andreas Sander, Romed Baumann und Simon Jocher kamen auf die Ränge 18, 25 und 28.

Wie am Mittwoch sorgte auch die Entschärfung der Strecke für Diskussionen. „Es geht gut zu fahren“, sagte Ferstl, der den Eingriff dennoch „schade“ findet, „weil der Traverse und der Hausbergkante komplett der Charakter genommen wird“. Dort seien früher „Eier“ gefragt gewesen – das sei nun nicht mehr der Fall.

Baumann stimmte zu, nannte die Änderung wegen der vielen Stürze der Vergangenheit aber sinnvoll. Das Ziel, die Geschwindigkeit für den Zielsprung zu reduzieren, werde jedoch nicht erreicht, ergänzte Sander: „Es sind sich alle einig, dass es nicht dabei bleibt.“

Vize-Weltmeister Andreas Sander steckt zweieinhalb Wochen vor den Olympia-Rennen in Peking im Formtief. Die Wende soll ausgerechnet in Kitzbühel gelingen. „War okay“, sagte Sander nach dem zweiten Training und Rang 18 am Donnerstag, „ich habe den nächsten Schritt gemacht“. Sander (32) fuhr in diesem Winter erst zwei Mal in die Top 10 – im Super-G. In der Königsdisziplin, in der er vor einem Jahr sensationell WM-Silber gewonnen hatte, reichte es bei fünf Starts nur einmal für die Top 15.

Bei der Suche nach den Gründen für die Formschwäche landet Alpinchef Wolfgang Maier bei Sanders Silber-Coup. „Man kann auch an den Erwartungen scheitern“, sagte er. Sander sei „ein sensibler Rennfahrer“. „Wir wissen, was zu tun ist“, sagt Sander: „Ich bin auf dem richtigen Weg, ganz sicher.“ Und wenn nicht? Dann, sagte Maier, habe Sander wenigstens „keinen Erwartungsdruck für Peking“ mehr. „Es gibt ja nichts Schlechtes“, meinte der Boss und lachte, „was nicht auch einen Vorteil hat.“ sid