Dass Eric Maxim Choupo-Moting, 33, nur auf Geheiß des Staatspräsidenten in die Nationalmannschaft Kameruns zurückkehrte, ist eine Legende. Einen Zusammenhang gibt es aber durchaus. Denn der vorherige Nationaltrainer Toni Conceiçao stolperte im Februar quasi über den Stürmer des FC Bayern München. Conceiçao hatte Choupo-Moting im verlorenen Halbfinale des Afrika-Cups gegen Ägypten nicht eingesetzt; der boykottierte das Spiel um Platz 3 und trat aus dem Nationalteam zurück.

Woraufhin Staatspräsident Paul Biya die Entlassung des Trainers anordnete. Unter dem von Verbandspräsident Samuel Eto‘o installierten Nachfolger Rigobert Song kehrte Choupo-Moting ins Nationalteam zurück. Und ist bei der WM nach seinem jüngsten Höhenflug in München der ganz große Hoffnungsträger.

„Im Endeffekt muss man sagen, dass es für Kamerun ein Glück war, dass Robert Lewandowski den FC Bayern verlassen hat“, sagt Winfried Schäfer, von 2001 bis 2004 Nationaltrainer Kameruns über den einstigen Lewandowski-Backup, der sich zuletzt zum Torjäger entwickelt hat: „Wahnsinn, wie der Junge zuletzt aufgetreten ist. So einen Stürmer brauchst du.“ Volker Finke, der von 2013 bis 2015 Trainer der „unbezähmbaren Löwen“ war und damals auch Choupo-Moting trainierte, traut dem Stürmer vor Kameruns WM-Auftakt gegen die Schweiz am Donnerstag (11 Uhr/Magenta TV) sogar eine noch wichtigere Rolle zu. „Seine ganz große Stärke ist, dass er in der Kabine jemand ist, der dem Team guttut“, sagt der langjährige Coach des SC Freiburg. 

Im ausgeglichenen Kader sei Choupo-Moting als erfolgreicher Stürmer des FC Bayern derzeit „der Einzige, der weit über die Grenzen hinaus bekannt ist“, betont der langjährige Karlsruher Schäfer. Doch vor allem macht eben seine Torquote Mut. Wie das britische Portal „The Athletic“ ermittelte, waren in den Top-5-Ligen Europas nur drei Spieler an mehr Toren pro Spiel beteiligt als der gebürtige Hamburger mit kamerunischem Vater: Erling Haaland, Neymar und Lewandowski. „Selbstbewusstsein durch Rückenwind, gute Form, Spielglück, gute Kommunikation – bei ihm stimmt im Moment einfach alles“, stellt Finke fest. Ob das zum Weiterkommen reicht, dürfte sich an diesem Donnerstag in Gruppe G mit Brasilien und Serbien schon entscheiden. dpa