Freiburg / Petra Walheim Am neuen Stadion wird mit Hochdruck gearbeitet. Zum Saisonstart 2020/21 soll es fertig sein. Doch der Zeitrahmen ist knapp bemessen. Von Petra Walheim

Es ist extrem ambitioniert, den August zu schaffen.“ Der Freiburger Baubürgermeister Martin Haag macht keinen Hehl daraus, dass die Zeit knapp werden könnte. „Es kann niemand die Hand dafür ins Feuer legen, dass das klappt.“ Zum Saisonstart im August soll das Stadion des SC Freiburg fertig sein. Bei einem Pressetermin auf der Baustelle konnten sich die Besucher davon überzeugen, dass mit Hochdruck gearbeitet wird. Der Geräuschpegel im fertig gestellten Rohbau des Stadions ist beeindruckend. Aktuell wird unter anderem an der auffälligen Dachkonstruktion an der Ost- und Südtribüne gearbeitet. Das gesamte Dach, einschließlich der Blech-Abdeckung, soll im Frühjahr fertig werden. Sturm „Sabine“ hat die Arbeiten etwas aufgehalten.

Teile kommen von weit her

Auch am Mittwoch wehte noch eine steife Brise über das Gelände. Trotzdem war von allen Seiten zu sehen und zu hören, dass gearbeitet wird. Vor dem Stadion hievte ein Kran Dachelemente in die Höhe, die von Arbeitern in Empfang genommen wurden. Diese Elemente sind – um den Alltagsverkehr nicht zu behindern – nachts von Schwerlasttransportern angekarrt worden, und zwar durch fünf Bundesländer. Die Elemente werden in Ostdeutschland angefertigt. Bis April soll nach Auskunft von Jochen Tuschter von der Stadiongesellschaft das Dach  eingedeckt sein.

Seit Dezember 2018 wird am neuen Stadion des SC Freiburg gearbeitet. Der Bundesligist trägt die Heimspiele seit Jahren mit einer Sondergenehmigung im 65 Jahre alten Schwarzwaldstadion aus. Das Stadion entspricht nämlich eigentlich nicht den Uefa-Richtlinien.  24 000 Zuschauer fasst das alte Stadion. Im neuen, direkt neben der Messe und dem Flugplatz, haben knapp 35 000 Menschen Platz. Es soll 76 Millionen Euro kosten.

„Im Außenbereich sind wir in den letzten Monaten sehr gut voran gekommen“, sagt Jochen Tuschter. Der Rohbau des Hauptgebäudes und der Polizeiwache im Untergeschoss der Nordtribüne ist fertig. Die Kioske unter der Ost- und Südtribüne sind eingebaut, ebenso die Tribünenstufen. Die Trainingsplätze sind aktuell im Bau, und auch die Parkplätze. Daneben sind die Infrastruktur, die Anbindungen an Bus- und S-Bahn-Haltestellen sowie die Haltestellen selbst in Arbeit. Zu Ehren des langjährigen SC-Vorsitzenden Achim Stocker wird die Straße, die das Stadion umschließt, nach ihm benannt.

Was in anderen Stadien längst zum Standard gehört, können die Fans, Geschäftspartner und Sponsoren des SC erst im neuen Stadion genießen. Zum Beispiel besondere Business-Bereiche, die in unterschiedlichen Kategorien 1800 Plätze bieten. Zudem sind 20 Zehner-Logen vorgesehen.

Die Nachfrage nach Business-­Paketen ist jetzt schon enorm. „Wir konnten die Kapazität fast verdoppeln“, sagt Oliver Leki, beim SC Freiburg Vorstand für  Finanzen, Organisation und Marketing. Im Schwarzwald-Stadion können knapp 1100 Pakete angeboten werden, im neuen Stadion sind es fast 2000. „Wir sind jetzt schon fast ausvermarktet. Das ist ein großer Vertrauensvorschuss“, betonte Leki. Und auch eine wirtschaftliche Verbesserung. Außerdem habe man 100 neue Sponsoren gewonnen.

„Wir müssen alle Kräfte mobilisieren, um das alles bis August hinzubekommen“, sagte Leki. „Es bleibt sportlich.“ Und es bleibt weiter ungewiss, ob es klappt. Wegen dieser Unsicherheit, wird der SC zur Saison 2020/21 beide Stadien als Spielstätten anmelden. Zum Ende des zweiten Quartals müsse die Entscheidung fallen, wo das erste Heimspiel stattfinden soll.  Günstig wäre es für den Verein, wenn die Saison auswärts beginnen würde. Dann wäre Zeit gewonnen.

Klage wegen Lärmbelästigung

Sechs Anwohner hatten im Frühjahr 2019 per Eilantrag gegen den Bau der SC-Arena geklagt. Die Begründung: Bei Spielen sei der Lärmpegel zu laut. Das Verwaltungsgericht Freiburg hat den Antrag Ende April abgelehnt. 

Im Oktober der Paukenschlag. Der Verwaltungsgerichtshof als nächsthöhere Instanz untersagte dem SC in einem „unanfechtbaren“ Beschluss, aus Lärmschutzgründen Spiele nach 20 Uhr und sonntags zwischen 13 und 15 Uhr anzupfeifen. Es stellte sich aber heraus, dass der Beschluss auf veralteten Lärmgrenzwerten beruhte. Noch sei nichts entschieden, sagt Baubürgermeister Martin Haag. „Es laufen sehr viele Gespräche.“ wal