Eine Stiftung und ein Bekenntnis: Alexander Zverev leidet selbst an Diabetes und will Betroffenen helfen. Auf dem Weg zum Comeback hat er derweil einen wichtigen Schritt absolviert.

Es brauchte Mut, Selbstvertrauen und eine wochenlange Zwangspause, bis Zverev offen über sein gesundheitliches Problem sprach. „Bisher wussten nicht viele Menschen, dass ich Diabetes habe“, sagte der Tennis­star jetzt. Und: „Ich hatte immer Angst, dass meine Gegner sich gegen mich stärker fühlen, wenn sie von meiner Krankheit wüssten.“

Heute mache er sich keine Sorgen mehr. Heute fühle er sich „wohl dabei und sicher genug“, um an die Öffentlichkeit zu gehen. Das tat der Olympiasieger am Samstag nicht nur mit dem Bekenntnis, selbst unter der Stoffwechselkrankheit zu leiden. Zverev verkündete gleichzeitig die Gründung einer Stiftung, um „der Welt zu zeigen, dass man sich keine Limits setzen muss mit dieser Krankheit“. Und um zu helfen. „Ich möchte Medizin und lebensnotwendige Dinge wie Insulin verschiedenen Ländern und Gebieten der Welt zur Verfügung stellen, wo sie es leider nicht haben“, sagte Zverev bei RTL/ntv.

Lange Jahre geschwiegen

Und er will natürlich auch motivieren. „Ich möchte Events machen, um darzustellen, dass man mit Diabetes keine Limits braucht“, sagte der Hamburger. Er und seine Eltern hätten in seiner Jugend oft zu hören bekommen, dass ein Ausdauersport wie Tennis als Typ-1-Diabetiker kaum zu betreiben sei: „Jetzt sitze ich hier als Nummer zwei der Welt.“ Mit eigenen Erfahrungen und einer eigenen Geschichte.

Die bewog ihn, die Krankheit einige Jahre zu verschweigen, obwohl sein Diabetes auf der Tour kaum zu verheimlichen war. „Ich habe mich mit dieser Krankheit selbst nie wohlgefühlt, weil in der Schule sich andere über mich und meine Geräte lustig gemacht haben“, sagte Zverev, bei dem Diabetes im Alter von vier Jahren festgestellt wurde. Mittlerweile mit 19 Turniersiegen, Olympiagold und Millionen Euro in der Tasche ist sein Selbstvertrauen groß genug. Heute traut er sich zu sagen, „dass ich für andere Kinder ein Beispiel sein kann“.

Ein Beispiel für Widerstandsfähigkeit, für Kampfgeist. Es sei wichtig, sagte Alexander Zverev, dass Kinder „ein sportliches Vorbild haben, das schon etwas erreicht hat“. Und das selbst noch große Träume verfolgt.

Ein Grand-Slam-Triumph steht bei dem 25-Jährigen noch immer über allem, mit diesem Ziel im Kopf arbeitete er nach seinem mehrfachen Bänderriss in der Reha, steht mittlerweile wieder auf dem Court, trainiert und sagt: “Ich bin froh! Erstens, wie ich gespielt habe, das war sehr überraschend nach über zwei Monaten, und zweitens, dass ich wirklich gar keine Schmerzen habe.“ So Zverevs Fazit nach seiner ersten Tennis-Einheit in Monte Carlo. Die Verletzung hatte er sich im Halbfinale der French Open in Paris Anfang Juni zugezogen, seine Rückkehr rückt näher.

Klappt es damit vielleicht schon bei den US Open in New York Ende des Monats? Eine Prognose wollte Alexander Zverev nicht abgeben. Dafür sei es „noch zu früh“, sagte der gebürtige Hamburger. Beim Davis Cup Mitte September wolle er aber „zu 100 Prozent fit sein“.

Seine Tennis-Zwangspause hat er bislang konstruktiv genutzt. Irgendwelche Angst, dass die Gegner sein Diabetes-Problem als Schwäche auslegen, hat Alexander Zverev nicht mehr. sid/swp

Mehr als 8,5 Millionen Fälle in Deutschland


Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) ist eine Stoffwechselerkrankung, der Körper kann dadurch kaum oder kein Insulin mehr produzieren. Der Typ 1 – wie bei Alexander Zverev – ist bisher nicht heilbar, so dass die Betroffenen ihr Leben lang Insulin spritzen müssen. Laut diabetesde.org, der Internetseite der Deutschen Diabetes-Hilfe, gibt es in Deutschland aktuell mehr als 8,5 Millionen Menschen mit Diabetes. Innerhalb eines Jahres erkranken demnach zwölf von 1000 Personen neu. Pro Jahr kommen so mehr als 600 000 Neuerkrankungen hinzu. Rund 341 000 Menschen in Deutschland haben Diabetes Typ 1, darunter etwa 32 000 Kinder und Jugendliche unter 18.