Mit einer Doppelrolle schlägt Angelique Kerber ein neues Kapitel ihrer Tennis-Karriere auf: Bei den am Sonntag beginnenden Bad Homburg Open tritt sie nicht nur als Spielerin an, sondern ist auch in die Organisation eingebunden.   „Für mich war das von Anfang an eine sehr spannende Reise“, sagt Angelique Kerber. „Ich habe noch mehr interessante Einblicke in die organisatorische Arbeit erhalten, die in so einem Turnier steckt und habe oft gestaunt, was es alles braucht, damit es von A bis Z gut läuft.“

In ihre neue Aufgabe hat sie viel Arbeit und viel Herzblut investiert. Eigentlich hätte die Premiere des neuen WTA-Turniers im Bad Homburger Kurpark schon im vergangenen Jahr stattfinden sollen. Doch Corona machte auch der dreifachen Grand- Slam-Siegerin und ihrem Team einen Strich durch die Rechnung. Umso mehr freut sie sich, dass es jetzt endlich losgeht. „Es ist eine tolle Herausforderung, nicht nur als Spielerin involviert zu sein, sondern gleichzeitig mitverantwortlich zu sein für den Erfolg des Turniers.

Diese Verantwortung ist mir bewusst, und ich trage sie gerne.“ Seine Wünsche und Erfahrungen als Spielerin in das eigene Turnier einbringen zu können, sieht Angelique Kerber als reizvolles Projekt. Sie ist „glücklich und dankbar“, dass sie bei den Bad Homburg Open die Möglichkeit dazu hat. Doch ein Tennisturnier in Zeiten von Corona ist kein Wunschkonzert.

Die Gesamtsituation ist ja weiterhin nicht ganz einfach und musste auch beim zweiten Anlauf zur Turnier-Premiere berücksichtigt werden. „Ich weiß natürlich, was die Spielerinnen von einem Turnier erwarten und auf was sie besonderen Wert legen“, sagt sie. „Doch es ging auch um Fragen wie: Was ist möglich? Was kann ich umsetzen?“ Entmutigen ließ sie sich durch solche Zwänge jedoch nicht. Und mit dem Ergebnis ist sie schon jetzt sehr zufrieden: „Ich denke, dass unser Team ein gutes Turnier hinbekommen hat, eines mit familiärer Atmosphäre und einem gewissen Wohlfühlcharakter. So wie ich es mir gewünscht habe. Ich bin gespannt, wie es die Spielerinnen finden.“

Klein, aber fein: Obwohl die Bad Homburg Open als Turnier der „Kategorie 250“ keine Topveranstaltung der WTA Tour sind und das Gesamtpreisgeld mit 235 238 US-Dollar vergleichsweise bescheiden ausfällt, machen sich auch Weltstars auf den Weg in die hessische Provinz. So werden auch die ehemaligen Wimbledon-Siegerinnen Simona Halep (Rumänien) und Petra Kvitova (Tschechien) aufschlagen.

Ob es dazu viel Überredungskunst bedurfte? „Überhaupt nicht“, sagt Angelique Kerber, die 2018 in Wimbledon gewann. „Es hat sicherlich geholfen, dass sie mich gut kennen und nicht zuletzt vom Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart her wissen, wie gut Turniere in Deutschland organisiert sind. Vor allem aber freuen sie sich, wie ich auch, dass sie vor Wimbledon noch ein paar Matches auf Rasen spielen können. Wir werden sicherlich ein spannendes Turnier erleben.“ Die Bad Homburg Open sind eines von zwei neuen Damenturnieren in Deutschland. Das andere läuft noch bis zum Sonntag in Berlin. „Das ist eine großartige Entwicklung“, sagt Angelique Kerber. „Seit ich auf der WTA Tour unterwegs bin, wünsche ich mir mehr Turniere in Deutschland.“

Chance für deutsche Talente

Sie sieht darin eine große Chance für das deutsche Damentennis. Die besten Nachwuchsspielerinnen hätten dadurch mit Hilfe der von den Veranstaltern vergebenen Wildcards noch mehr Möglichkeiten, sich einem größeren Publikum zu präsentieren und – was noch wichtiger sei – sich auf einem hohen sportlichen Niveau mit Topspielerinnen zu messen. „Das sind wertvolle Erfahrungen, die sie in ihrer Karriere weiterbringen.“

Angelique Kerber freut sich auch für die Tennisfans, die jetzt noch mehr hochklassiges Damentennis mit den besten Spielerinnen der Welt erleben können. Wie groß das Zuschauerinteresse ist, hat sie in Bad Homburg selbst erfahren. Die 600 Tickets, die pro Turniertag zur Verfügung standen, waren schon nach einer halben Stunde vergriffen. „Ein größeres Kompliment“, sagt sie, „kann es für einen Veranstalter nicht geben.“

Kohlschreiber verpasst Halbfinalle in Halle


Der Augsburger Philipp Kohlschreiber, 37, hat in seinem ersten Viertelfinale auf der ATP-Tour seit zwei Jahren eine Überraschung verpasst: Er verlor in Halle/Westfalen gegen den 14 Jahre jüngeren Russen Andrej Rublew 6:7 (4:7), 2:6. Damit muss der Routinier weiter auf sein siebtes Halbfinale bei dem Rasenturnier warten. 2011 hatte er dort  gewonnen. „Beim Return hatte ich etwas zu wenig Qualität. Er gibt immer Vollgas, deshalb fühlt man sich mehr unter Druck gesetzt“, sagte „Kohli“. Bei 31 Grad verwandelte der an Nummer vier gesetzte Rublew nach 1:21 Stunden den ersten Matchball.