In die Freude über das Erreichen des Minimalziels mischte sich bei den deutschen Basketballern die Angst vor dem nächsten prominenten Ausfall. Dass der bei dieser EM bislang so stark auftrumpfende Franz Wagner die Arena in Berlin nach dem 85:79 im Achtelfinale gegen Montenegro nur humpelnd verlassen konnte, trübte die gute Stimmung.

Auch am Sonntag gab es keine Entwarnung für den 21-Jährigen. „Ich kann es nicht beantworten. Wir werden morgen ein bisschen mehr wissen. Er hat einen verstauchten Knöchel – die Ernsthaftigkeit ist schwer zu sagen“, sagte Bundestrainer Gordon Herbert im Berliner Teamhotel. Wagner war im dritten Viertel umgeknickt. Zwar verwandelte der NBA-Akteur von den Orlando Magic noch seine drei Freiwürfe, danach verließ er das Parkett. Am Montag dürfte es weitere Neuigkeiten geben.

Einsatz dringend nötig

Für das Viertelfinale am Dienstag (20.30 Uhr/Magentasport) gegen den Sieger Griechenland/Tschechien wäre sein Mitwirken maßgeblich. Immerhin zeigten die ersten MRT-Bilder keine gravierende Verletzung. Letztendlich werden aber auch die Orlando Magic, deren Physiotherapeut das deutsche Team und Wagner diesen Sommer begleitet, mit darüber entscheiden, ob ihr Angestellter weiter spielen darf. 

Gegen Montenegro hatte auch Nick Weiler-Babb wegen Problemen mit der Schulter passen müssen. Ob es für ihn weitergeht, wird sich ebenfalls noch herausstellen.  Johannes Voigtmann spielte etwas kränklich, soll aber bis zum nächsten K.o.-Duell wieder fit sein.

Die zwei freien Tage bis zum Viertelfinale kommen für das Team um Kapitän Dennis Schröder deshalb sehr gelegen. Das für Sonntagabend angesetzte Training wurde abgesagt, um Kraft zu tanken. „Das hilft uns sehr. Der Gegner habe einen Tag weniger Pause, „von daher haben wir wohl die frischeren Beine“, sagte Alba Berlins Johannes Thiemann in seiner Heimat-Halle.

Mit aufgeladenen Akkus soll danach der große Coup gelingen, denn den Einzug ins Viertelfinale tat Herbert als Selbstverständlichkeit ab. „Das ist das, was wir erwartet hatten. Aber unsere Erwartungen gehen noch weiter. Wir haben erwartet, in Berlin zu sein, wir haben erwartet, in Berlin zu gewinnen. Und wir erwarten noch mehr“, sagte der Coach nach der kuriosen Partie gegen Montenegro, die eigentlich aus „zwei Basketballspielen in einem“ bestand, wie Herbert treffend analysierte.

In der ersten Halbzeit trumpfte das deutsche Team stark auf und führte zur Pause mit 24 Punkten (48:24). Schröder zeigte seine beste Turnier-Leistung und überzeugte als Scorer und Vorlagengeber. Auch der Rest wirkte sehr fokussiert. Angesichts der zwischenzeitlichen Führung mit 27 Punkten zu Beginn der zweiten Halbzeit kehrte dann der Schlendrian ein, so dass Montenegro noch einmal auf drei Punkte herankam (80:77).

Um gegen Griechenland bestehen zu können, wird sich das Team steigern müssen – und auch die Fans. Die Halle war nicht einmal ausverkauft, was die Spieler enttäuscht bemerkt haben. „Hoffentlich sind beim nächsten Mal etwas mehr Fans da. Es wäre cool, wenn die Halle komplett voll wäre“, sagte der Berliner Maodo Lo: „Es war in einigen Phasen etwas still.“ dpa 

Überraschung aus Skandinavien


Jubel Angeführt von Lauri Markkanen hat Finnland erstmals seit 55 Jahren wieder das Viertelfinale einer EM erreicht. Der NBA-Profi von den Cleveland Cavaliers erzielte beim überraschenden 94:86 der Finnen gegen Kroatien 43 Punkte. Noch nie zuvor hatte eine Finne in einem Länderspiel mehr Punkte erzielt. Markkanen und Co. bekommen es am Dienstag (17.15 Uhr) mit Spanien zu tun.

Enttäuschung Die Ukraine musste sich Polen mit 86:94 geschlagen geben. Die Polen treffen jetzt am Mittwoch (20.30 Uhr) auf Titelverteidiger Slowenien mit NBA-Star Luka Doncic.