Als Karl Geiger mit einem Pokal im Gepäck das heimische Oberstdorf erreichte, war die Schwermut der vergangenen Wochen endgültig verflogen. „Ich freu’ mich unglaublich, dass das so gut geklappt hat“, sagte der Skisprung-Vizeweltmeister nach seiner starken WM-Generalprobe im rumänischen Rasnov. Gerade noch rechtzeitig vor den am Mittwoch beginnenden Wettkämpfen vor der eigenen Haustür scheint der Allgäuer wieder zu alter Stärke gefunden zu haben.

Platz drei im letzten Einzel am Freitag sowie zwei gute Flüge im Mixed-Team am Samstag machen Mut für die Medaillenjagd am Schattenberg. Weil zudem Weltmeister Markus Eisenbichler trotz seiner Disqualifikation bester Laune war und Pius Paschke als Siebter überzeugte, scheint das Tal der Tränen vor dem Saisonhighlight durchschritten.

„Karl kommt wieder an seine sehr guten Kleinschanzensprünge heran. Er darf zufrieden sein“, sagte Bundestrainer Stefan Horngacher. Die anstrengende Reise nach Transsilvanien, auf die andere Topspringer verzichteten, hatte sich zweifellos gelohnt. „Ich nehme viel Selbstvertrauen mit. Das war Balsam für die Seele, nachdem wir zuletzt Dresche bekommen haben“, sagte Geiger. Der 28-Jährige hatte zuvor sechsmal in Folge die Top Ten verpasst und wie das gesamte Team enttäuscht.

Gute Generalprobe

Nun aber könnte die Wende gelungen sein. Das gilt auch für Eisenbichler, der seine Disqualifikation wegen eines zu großen Anzugs locker nahm. „Ich habe geschwitzt, und dann war er etwas zu groß. Aber ich bin nicht traurig, so etwas passiert eben“, sagte der Bayer. Im Mixed-Team am Samstag traten daher Paschke und Geiger sowie Luisa Görlich und Anna Rupprecht an, mehr als Rang fünf sprang nicht heraus.

Der einzige Weltcup des Winters auf einer Normalschanze war dennoch ein willkommener WM-Test. Schon am Samstag geht es für Geiger und Co. auf der kleinen Anlage in Oberstdorf um den WM-Titel, 24 Stunden später folgt das Mixed. Der einst als „Kleinschanzen-Karle“ bekannte Geiger, inzwischen freilich auch Skiflug-Weltmeister, möchte auch dort ein Wörtchen mitreden.

Ein wenig erinnerte das gute Abschneiden an die Generalprobe zur letzten WM: Im Frühjahr 2019 war das DSV-Team nach mäßiger Saison in Willingen mit den Plätzen eins, zwei und vier durch Geiger, Eisenbichler und Richard Freitag rechtzeitig in Form gekommen. Bei der WM in Seefeld hagelte es dann Medaillen.

Ganz so glänzend sind die Aussichten diesmal aber trotz der ansteigenden Form nicht. Im Mixed flog Geiger am Samstag zwar auf 91,0 m und 96,0 m, der große Favorit Halvor Egner Granerud aus Norwegen war mit 97,0 und 96,5 m aber eine Klasse für sich. „Konstant sind die Sprünge noch nicht. Aber besser. Und genau das nehme ich mit“, sagte Geiger. sid