Kira Weidle kostete das Glück aus: Als Letzte verließ sie nach ihrem starken zweiten Platz in der Abfahrt von Zauchensee (Österreich) mit dem klobigen silbernen Pokal das Podium. Das beste Weltcup-Ergebnis in Weidles Spezialdisziplin war für die WM-Zweite nach schwierigen Wochen ein Befreiungsschlag. Die deutschen Abfahrer enttäuschten beim Klassiker in Wengen (Schweiz) dagegen: Slalom-Ass Linus Straßer schied aus. Alexander Schmid rettete mit Platz 14 und dem besten Slalom seiner Karriere halbwegs die DSV-Bilanz.

Kira Weidle (25) lächelte drei Wochen vor Olympia deshalb am breitesten. Ihre vierte „Stockerl“­Fahrt im Weltcup gebe „natürlich Selbstbewusstsein für Olympia“ in Peking (ab 4. Februar). „Ich glaube schon, dass das Ergebnis eine Last von ihr nimmt“, sagte Alpinchef Wolfgang Maier. Das bestätigte sich tags darauf im Super-G, wo Weidle als 16. das zweitbeste Karriere-Ergebnis in ihrer Nebendisziplin holte. Nach dem dürftigen Saisonstart habe sie noch „mit sich gehadert“, berichtete Maier. Jetzt aber habe sie bewiesen, „dass sie doch zu den absoluten Top-Läuferinnen gehört“. Nur 0,10 Sekunden trennten Weidle von der Schweizer Siegerin Lara Gut-Behrami. „Es sind ja noch ein paar Rennen“, sagte Weidle, „irgendwann ist das Hundertstel-Glück wieder auf meiner Seite“. Vielleicht in China.

Dort will auch der WM-Zweite Andreas Sander Silber bestätigen. Aus Wengen war er vorzeitig abgereist. „Er macht sich zu viel Druck“, sagte Maier. Und überhaupt ging „in der Abfahrt alles daneben“, wie Cheftrainer Christian Schwaiger zugab. Was tun? Romed Baumann, beim Sieg von Doppel-Weltmeister Vincent Kriechmayr 19., riet: „Jetzt nur nicht die Nerven wegschmeißen.“ Denn: Als nächstes folgt die Olympia-Generalprobe auf der Streif in Kitzbühel. Dort, auf seinem Hausberg, will auch Straßer wieder angreifen. sid