Es wurde gerempelt, gestoßen und um jeden Zentimeter gekämpft. Caleb Ewan hat sich in einem Wild-West-Finale revanchiert und ist bei der Tour de France zu seinem zweiten Etappensieg gerast. Auch dank der erneuten Vorarbeit von Anfahrer Roger Kluge siegte Ewan am Mittwoch auf dem elften Teilstück nach 167,5 Kilometern von Châtelaillon-Plage nach Poitiers im Sprint vor Ex-Weltmeister Peter Sagan und Sam Bennett, nachdem er bereits in Sisteron triumphiert hatte. Schon im Vorjahr war Ewan mit drei Tagessiegen der König der Sprinter.

Es waren nur Zentimeter, die das Herzschlagfinale entschieden. Dabei mischte auch Sagan mit, der sich einen kleinen Fight mit dem Belgier Wout van Aert um die beste Position lieferte. Dieser war darüber extrem verärgert und zeigte dem Slowaken den Mittelfinger.

Die deutschen Fahrer spielten bei der nächsten Massenankunft keine Rolle, auch Altstar André Greipel konnte sich nach Platz sechs am Vortag dieses Mal nicht in Szene setzen. Im nächsten Jahr dürfte der Sprinter Greipel kaum mehr ein Tour-Ticket erhalten, denn sein Rennstall Israel Start-Up Nation will dann mit Chris Froome den Toursieg in Angriff nehmen.

Primoz Roglic weiter in Gelb

Favorit auf den Toursieg bleibt der slowenische Vuelta-Champion Primoz Roglic. Der Ex-Skispringer hatte am Mittwoch auf der Flachetappe keine Mühe, sein Gelbes Trikot zu verteidigen und liegt weiterhin 21 Sekunden vor dem kolumbianischen Titelverteidiger Egan Bernal. Emanuel Buchmann spielt keine Rolle mehr, seinen wichtigsten Helfer hat er auch verloren. Der Österreicher Gregor Mühlberger musste nach einem Infekt aufgeben.

Die Entscheidung in Poitiers fiel erwartungsgemäß im Massensprint. Bennett verteidigte dabei mit Platz drei auch das Grüne Trikot des punktbesten Fahrers vor Ex-Teamkollege Peter Sagan vom Bora-hansgrohe-Team. Diesmal war der Slowake ganz nah dran. Allmählich wird es ernst für Sagan im Kampf um Grün, nachdem er sieben Mal in den vergangenen acht Jahren die Punktewertung gewonnen hatte. Bennett wiederum könnte damit die Nachfolge seines berühmten Landsmannes Sean Kelly antreten, der in den 80er Jahren vier Mal das Grüne Trikot in Paris gewonnen hatte. Der frühere irische Radstar spricht Bennett entsprechend Mut zu.

Bennetts Teamkollegen waren maßgeblich daran beteiligt, dass es zu einer Massenankunft kam. Nachdem Matthieu Ladagnous früh ausgerissen war und eine starke Gruppe hinterherging, war es das Team von Deceuninck-Quick-Step, das das Feld wieder heranführte. dpa

Info Am Donnerstag wird die Tour mit der längsten Etappe fortgesetzt, wenn es über 218 Kilometer von Chauvigny nach Sarran Corrèze geht.