Claus Vogt hat sich das natürlich anders vorgestellt. Urlaubsreif sei er, sagt der 51-Jährige, als er die Wahl zum Präsidenten des VfB Stuttgart hinter sich gebracht hat. Mit überwältigender Mehrheit ist der Unternehmer aus Waldenbuch für vier Jahre im Amt bestätigt worden. Ein monatelanger Machtkampf liegt hinter ihm, und die Sehnsucht nach Ruhe ist groß.

Bei Vogt, bei seinen neuen Präsidiumsmitgliedern Rainer Adrion und Christian Riethmüller, bei den Fans des Fußball-Bundesligisten. Das ist bereits deutlich während der fast zehnstündigen Mitgliederversammlung zu spüren. Doch der nächste Tag beginnt mit einem Knall. Wilfried Porth verkündet seinen Rücktritt aus dem Aufsichtsrat der VfB AG. Mit sofortiger Wirkung. Kommuniziert wird die Entscheidung über eine Pressemitteilung des Daimler-­Konzerns. Dort ist der 62-Jährige Personalvorstand, und den Ankerinvestor vertritt der Topmanager im Kontrollgremium des VfB. Zum Nachbarn an der Mercedes­straße dringt die Nachricht erst später. Abgestimmt ist sie zunächst nicht. Porth gilt als Vogts’ Intimfeind. Seinen Verbleib im Aufsichtsrat hatte er vom Ausgang der Präsidentenwahl abhängig gemacht – und jetzt die Konsequenzen gezogen. Porth: „Nach sorgfältiger Überlegung habe ich beschlossen, mein Amt niederzulegen. Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. Ich werde dem VfB als überzeugter Fan weiterhin verbunden bleiben.“

Der VfB hält sich mit einer Stellungnahme zurück, da das Rücktrittsgesuch erst einmal angenommen werden muss. Dennoch ist klar, dass sich der Aufsichtsratsvorsitzende Vogt und sein Stellvertreter Porth völlig entzweit haben. Das ging zuletzt so weit, dass gar das Daimler-Engagement beim VfB in Frage gestellt wurde. Die Unternehmensspitze mit Vorstandschef Ola Källenius sah sich veranlasst zu betonen, dass Daimler nicht Investor bleiben müsse, wenn der VfB anderes wolle. Jetzt heißt es offiziell: „Es handelt sich um eine persönliche Entscheidung Porths. Das weitere Engagement von Daimler ist davon unberührt.

Franz Reiner, Vorstandsvorsitzender Daimler Mobility AG, behält sein Mandat im VfB-Aufsichtsrat. Über die weitere Besetzung des freien Aufsichtsratsmandates wird zu gegebenem Zeitpunkt entschieden. „Gut überlegen“ werden sie beim Autobauer, wer geeignet ist, ins Kontrollgremium zu rücken. Seit 2014 saß Porth dort, und ein Teil der organisierten Anhänger hatte ihn zum Feinbild erkoren. Er verkörpert das Kapital – davon will sich die Kurve distanzieren. Darüber hinaus lehnten viele Fans Porths polternde Art ab. Während der Aussprache in der Mitgliederversammlung wurde dem Daimler-­Vorstand, der im April 2022 in den Ruhestand geht, deshalb öfters nahegelegt, sich zu verabschieden. Dem Engagement des Diplom-Ingenieurs wird dies aber kaum gerecht. Auch für Porth ist der VfB eine Herzensangelegenheit, wenngleich er viele Angelegenheiten mit kühlem Kalkül angegangen ist.

Versöhnliche Töne

Nach Porths Rückzug ist nun der Letzte aus dem Kreis der alten Mächte weg. Auf vereinspolitischer Bühne vollzieht sich so eine Zäsur. Die Gremien mit Vogt an Spitze sind neu besetzt. Mit den frisch gewählten Vertretern verbindet sich die Hoffnung, dass Kontinuität einkehrt. „Wir wollen wieder das erste Präsidiumstrio sein, das die komplette Wahlperiode durchhält“, sagt Adrion.

Viele Mitglieder äußern immer wieder, dass sie sich Harmonie wünschen. Das Bild dazu liefern Vogt und Thomas Hitzlsperger. Der Präsident des e.V. und der Vorstandsvorsitzende der AG vereint und mit versöhnlichen Tönen. Zumindest Vogt erklärt den Führungsstreit bei jeder Gelegenheit für beendet, und Hitzlsperger „ist es leid, sich ständig für einen Fehler zu entschuldigen“. Gemeint ist sein offener Brief, in dem er Vogt Kompetenz und Integrität absprach. Nun wird sich zeigen, ob die Worte und Gesten mehr sind als ein Scheinfrieden.

Einer der besten Zweiltliga-Stürmer kommt


Offensivspieler Chris Führich wechselt zum VfB. Der 23-Jährige kommt vom SC Paderborn und unterschrieb einen Vertrag bis Juni 2025. Die Ablöse soll bei 2,5 Millionen Euro liegen. „Wir freuen uns, einen der torgefährlichsten Spieler der zweiten Liga für uns gewonnen zu haben“, sagte der Sportdirektor Sven Mislintat im Trainingslager in Kitzbühel. Für Paderborn erzielte Führich in der vergangenen Zweiliga-Saison in 34 Spielen 13 Tore und bereitete sieben weitere vor.