Krass sind die Vorwürfe. So krass, dass Ludger Beerbaum, 58, juristisch dagegen vorgehen wird. „Der Beitrag von RTL extra ist in vielen Punkten nachweislich falsch, verleumderisch und ehrverletzend“, heißt es in einem vom viermaligen Springreit-Olympiasieger veröffentlichten Statement am Mittwoch: „Natürlich werden wir juristische Schritte dagegen einleiten. Es ist nicht hinzunehmen, dass heimlich auf meinem privaten Grund und Boden gefilmt wurde.“

In der Sendung sollte mit Videoaufnahmen der Beweis erbracht werden, dass auf dem Beerbaum-Anwesen das unerlaubte Barren im Training der Springpferde zur Anwendung kommt. Ob der Reiter auf den gezeigten Videobildern tatsächlich der Einzel-Olympiasieger von 1992 und viermalige Team-Olympiasieger ist, lässt sich nicht mit letzter Sicherheit erkennen. Zu sehen ist jedoch, dass ein hinter einem Hindernis kniender Mann beim Absprung des Pferdes eine lange Latte in Höhe der Vorderbeine hochreißt.

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung FN und der Weltverband FEI haben Untersuchungen eingeleitet. Man werde das „ausgestrahlte Filmmaterial sorgfältig analysieren“, sagte FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach. Um eine seriöse Beurteilung des Sachverhaltes vornehmen zu können, bedürfe es allerdings des gesamten Materials: „Wir fordern RTL auf, uns dieses vollständig zur Verfügung zu stellen“, sagte Lauterbach.

Die FEI in Person von Pressesprecherin Shannon Gibbons teilte mit: Die in dem Beitrag gezeigten Methoden seien „absolut inakzeptabel und widersprechen allen FEI-Regularien“. Dem widerspricht Beerbaum vehement. Die im Beitrag gezeigten Szenen auf dem Reitplatz, so der 58-Jährige, „haben mit Barren nichts zu tun. Es handelt sich um erlaubtes Touchieren, das von einem erfahrenen, routinierten Pferdefachmann gemacht wurde.“ Der zu sehende Gegenstand habe die Vorgaben der FN für ein zulässiges Touchieren erfüllt: „Nicht länger als drei Meter, maximal zwei Kilogramm schwer.“ Erreicht werden soll, dass ein Pferd höher springt. Die in der Scheune von der als Praktikantin getarnten RTL-Mitarbeiterin gefundenen Mehrkantstangen  seien Holzstangen, „die ausschließlich für den Bau und die Reparatur unserer Weidezäune benutzt werden“, sagte Beerbaum: „Gut sichtbar sind die an den Stangen befestigten Isolatoren für Zaunbänder. Sobald behauptet wird, dass sie zum Barren eingesetzt werden, ist das unzutreffend.“

Dornenartige Noppen

Das gelte auch für die sich auf dem Dachboden befindlichen Stangen mit dornenartigen Kunststoffnoppen, die im Beitrag gezeigt wurden. „Dazu kann ich nur sagen, dass diese Elemente dort seit Jahren liegen“, sagte Beerbaum: „Sie stammen aus einem gekauften Bestand von Hindernissen und wurden aussortiert, damit sie nicht benutzt werden. Sie werden auch nicht beim Training mit Pferden eingesetzt.“

Wie nun eins dieser Teile, „blank geputzt und sauber“, zwischen gebräuchliche Hindernis­stangen liege, „kann ich nur mutmaßen. Für mich ist es naheliegend, dass explizit für den Beitrag eine dieser Stangen dorthin gelegt wurde. Dazu stellen wir Nachforschungen an.“ sid/swp

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Jahre ist es her, als der Barr-Stangen-Skandal um den dreimaligen Europameister Paul Schockemöhle den Springsport erschütterte und 1990 in Rechtfertigungszwang brachte.