Silas Katompa probierte es immer wieder. Mit langen Schritten nahm der 24-Jährige vom VfB Stuttgart beim 1:1 gegen den FSV Mainz 05 Tempo Richtung Tor auf. Sogleich ging ein Raunen durch die Arena, in Erwartung eines möglicherweise spektakulären Angriffs. Doch so schnell der Außenangreifer gestartet war, so schnell war die Aktion auch wieder verpufft. Meist schon beim ersten Kontakt waren die Mainzer Abwehrspieler Sieger.

So half es auch wenig, dass Silas mit seinem Top-Sprint (33,5 Stundenkilometer) wieder unter den schnellsten Spielern des Bundesligaspieltags landete. Geschwindigkeit allein ist nicht alles.

Aber doch eine der wesentlichen Grundvoraussetzungen für erfolgreiches Spiel. Gerade auswärts, wo sich der Gastmannschaft für gewöhnlich mehr tiefe Räume bieten und schnelle Spieler das probateste Mittel darstellen, einen offensiv agierenden Gegner auszuhebeln. So wie es dem VfB Stuttgart an diesem Dienstag (20.30 Uhr/Sky) vorschwebt, wo er zum Abschluss der Hinrunde bei der TSG Hoffenheim antritt. Beim kriselnden Gegner soll endlich ein Auswärtssieg her – es wäre der erste nach 17 vergeblichen Versuchen in Folge. Und natürlich der erste Erfolg beim Comeback des neuen Trainers. Für Bruno Labbadia war es schon länger ein Rätsel, wie der VfB auswärts so lange sieglos bleiben konnte. „Eigentlich verfügt die Mannschaft doch über schnelle, konterstarke Spieler“, grübelte der 56-Jährige bei seiner Vorstellung im Dezember öffentlich. Gemeint waren neben Silas Spieler wie Tiago Tomas oder Chris Führich. Sie bringen neben ihrer Grundschnelligkeit auch eine gewisse Passsicherheit mit und sind in der Lage, für Überraschungsmomente zu sorgen. Die richtigen Qualitäten für erfolgreiches Konterspiel. Eigentlich.

Warum es in dieser Saison, in welcher der VfB nach 16 Spieltagen erst ein Tor nach einem Gegenangriff erzielt hat, mit den schnellen Gegenstößen nicht so recht klappen will, zeigte der vergangene Heimauftritt gegen Mainz 05. Entweder offenbarten Silas oder der zweite Außenangreifer Tiago Tomas im Umschaltspiel technische Schwächen. Oder aber das Tempo wurde verschleppt beziehungsweise gar nicht erst aufgenommen – beginnend bei den Aufbauspielern in der Abwehr.

Labbadia will das so nicht stehen lassen. „Das mit dem Tempo sehe ich ein bisschen anders. Ligaweit sind wir weit über dem Bundesligaschnitt, was die Sprints angeht“, sagte er. Tatsächlich hat der VfB von allen Mannschaften in der Liga die fünftmeisten Sprints angezogen. Gegen Mainz, entgegnet Labbadia, habe sich der Gegner bewusst weit zurückgezogen. Was es seiner Mannschaft schwer machte, mit Tempo Richtung gegnerisches Tor vorzudringen.

In Hoffenheim wird sich das Spiel wohl anders darstellen. Hier dürften sich dem VfB mehr Räume bieten. Die Frage ist, wie er sie nutzt. Silas und Tomas werden als Außenangreifer im gewohnten 4-3-3-System weiter gesetzt sein. Für Chris Führich komme ein Startelfeinsatz nach seiner Operation noch zu früh, berichtete der VfB-Coach am Montag.

Er wirkte in seinem 13-minütigen Kurzeinsatz gegen Mainz noch vergleichsweise belebend; anders als Tiago Tomas, dem so gut wie nichts gelingen wollte. Dennoch will Labbadia vorerst weiter auf den 20-jährigen Portugiesen vertrauen: „Wir müssen Geduld mit den jungen Spielern haben, wir müssen sie stärken. Tiago verfügt über gute Anlagen, mit viel Dynamik. Jetzt liegt es an ihm, dass er mit seinen Fähigkeiten noch mehr Ergebnisse liefert.“

Vorläufig noch Schonfrist

Mit anderen Worten: Der Portugiese erhält noch eine Schonfrist. Zumal Alternativen rar sind. Führich kämpf noch mit seinem Verletzungsrückstand, am Samstag saßen mit Lilian Egloff und Enzo Millot die beiden einzigen Mittelfeldspieler 90 Minuten auf der Bank.  Beiden stellte Labbadia vor dem Spiel in Hoffenheim nicht gerade ein 1-A-Zeugnis aus, als er sagte: „Sie haben gewisse Schwächen, was Rückwärtsbewegung und Umschaltverhalten betrifft. Oder auch Gegenpressing. Wir wollen, dass sie ihre Stärken, ihre technischen Fertigkeiten und ihre Kreativität nach vorne einbringen. Auch da ist noch Luft nach oben. Wir wollen, dass sie noch zielstrebiger werden, um die Schwächen auffangen zu können.“

Auf der Suche nach Stabilität setzt er hier auf Atakan Karazor: „Ata übernimmt Verantwortung auf dem Platz, organisiert, spricht viel, was bei uns ein Punkt ist, der nicht unwichtig ist.“

Torreichster Spieltag seit mehr als 20 Jahren


Die Bundesliga ist mit 41 Treffern ins neue Jahr gestartet. Nach Angaben des Datendienstleisters Opta gab es seit der Jahrtausendwende nur am 34. Spieltag der Saison 2001/02 mehr Treffer. Damals fielen 44 Tore.

Acht Treffer fielen am 16. Spieltag allein im Spiel Köln gegen Bremen (7:1), nur ein Tor weniger  beim spektakulären 4:3 von Dortmund gegen Augsburg. Wolfsburg feierte das 6:0 gegen Freiburg, fünf Tore fielen beim 3:2 der Leverkusener in Gladbach.