sid Das Finalturnier war ein Erfolg, doch die Zukunft im deutschen Basketball ist nicht gesichert. Auch andere Hallensportarten kämpfen bei der Saisonplanung mit Problemen.

Der Vorhang zur komplizierten Corona-Saison fiel in Form eines blau-weißen Konfettiregens, der die feiernden Meisterspieler von Alba Berlin bedeckte. „Es hätte nicht besser laufen können“, sagte Geschäftsführer Stefan Holz von der Basketball Bundesliga (BBL) erleichtert.

Das Experiment „BBL-Finalturnier“ ist zwar ohne größere Zwischenfälle geglückt – doch die Probleme kommen jetzt. „Wir brauchen ein Konzept 2.0 mit Zuschauern“, betonte Holz, „daran führt kein Weg vorbei!“ Leere Hallen würden zum schleichenden Tod führen und seien „keine Option“, so der BBL-Boss.

Das trifft auch auf die Hallensportarten Eishockey und Handball zu, weshalb sich die drei großen Ligen beim Umsetzungskonzept abstimmen. Neue behördliche Beschränkungen und wieder gestiegene Infektionszahlen bereiten den Machern große Sorgen, hinter den anvisierten Saisonstarts im Herbst stehen deshalb Fragezeichen.

Dass tatsächlich wie geplant ab dem 18. September in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) der Puck fliegt, wird vor diesem Hintergrund immer ungewisser. Es bleibt vieles offen. Die neueste Verordnung des Bundeslandes Baden-Württemberg, von der unter anderem der achtmalige Meister Adler Mannheim betroffen ist, untersagt bis zum 31. Oktober Veranstaltungen mit mehr als 500 Teilnehmern.

Diese Nachricht sei „ein Rückschritt für uns“, sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke der Zeitschrift Eishockey-News: „Damit müssen wir aber leben.“ Doch auch andernorts gibt es weiterhin deutliche Beschränkungen der Zuschauerzahlen, in Bayern sind bis auf Weiteres überhaupt keine Besucher bei Sportveranstaltungen zugelassen.

Diese behördlichen Bestimmungen treffen natürlich auch die Klubs der anderen Sportarten. Die Handball-Bundesliga will, wie berichtet, in der ersten Oktoberwoche in ihre neue Saison starten und hofft laut Geschäftsführers Frank Bohmann auf „eine 50-prozentige Zuschauerauslastung in allen Hallen“. Ohne Zuschauer, das betonte der Bundesliga-Chef eindrücklich, „ist diese Sportart auf Dauer finanziell nicht durchführbar“.

Die Bundesliga-Basketballer wollen Anfang oder Mitte Oktober wieder auf Korbjagd gehen. Bis vor einer Woche hielt es BBL-Chef Holz „fast schon für beschlossene Sache“, dass dann Fans teilweise erlaubt sein werden. „Nach dem Infektionsgeschehen der letzten Tage bin ich da nicht mehr so sicher“, sagte Holz nun dem Sportinformationsdienst.

Sollte die Politik die Corona-Maßnahmen bis tief in den Herbst oder sogar bis in den Winter verlängern, dürfte viele Profiklubs vor der Pleite stehen. „Das würde eine BBL zurückwerfen auf den Stand von vor 15 Jahren“, sagte Holz. Der Gesamtumsatz der BBL-Teams von zuletzt 130 Millionen Euro würde bei einer kompletten Geistersaison um rund die Hälfte zurückgehen.

Staat wird wohl helfen

Der Ruf nach staatlichen Hilfen ist schon jetzt laut – und er wird wohl erhört. Die Profiklubs dürfen laut Spiegel zusätzlich auf 150 Millionen Euro aus dem milliardenschweren Rettungspaket der Bundesregierung hoffen. Das soll vor der Sommerpause von Bundestag und Bundesrat verabschiedet werden.

Die Verteilung des Geldes ist allerdings noch nicht geklärt. DEL-Chef Tripcke hofft, dass jeder seiner Eishockey-Klubs 500 000 Euro erhält. Damit könne man „das eine oder andere Geisterspiel überbrücken“, sagte Tripcke, aber: „Das ist keine Vollkaskoversicherung.“

Die Deutsche Eishockey Liga verlangt daher bei der Lizenzierung eine Vereinbarung zwischen Klubs und Spielern über eine Gehaltsstundung. Laut Eishockey-News haben inzwischen neun von 14 Vereinen eine Einigung erzielt. sid

Fans feiern Meister Alba Berlin am Bahnsteig

Der neue deutsche Basketballmeister Alba Berlin ist nach der Rückkehr vom Finalturnier in München am späten Sonntagabend von seinen Fans am Bahnsteig in Empfang genommen worden. „Mit Abstand die Besten“ stand auf einem Plakat, es gab reichlich Applaus, als der ICE am Hauptbahnhof um 23.35 Uhr auf Gleis 7 einfuhr und die Mannschaft ausstieg. „Es war die beste Zugfahrt, die ich je hatte", sagte Nationalspieler Johannes Thiemann im RBB, "wir hatten viel Spaß.“

Alba hatte am Sonntag auch das zweite Finalspiel gegen die MHP Riesen Ludwigsburg gewonnen (75:74) und seinen ersten Meistertitel seit 2008 geholt.