Primoz Roglic ging auf den brutalen Rampen wie ein Sprinter aus dem Sattel, dann hatte der Ex-Skispringer in 2304 Metern Höhe die größte Hürde auf dem Weg zum ersten slowenischen Tour-Triumph gemeistert. Vor den Augen von Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron zementierte der slowenische Rad­star bei dem unmenschlich anmutenden Kletterspektakel auf dem Dach der Tour mit seinem zweiten Platz auf der Königsetappe hinter dem Kolumbianer Miguel Angel Lopez die Führung in der Gesamtwertung. Roglic knöpfte nach 170 Kilometern bei der Bergankunft auf dem Col de la Loze seinem drittplatzierten Rivalen Tadej Pogacar wichtige 15 Sekunden ab.

Damit leuchtete das Gelbe Trikot von Roglic inmitten der Alpenriesen noch etwas gelber, 57 Sekunden liegt der Vuelta-Champion nun vor seinem neun Jahre jüngeren Landsmann Pogacar. Die Vorentscheidung um den Gesamtsieg scheint fast gefallen, die letzten Prüfungen auf dem Weg nach Paris sind überschaubar. Denn das Bergzeitfahren am vorletzten Tag dürfte eine klare Angelegenheit für Superstar Roglic sein. Neuer Gesamtdritter ist Lopez 1:26 Minuten zurück.

Beim deutschen Youngster Lennard Kämna war einen Tag nach seinem beeindruckenden Etappensieg in Villard-de-Lans die Luft raus. Der 24-Jährige gehörte zunächst einer Ausreißergruppe an, doch bereits am vorletzten Berg musste der Norddeutsche abreißen lassen. „Die Tour geht auch an Lennard nicht spurlos vorbei. Es schaut so aus, dass die Kraft dem Ende zugeht“, sagte Teamchef Ralph Denk.

Gar nicht mehr am Start war der von Rückenschmerzen geplagte Titelverteidiger Egan Bernal. Der Kolumbianer stieg noch vor der Etappe aus und machte damit das Debakel seines Super-Rennstalls Ineos Grenadiers perfekt. „Natürlich wollte ich nicht, dass meine Tour de France so endet, aber ich stimme zu, dass es unter den gegebenen Umständen die richtige Entscheidung für mich ist“, sagte Bernal. dpa

Von der Tour de France zur Straßen-WM


Maximilian Schachmann führt das deutsche Aufgebot bei den Straßenrad-Weltmeisterschaften in Imola (24. bis 27. September) an. Der 26 Jahre alte Berliner ist der wohl aussichtsreichste Starter, den der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) auf dem hügeligen Kurs in den Kampf um das begehrte Regenbogentrikot schickt. Im Zeitfahren setzt der BDR auf Jasha Sütterlin (Freiburg) und Nikias Arndt (Buchholz). Bei den Frauen führen Lisa Brennauer (Durach) und Lisa Klein (Saarbrücken) den Kader an.