Nach 20 Minuten des Wartens erlöste Marco Rose die treuesten Fans von RB Leipzig. Ein lautstarker Block hatte auf den Tribünen bis weit nach Spielschluss die Rückkehr des Trainers auf den Rasen gefordert – bis Rose um 17.40 Uhr endlich nachgab. Unter „Marco Rose“-Sprechchören ließ sich der neue Coach des DFB-Pokalsiegers für den Traumstart in seiner Heimatstadt zögerlich am Spielfeldrand feiern. Ganz geheuer war ihm der rasche Personenkult nicht. „Es ist schön, aber nicht der Zeitpunkt, sich nach dem ersten Spiel feiern zu lassen“, sagte Rose nach dem souveränen 3:0 (2:0) gegen seinen Ex-Klub Borussia Dortmund. Ein Heiland, nein, das sei er keinesfalls: „Ich kein Zauberer.“

Etwas Magisches hatte sein Einstand in Leipzig aber dennoch. RB war vier Tage zuvor in der Champions League gegen Schachtar Donezk (1:4) untergegangen – ein Tiefpunkt in der sich verschärfenden sportlichen Krise. Am Mittwoch folgte die Entlassung von Domenico Tedesco, am Donnerstag übernahm Rose. Am vergangenen Samstag spielte RB Leipzig wie ausgewechselt, oder, man könnte auch meinen, eben wieder wie RB Leipzig.

„Intensität, Mentalität und Energie.“ So umschrieb Dominik Szoboszlai, Schütze des Traumtores zum zwischenzeitlichen 2:0 (45.), den Auftrag, den Rose seiner Mannschaft mitgegeben hatte. Szoboszlai und der Rest des Teams um die weiteren Torschützen Willi Orban (6.) und Amadou Haidara (84.) hauchten ihm Leben ein. Unter Rose kehrte die verloren gegangene RB-DNA ins Spiel zurück. Offensiv und ansehnlich soll es in Leipzig zugehen. „Der Fußball passt sehr gut zur Mannschaft“, sagte Mittelfeldspieler Xaver Schlager.

Die RB-DNA ist wieder da

Rose kennt die Philosophie im RB-Kosmos. Vor seiner Zeit beim BVB und Borussia Mönchengladbach war er sechs Jahre in verschiedenen Funktionen bei RB Salzburg tätig. In Gesprächen rief Rose seinen Spielern vor dem Spiel die alten Tugenden ins Gedächtnis. „Die Jungs haben das im Tank. Sie wissen, wie es geht“, sagte Rose: „Dementsprechend sind sie aufgetreten. Das sollte uns Lust auf mehr machen.“

Mehr erwartet Rose und RB und schon am Mittwoch. Dann steht das Gastspiel bei Real Madrid in der Champions League (21 Uhr/DAZN) an. Die Sorge vor einem Debakel beim Titelverteidiger ist nach dem Erfolg gegen den BVB der Vorfreude gewichen. „Wir reisen alle mit einem großen Lächeln hin“, sagte Schlager.

Auch für Rose ist es ein Highlight, nachdem es gegen Dortmund bereits emotional wurde. Bis zum Ende der Vorsaison trainierte er den BVB noch selbst. Es sei ein „spezielles Spiel“ gewesen, gestand er: „Ich hatte einen guten Draht zu den Jungs.“ sid

Bald Gespräche über Eberl-Verpflichtung


In die Verhandlungen über eine Verpflichtung von Max Eberl als Sportdirektor bei RB Leipzig kommt Bewegung. RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff kündigte zeitnahe Gespräche mit Geschäftsführer Stephan Schippers von Liga-Konkurrent Borussia Mönchengladbach an.

In Mönchengladbach besitzt Eberl noch einen bis 2026 gültigen Vertrag, der aktuell ruht. Dadurch dürfte im Falle seines Einstiegs in Leipzig eine Ablöse fällig werden.