Unter dem Eindruck der schlimmen Bilder wollte Steffen Baumgart vor dem Rückflug in der Nacht zunächst nicht reden. Weil er gesperrt auf der Tribüne im Stade Allianz Riviera sitzen musste, verfolgte der Trainer des 1. FC Köln die Ausschreitungen vor dem Conference-League-Spiel beim OGC Nizza (1:1) aus nächster Nähe. „Es ist in Teilen direkt vor ihm passiert“, berichtete FC-Geschäftsführer Christian Keller. Bei den Randalen am Donnerstagabend – die auch schon vor Spielbeginn in der südfranzösischen Stadt losgingen – sind nach Angaben der Behörden 32 Menschen verletzt worden. Ein FC-Anhänger soll schwere Verletzungen erlitten haben. Im Stadion des OGC Nizza kam es zu Sachbeschädigungen.

Die Aufarbeitung der Vorfälle dürfte nicht einfach werden. Das fängt schon mit der Frage nach dem Auslöser der Randale an. Nizzas Trainer Lucien Favre hatte erklärt, dass sein Verein kein Verschulden bei sich und seinen Fans sehe. Die Zeitung „Le Parisien“ sah dies ähnlich: „Schuld waren die wütenden deutschen Fans, die einen Teil von Nizza verwüsteten.“ Allerdings sind Nizza-Fans in der Vergangenheit auch schon auffällig geworden, haben Spielabbrüche provoziert.

Die Staatsanwaltschaft in Nizza hat mehrere Ermittlungsverfahren eingeleitet. Dabei gehe es um gemeinschaftliche Sachbeschädigung am offiziellen Fan-Shop im Stadion sowie um gemeinschaftliche Gewalt am und im Stadion, teilte die Anklagebehörde am Freitag mit.

10 000 Fans waren dabei

FC-Geschäftsführer Christian Keller hielt sich mit eindeutigen Schuldzuweisungen zurück. Rund 10 000 Anhänger hatten den FC an die Cote d‘Azur begleitet. Und am Mittag mit einem bunten und friedlichen Fanmarsch eigentlich für schöne Bilder gesorgt. Man werde „mit aller Härte und Entschlossenheit“ versuchen, die Beteiligten an den Krawallen zu ermitteln. „Ich weiß nicht, ob das 50, 60 oder 70 waren. Es waren auf jeden Fall sehr, sehr wenige“, sagte Keller. dpa