Der Begriff „Grundtugenden“ taucht in keinem Fußballlexikon auf. Aber natürlich weiß jeder, der sich ein wenig mit der Materie beschäftigt, was damit gemeint ist. Insbesondere in Deutschland genießen sie noch immer einen hohen Stellenwert, die Grundtugenden. Also: Einsatzbereitschaft, Widerstandsfähigkeit, Körperlichkeit. Das, was im Prinzip jeder zu leisten imstande ist.

Fabian Wohlgemuth bemühte nach dem 1:1 (1:1) des VfB Stuttgart gegen den FSV Mainz 05 am Samstag als einer der Ersten die, richtig: „Grundtugenden“. Wohlgemuth habe „bei der Mannschaft eine hohe Laufbereitschaft gesehen, eine hohe Sprintfähigkeit und viel gegenseitige Unterstützung. Wir haben bis zum Schluss versucht, das Spiel zu gewinnen und das ist der Mannschaft auch hoch anzurechnen“, sagte der neue Sportdirektor nach seinem ersten Spiel auf der VfB-Bank. Wo er insgesamt „eine sehr gute Leistung“ gesehen haben wollte.

Bezogen auf die einfachen Dinge mag das stimmen. Sehr geordnet agierte der Tabellen-16. gegen die Rheinhessen im neuen 4-3-3- System mit Viererkette, die während der 90 Minuten nur wenig zuließ. In puncto Laufbereitschaft ließ sich dem Team ebenfalls nicht viel vorwerfen. 114,3 gelaufene Kilometer sind ein solider Wert. Dass der Gegner am Ende trotzdem deutlich mehr an Strecke zurücklegte (120,9 Kilometer), war nicht ausschlaggebend dafür, dass am Ende nur ein Unentschieden heraussprang.

Die Gründe lagen woanders. Sie traten in weit größerem Umfang zutage als die positiven Aspekte des ersten Spiels unter der Regie von Trainer-Rückkehrer Bruno Labbadia. Dem VfB fehlte es an einem schnellen und kreativen Offensivspiel. Viel zu lange dauerte es, bis sich das Team der Weiß-Roten einmal in gefährliche Räume kombinierte. Wataru Endo und Naouirou Ahamada haben ihre Fähigkeiten, aber gewiss nicht in der Spielgestaltung. Endo sorgte mit seinem direkt weitergeleiteten Zuspiel auf den Torschützen Serhou Guirassy (36.) immerhin für einen der seltenen Glanzpunkte.

So zäh sich der Spielfluss aus dem Zentrum heraus gestaltete, so wirkungslos verliefen die Angriffsbemühungen über die Flügel. Dort, wo Borna Sosa noch für unbestimmte Zeit ausfällt, bewiesen Silas Katompa und Tiago Tomas, dass sie hin und wieder ein Schmankerl auf den Platz zaubern können. In Summe boten aber beide zu wenig. Wirklich aufeinander abgestimmt wirkte das mit Sturmspitze Guirassy komplettierte Angriffstrio nicht. Die Aussage von Waldemar Anton, „wir müssen konsequenter vor dem Tor sein“, war eine freundliche Umschreibung für die praktizierte Harmlosigkeit.

„Wir wissen, dass wir noch Luft nach oben haben. Im Abstiegskampf kann aber jeder Punkt wichtig sein“, sagte Labbadia. Ein bisschen mehr Mut, ein bisschen mehr Risikobereitschaft gegen einen biederen Gegner hätten sich die 45 900 Zuschauer aber schon gewünscht.

Labbadia beließ es bei drei positionsgetreuen Wechseln. Nach 75 Minuten kamen Chris Führich und Josha Vagnoman, in den Schlussminuten noch Thomas Kastanaras. Die Signalwirkung für eine packende Schlussphase ging davon nicht aus. Emotionslos nahmen die Fans den Kick hin und fragten sich, was nun eigentlich besser sein soll als unter den Vorgängern Michael Wimmer und Pellegrino Matarazzo.

Für Labbadia wird es noch ein steiniger Weg werden, der den VfB nun nach Hoffenheim (Dienstag 20.30 Uhr/Sky) und am Freitag nach Leipzig führt. Ein bisschen mehr als die Grundtugenden werden dann vonnöten sein, um die schier endlose Sieglos-Serie in der Fremde (seit Dezember 2021) zu beenden.

Immerhin: Nun steht der Wechsel des französischen Fußballprofis Josuha Guilavogui vom VfL Wolfsburg zum VfB steht Medienberichten zufolge doch noch bevor. Das berichteten das Magazin „Kicker“ und die „Wolfsburger Allgemeine Zeitung“ am Sonntag. Eine Entscheidung soll in der kommenden Woche fallen, Guilavogui ist sich wohl mit dem VfB einig. Demnach fordert der VfL eine Ablösesumme von einer Million Euro.

Hoffenheim stürzt weiter ab


Nur ein Sieg aus den vergangenen zehn Spielen und nur noch drei Punkte vom abstiegsbedrohten Landesrivalen und nächsten Gegner VfB Stuttgart am Dienstag (20.30 Uhr/Sky) entfernt: Die TSG Hoffenheim stürzt in der Bundesliga unter Trainer André Breitenreiter immer weiter ab.

Das verdiente 1:3 am Samstag bei Union Berlin nach einer 1:0-Führung ließ die Kraichgauer ratlos auf Tabellenplatz 13 zurück. Der VfB kann nun mit einem Sieg am Dienstag in Sinsheim die Hoffenheimer mit in den Abstiegskampf reißen. Ein Szenario, das sich rund um das Trainingszentrum in Zuzenhausen wohl niemand hatte vorstellen können. I