Pellegrino Matarazzo erinnert sich noch gut an den 14. Juni 2020. Ein Sonntagnachmittag – und für die Fans des VfB Stuttgart nicht irgendein Spieltag in der zweiten Liga. Nach dem 1:2 beim Karlsruher SC begannen für den VfB-Trainer die bislang unangenehmsten Tage an der Mercedesstraße. Sportlich, weil der Aufstieg in die Fußball-Bundesliga kurz vor dem Saisonende akut in Gefahr geriet. Und emotional, weil eine Derbyniederlage einige Leute am Wasen gerne ins Rotieren bringt.

„Es hat damals viel Kraft gebraucht, um aus dieser Situation wieder herauszukommen“, sagt Matarazzo, dessen Position intern hinterfragt wurde. Jetzt steht wieder ein Landesduell an, diesmal am Samstag (15.30 Uhr/Sky) beim SC Freiburg, und der Trainer sagt: „Ich spüre keine Unruhe um die Mannschaft oder mich herum. Ich spüre eine gesteigerte Motivation, um wieder aus dieser prekären Lage herauszukommen.“ Die missliche Lage nach vier Partien ohne Sieg und Tor ist schnell beschrieben: Tabellenplatz 17.

 Matarazzo beschwört die Kraft des Glaubens. „Es geht vor jedem Spiel darum, den Spielern die Chance aufzuzeigen, dass wir gewinnen können. Denn ohne den Glauben an eine Chance haben wir keine Chance“, sagt der Trainer. Die Angst, etwas verlieren zu können, soll sich in den Köpfen der Spieler erst gar nicht festsetzen.

Die Mannschaft von SC-Trainer Christian Streich ist eingespielt, zusammengewachsen und erfolgreich – so wie es sich auch die Stuttgarter wünschen. Weshalb Sportdirektor Sven Mislintat das Modell des badischen Rivalen bereits vor Monaten zum Vorbild erklärt hat. Das Freiburger Tun ist durch Kontinuität geprägt. Was sich auf dem Posten des Cheftrainers am deutlichsten zeigt: Streich sind während seiner zehnjährigen Amtszeit im Profibereich bislang 15 VfB-Trainer begegnet. Allerdings zählt auch ein Abstieg zu Streichs Ära. Er durfte dennoch bleiben – woran sich der VfB nun orientiert.

Der Vorstandsvorsitzende Thomas Hitzlsperger und Sportchef Mislintat wollen zum Trainer stehen, komme was wolle. Matarazzo ist für sie der richtige Mann. Unabhängig von Ergebnissen. Wobei Matarazzos Bilanz gegen Streich ohnehin schlecht aussieht: Drei Spiele, drei Niederlagen. Und die Rückmeldungen, die der VfB-Coach nach diesen drei Begegnungen von seinen Spielern erhielt, klingen wenig wie ein Kompliment an den Gegner, sind es aber: „Das war hässlich.“

Als unangenehm gelten die Freiburger mit ihrer intensiven und körperbetonten Spielweise, mittlerweile aber auch als „komplett“, wie es Matarazzo nennt. Streich-Fußball umfasst nicht mehr nur Defensive und Konter, sondern alle Facetten des Spiels. Bis zum 1:5 in Dortmund hatten die Freiburger mit dem FC Bayern die wenigsten Gegentore in der Liga hinnehmen müssen. Jetzt stellt sich die Frage, wie gerade der VfB das Breisgauer Bollwerk knacken will? Silas Katompa Mvumpa kann nach einer Corona-Infektion bestenfalls als Einwechselspieler helfen. Sasa Kalajdzic nähert sich nach langer Verletzungspause dagegen seiner Form. Der VfB setzt jedoch vor allem auf kontrollierte Offensive .

Oder wie Chefcoach Matarazzo sagt: „Mit weniger Risiko nach Ballverlusten.“ Gegen die Umschaltspezialisten aus Leipzig klappte dies weitgehend gut – und führte im Gegenzug zu eigenen Tormöglichkeiten. Das verleiht dem Trainer den Glauben, dass es seine Mannschaft wieder hinbekommt.

Ohne zwei ins Trainingslager nach Marbella


Nach dem Auswärtsspiel beim SC Freiburg heißt es Koffer packen – und ab nach Spanien. Der VfB Stuttgart nutzt die anstehende Spielpause in der Liga für ein Kurztrainingslager in Marbella. Allerdings werden zwei Spieler dabei fehlen. Wataru Endo wird sich in die entgegengesetzte Richtung nach Japan aufmachen. Dort bestreitet er mit dem Nationalteam zwei WM-Qualifikationsspiele: Am 27. Januar gegen China, und am 1. Februar gegen Saudi-Arabien.

Der Kroate Borna Sosa fehlt aus einem anderen Grund. Er lässt sich in den nächsten Tagen Weisheitszähne entfernen. Sie könnten ein möglicher Grund für die immer wieder auftretenden muskulären Probleme sein.