Köln / sid Die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg feiern ihren sechsten Titel in Folge. Essen unterliegt erst im Elfmeterschießen.

Ihre denkwürdige Double-Party starteten die unersättlichen Titeljägerinnen des VfL Wolfsburg direkt auf dem Rasen. Aus der rollenden Musikbox mit Diskokugel schallten Schlagerhits, dazu tanzten Elfmeterheldin Friederike Abt und Co. mit „Titel am Fließband“-Shirts und Bierflaschen in den Händen durch das fast leere Kölner Stadion.

Eine historische Bestmarke von sechs Pokal-Triumphen in Serie, garniert mit Sechs-Tore-Spektakel und Elferkrimi - das Final-Drama gegen die SGS Essen setzte am Ende dieser schwierigen Corona-Spielzeit viele Emotionen frei. „Solche Titel sind nicht selbstverständlich, gerade nach einer so ungewöhnlichen Saison“, sagte der bewegte VfL-Trainer Stephan Lerch nach dem 4:2-Erfolg im Elfmeterschießen (3:3 n.V.).

Der Spielverlauf im hochklassigen Endspiel hatte den Coach schwer mitgenommen. „Wenn ich noch Haare hätte, wären die jetzt grau“, scherzte der 35-Jährige. Das mögliche Triple beim Champions-League-Finalturnier in Spanien (21. bis 30. August) schien daher noch unendlich weit weg. „Da denk ich gerade gar nicht dran“, sagte Lerch: „Wir werden den Abend genießen, uns eine wohlverdiente Pause gönnen, dann nehmen wir einen neuen Anlauf.“

Für Triple-Träume war der siebte Pokalsieg schlicht zu nervenaufreibend. Denn nach gerade einmal 12 Sekunden hatte Lea Schüller den rotzfrechen Außenseiter über das 1:0 jubeln lassen. Es ging wild weiter: Bundesliga-Torschützenkönigin Pernille Harder (11.) glich aus, Marina Hegering (18.) besorgte die SGS-Halbzeitführung. Die egalisierte Anna Blässe (70.) per 25-m-Traumtor, ehe die Ex-Essenerin Dominique Janssen (86.) den Serienmeister aus Wolfsburg erstmals in Führung köpfte. Doch ein Freistoßtreffer von Irini Ioannidou (90.+1) rettete den aufopferungsvoll kämpfenden Bundesliga-Fünften in die Verlängerung.

Da die torlos blieb, schlug die große Stunde von VfL-Keeperin Friederike Abt. Nationaltorhüterin Almuth Schult, gerade in Babypause, bejubelte auf der Tribüne zwei Paraden ihrer Stellvertreterin. „Ich bin nicht unbedingt Elfer-Spezialistin, aber ich war gut vorbereitet“, gab die 25-jährige Abt cool zu Protokoll. Bevor auch für die Heldin des Abends der zweiwöchige Urlaub begann, wurde der insgesamt 15. Titelgewinn innerhalb von sieben Jahren corona-konform im Teamhotel in der Kölner Innenstadt weiter begossen. Nach der Rückreise am Sonntag folgte im Wolfsburger Rathaus der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt und eine Abschlussfeier mit Familie und Freunden.

Anyomi mit Steißbeinbruch

Bei der SGS wich derweil die bittere Enttäuschung über den knapp verpassten größten Erfolg der Vereinsgeschichte nur langsam. „Der Stolz überwiegt, dass wir einem übermächtigen Gegner so das Leben schwer gemacht haben“, sagte Trainer Markus Högner. Die scheidende Kapitänin Hegering befand im ersten Frust sogar: „Ich würde behaupten, am Ende ist nicht der verdiente Sieger auf dem Podest.“ Zu allem Überfluss erlitt Angreiferin Nicole Anyomi einen Steißbeinbruch. Der Ausbildungsverein aus dem Ruhrgebiet steht vor einem massiven Umbruch. Unter anderem folgen die Nationalspielerinnen Schüller, Hegering (beide Bayern München), Lena Oberdorf (Wolfsburg) und Turid Knaak (Ziel unbekannt) dem Lockruf größerer Klubs.

Bei allem Abschiedsschmerz fand Högner jedoch auch eine tröstende Erkenntnis zur mitunter demoralisierenden Wolfsburger Dominanz: „Das heute war auch ein Signal an andere Mannschaften: Wer mutig agiert, kann diesen Gegner knacken.“ sid