Wenn die Fernsehanstalten an den Vormittagen ihre Zusammenfassungen von den Medaillenentscheidungen bei den Olympischen Spielen in Tokio übertragen, werden sie vielleicht nicht die großen Sendezeiten bekommen. Und doch gibt es etliche Sportler aus Baden-Württemberg, die in den vergangenen Jahren über sich hinaus gewachsen sind, um genau diese Fußnote in „Sport extra“ oder der „Sportschau“ zu liefern. Hinter den großen Gold-Favoriten Michael Jung (Horb/Vielseitigkeitsreiten), Malaika Mihambo (Heidelberg/Weitsprung) und Johannes Vetter (Offenburg/Speerwurf) stehen Athleten mit geringeren Chancen, aber nicht minder bewegenden Geschichten.

Stäbler trotzt Corona

Allen voran die von Frank Stäbler, dem Ausnahmeringer aus Musberg. Der Olympia-Fünfte von London 2012 weiß, was das Motto „Dabeisein ist alles“ bedeutet. 2016 verhinderten Verletzungen den Angriff auf eine Medaille in Rio, 2020 dann kurz nach der Verschiebung der Tokio-Spiele erlitt der 32-Jährige eine Corona-Infektion. Stäbler wurde zu einem der prominentesten Beispiele dafür, dass es gesunde Menschen gibt, die nach Covid-19 lange mit den Folgen zu kämpfen haben. Doch Stäbler gab nicht auf, seinen Traum zu verwirklichen und wird nun im griechisch-römischen Stil bis 67 kg angreifen. „Ich glaube, ich habe mich noch nie so sehr auf ein Event gefreut, weil ich noch sie so lange darauf hingefiebert habe“, sagt Stäbler, der sich für den Wettkampf gleich um sieben Kilogramm nach unten hungern musste.

Klein akribisch vorbereitet

Auf dem Höhepunkt ihrer bisherigen Leistungsfähigkeit befindet sich Läuferin Hanna Klein aus Tübingen, eine von etlichen Leichtathleten aus dem Land mit Außenseiterchancen auf eine Medaille. Die 28-Jährige hat ihrem Olympia-Traum in den vergangenen Jahren alles untergeordnet, und 2021 passt einfach alles: Nachdem sie die Norm über 1500 und 5000 Meter geknackt hatte, konzentrierte sie sich nach der Bronzemedaille bei der Hallen-EM auf die kürzere Distanz und verbrachte ihre Zeit vor dem Abflug nach Japan im Höhentrainingslager in St. Moritz.

„Ich möchte so spät wie möglich nach Hause fliegen“, umschreibt die 28-Jährige ihr olympisches Ziel. Denn vor dem Finale stehen in Tokio zwei Ausscheidungsrennen an. Trainerin Julia Baumann, Ehefrau von Olympiasieger Dieter Baumann, ist zuversichtlich: „Hanna ist jetzt vor Olympia in sehr guter Form.“ Weitere Athleten mit Außenseiterchancen sind Hochspringerin Marie-Laurence Jungfleisch, Olympia-Siebte von Rio 2016, Weitspringer Fabian Heinle, EM-Silbermedaillengewinner von 2018, oder auch die Mannheimer Staffelläuferinnen Nadine Gonska, Hannah Mergenthaler sowie Lisa Nippgen.

Heintz mit größten Ambitionen

Ebenso sind die Schwimmer und Schwimmerinnen aus Heidelberg und Neckarsulm stark vertreten. Unter ihnen sticht Philip Heintz heraus, der als Olympia-Sechster von Rio und zweifacher Vize-Europameister gerne sein erstes Edelmetall unter den fünf Ringen aus dem Becken fischen möchte. Der 30-Jährige hat schon im Vorfeld beschlossen, dass die Reise nach Japan sein letzter großer Auftritt wird. „Darauf freue ich mich: Sich zum Abschluss noch einmal mit den Besten der Welt zu messen.“, sagte der gebürtige Mannheimer vor seiner dritten Olympia-Teilnahme.

Fumic vor dem großen Finale

Das gilt auch für den Mountainbiker Manuel Fumic. Für den 39-Jährigen aus Kirchheim/Teck werden seine fünften Sommerspiele wohl die letzten sein. Ebenso wie für seine weiblichen Mitstarterinnen, die 21 Jahre alte Ronja Eibl aus Grosselfingen und die mehrfache deutsche Meisterin Elisabeth Brandau aus Schönaich, wird es im jeweils 38-köpfigen Teilnehmerfeld schwer, an den Medaillenrängen zu schnuppern. Dennoch sind die Verantwortlichen voller Zuversicht: „Ich bin überzeugt, dass alle ihre besten Leistungen abrufen werden. Die Formkurve geht bei allen derzeit nach oben“, sagt MTB-Bundestrainer Peter Schaupp. Vielleicht wird es dann sogar mehr als eine Kurznotiz im TV.

Das sind die Olympia-Starter aus dem Land


Fußball Florian Müller (Stuttgart).

Gewichtheben Nico Müller (Obrigheim), Sabine Kusterer (Durlach)

Golf Hurly Long, Sophia Popov (beide St. Leon-Rot)

Handball Marcel Schiller (Göppingen).

Judo Katharina Menz (Backnang), Anna-Maria Wagner (Ravensburg)

Kunstturnen Kim Bui (Stuttgart), Elisabeth Seitz (Stuttgart).

Leichtathletik
Männer Carl Dohmann (Baden-Baden), Fabian Heinle (Stuttgart), Constantin Preis (Sindelfingen), Nathaniel Seiler (Bühlertal), Gregor Traber (Tübingen), Johannes Vetter (Offenburg).
Frauen Elena Burkard (Nordschwarzwald), Nadine Gonska (Mannheim), Marie-Laurence Jungfleisch (Stuttgart), Hanna Klein (Tübingen), Carolina Krafzik (Sindelfingen), Ricarda Lobe (Mannheim), Hannah Mergenthaler (Mannheim), Malaika Mihambo (Heidelberg), Lisa Nippgen (Mannheim), Jessica-Bianca Wessolly (Mannheim)

Rad
Straße Emanuel Buchmann (Ravensburg)
Bahn Franziska Brauße (Metzingen), Laura Süßemilch (Biberach)
MTB Manuel Fumic (Kirchheim/Teck), Elisabeth Brandau (Schönaich), Ronja Eibl (Grosselfingen)

Reiten Michael Jung (Horb)

Ringen Eduard Popp (Neckargartach), Frank Stäbler (Musberg)

Schwimmen Philip Heintz, Isabel Gose (beide Heidelberg), Henning Mühlleitner, Fabian Schwingenschlögl, Annika Bruhn, Celine Rieder (alle Neckarsulm)

Taekwondo Alexander Bachmann (Stuttgart)

Tennis Laura Siegemund (Metzingen)