Während das Olympische Feuer am Donnerstag auf dem Weg nach Japan war, erlischt die Flamme der Begeisterung bei Athleten für die Sommerspiele immer mehr. Der Traum jedes Sportlers ist durch die Coronavirus-Pandemie für viele zum Alptraum geworden. „Jeder Tag, an dem die Sportler nicht trainieren können, wird es schwieriger, dass faire Spiele stattfinden können“, sagte Max Hartung, Vorsitzender des Vereins Athleten Deutschland. Dem für die Tokio-Spiele qualifizierten Säbelfechter fällt es wie vielen anderen schwer, Olympia abzuschreiben, weil es ein „Fixpunkt im Leben“ sei.

Ähnlich schwer tat sich Marathonläufer Philipp Pflieger, für sich die Notwendigkeit zu erkennen, dass die Tokio-Spiele nicht wie geplant am 24. Juli eröffnet werden sollten. „Wenn eines in Stein gemeißelt ist: dann die Olympischen Spiele“, habe er gedacht. Nun meint er: „Im Gegenteil: Ich halte eine Verschiebung um ein bis zwei Jahre nicht nur für realistisch, sondern für das Beste.“ Deshalb fordert der gebürtige Sindelfinger „ein dringend überfälliges Statement von Seiten des IOC, das sich an der Realität orientiert“ und keine „inhaltslosen Durchhalteparolen“.

Auch Ruder-Weltmeister Richard Schmidt fordert vom Internationalen Olympischen Komitee eine zeitnahe Entscheidung, „weil ja alle Sportler weltweit, die sich vier Jahre lang für Olympia gequält haben, faire Wettkämpfe wollen“, sagte das 32 Jahre alte Crewmitglied aus dem Deutschland-Achter den „Ruhr Nachrichten“. Dazu gehören auch nachvollziehbare Qualifikationen.

IOC-Präsident Thomas Bach zeigte sich über diesen „konstruktiven Austausch“ erfreut und versicherte, dass Sicherheit und Gesundheit oberste Priorität habe. Erneut bekräftigte der Fecht-Olympiasieger von 1976, dass eine Entscheidung – Olympia ja oder nein – noch Zeit habe: „Wir haben mehr als vier Monate vor uns.“ Bisher hätten sich 57 Prozent der rund 11 000 Athleten für die Spiele in Japan qualifiziert.

Leichtathletik-Weltverbandspräsident Sebastian Coe will die Tokio-Spiele zwar auch nicht abschreiben, ist aber besorgt über die massiven Einschränkungen der Olympia-Qualifikation und sieht „keine Chancengleichheit“ mehr gewährleistet.  dpa