Alexander Zverev kann mit dem neuen Davis Cup immer noch nichts anfangen und urlaubt lieber auf den Malediven, Boris Becker findet das derzeitige Format gar „irrsinnig“ - und doch gehen die deutschen Tennisprofis mit großen Ambitionen in die Endrunde des prestigeträchtigen Mannschaftsturniers. Zum Auftakt der Gruppenphase in Innsbruck wartet am Samstag (16 Uhr/Servus TV) allerdings schon ein gewaltiger Brocken: Mitfavorit Serbien mit Ausnahmekönner Novak Djokovic.

Aber auch ohne Olympiasieger Zverev wollen Jan-Lennard Struff und Co. der Mannschaft um den Grand-Slam-Rekordchampion mit breiter Brust entgegentreten. „Unser Anspruch ist es, auch einen Novak Djokovic zu schlagen. Das muss in die Köpfe der Spieler rein“, sagte Teamkapitän Michael Kohlmann in einem Podcast selbstbewusst und betonte: „Auch ein Djokovic ist schlagbar.“

Bewiesen hatte das erst in der vergangenen Woche der deutsche Spitzenspieler Zverev auf dem Weg zum Titel bei den ATP Finals. Doch statt es in Innsbruck erneut mit dem Weltranglistenersten aufzunehmen, erholt sich der Hamburger im Urlaub von einem kräftezehrenden Jahr. Dem neuen Format des Davis Cup, der seit 2019 in einer Finalrunde am Ende einer sowieso schon aufgeblähten Saison stattfindet, kann er nichts abgewinnen, Alexander Zverev ist einer der lautesten Kritiker.

Deutschlands Tennis-Ikone Boris Becker sieht das ähnlich. „Der Plan ist irrsinnig, gerade für die Topspieler“, sagte der 54-Jährige im Eurosport-Podcast „Das Gelbe vom Ball“. Becker hatte den renommierten Teamwettbewerb im alten Format mit über das Jahr verteilten Heim- und Auswärtsspielen zweimal gewonnen und zahlreiche Sternstunden, wie etwa 1987 die „Schlacht von Hartford“, erlebt.

Aber so muss nun eben der Teamgeist die deutsche Mannschaft, die neben Struff aus Dominik Koepfer, Peter Gojowczyk und dem Olympia-Doppel Kevin Krawietz/Tim Pütz besteht, durch das Turnier tragen. Mit einem speziellen Spirit könne man „etwas Besonderes aus den Spielern rauskitzeln“, führte Kohlmann am Mittwoch in Innsbruck aus: „Die Jungs sollen es lieben, für ihr Land zu spielen. Das soll eine Ehre sein.“

Einen Tag nach dem Highlight gegen Serbien wartet am Sonntag (16 Uhr) in der Vorrunde noch Gastgeber Österreich, der ohne den lange verletzten Starspieler Dominic Thiem antritt. Was in der Innsbrucker Olympiahalle ein stimmungsvolles Duell hätte bedeuten können, wird aber zum Geisterspiel. Aufgrund des in Österreich ausgerufenen Lockdowns bleiben die Ränge in der Vorrunde leer.

„Ich finde es extrem schade“, sagte Kohlmann. Am Ziel K.o.-Runde soll das nichts ändern: „Wir wollen uns qualifizieren. Ob als Erster oder Zweiter ist erstmal egal.“ Ins Viertelfinale ziehen nur die Sieger der sechs Vorrundengruppen sowie die beiden besten Zweiten ein. Eine Überraschung gegen Serbien  wäre also umso wertvoller. sid

Australian Open nur für geimpfte Profis


Turnierdirektor Craig Tiley rechnet mit einer Teilnahme des serbischen Tennisstars Novak Djokovic an den Australian Open – trotz dessen Impfskepsis. „Novak hat neunmal die Australian Open gewonnen, ich bin mir sicher, dass er auf zehn kommen möchte“, sagte er dem Sportsender Sen. „Er steht bei 20 Grand-Slam-Titeln, genau wie Rafael Nadal, der hierher kommt, und Roger Federer.“ Einer von ihnen werde die anderen übertreffen. „Ich glaube nicht, dass Novak dieses Kunststück einem anderen überlassen will.“

Der Weltranglistenerste Djokovic hat sich noch nicht klar zu einer Teilnahme am ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres bekannt. Kürzlich hatten die Veranstalter bekanntgegeben, dass nur geimpfte Tennisprofis bei den Australian Open aufschlagen dürfen. Djokovoc hat bisher öffentlich keine Angaben zu seinem Impfstatus gemacht.