Gut einen Monat vor Ende der Transferphase hat der VfB eine der großen verbliebenen Baustellen in seinem Kader geschlossen. Luca Pfeiffer kommt vom FC Midtjylland nach Stuttgart. Der 25-Jährige aus Bad Mergentheim kostet kolportierte 2,8 Millionen Euro Ablöse, die durch Boni auf rund drei Millionen Euro steigen kann und unterschrieb am Dienstag ein Arbeitspapier bis Juni 2026. Damit ist in der Offensive der Schwaben jede Position doppelt besetzt.

Bereits Letzte Woche hatte VfB-Sportdirektor Sven Mislintat angekündigt, dass der Fußball-Bundesligist sich darauf vorbereite, „einen Backup hinter Sasa Kalajdzic zu packen.“ Das ist nun geschehen. Der VfB setzte sich gegen Konkurrenz aus der Bundesliga durch. Auch, weil Pfeiffer unbedingt zum VfB kommen wollte.

Dennoch wäre es zu kurz gegriffen, den neuen Angreifer der Stuttgarter als reine Sicherungskopie zu sehen für den Fall, dass Kalajdzic ausfällt, eine Pause braucht, oder, was auch noch nicht vom Tisch ist, den Verein verlässt. Mislintat sagt: „Mit seiner Torgefahr, seiner Athletik, aber auch mit seiner Erfahrung passt er hervorragend in unseren Kader.“ Denn die beiden Stürmertypen sind sich zwar ähnlich, unterscheiden sich aber doch in Nuancen. Beide gingen einen Karriereweg, der als nicht üblich bezeichnet werden darf. Während Kalajdzic mit Anfang 20 noch in der Wiener Stadtliga kickte und nie ein Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) von innen sah, machte Pfeiffer eine entsprechende Erfahrung im Jugendbereich: Doch er verließ das Hoffenheimer NLZ nach einiger Zeit wieder, fand sich nicht zurecht. Sein Weg führte über Hollenbach und die Stuttgarter Kickers nach Paderborn und Osnabrück. Fernab der Heimat passte es nicht. Er ging nach Würzburg, wo er – nur eine knappe Dreiviertelstunde von seinem Heimatort entfernt – mit 15 Toren in 34 Spielen einen wesentlichen Anteil am Aufstieg in die zweite Liga hatte. Das rief den FC Midtjylland auf den Plan. Doch auch diese Station war nicht wirklich erfolgreich. Eine Leihe nach Darmstadt brachte mit 17 Treffern in 34 Spiele den endgültigen Durchbruch.

Wie Kalajdzic ist Pfeiffer an die zwei Meter groß, was eine gewisse Kopfballstärke impliziert. Beim Österreicher trifft das zu, Pfeiffer dagegen hat seine Qualitäten eine Etage tiefer. Er gilt als technisch solide, passsicher, ballgewandt, ist mit gutem Gefühl für den Raum und einem Auge für seine Mitspieler ausgestattet. Pfeiffer kann Bälle festmachen und verteilen, spielt oft auch den wichtigen vorletzten Ball, also die Vorlage zur Vorlage. Er lässt sich aber auch gern wie Kalajdzic fallen, um aus der Tiefe zu kommen. Der introvertierte, heimatverbundene Pfeiffer fühlt sich mit einem flinken, dribbelstarken Nebenmann in einer klassischen 4-4-2-Grundordnung wohl. Oder als hängender zentraler Angreifer aus dem Zehnerraum kommend in einem 4-3-3-System, das der VfB über Wochen im Saisonendspurt präferierte. Mit Juan Perea, Tiago Tomás, aber auch Chris Führich und Silas Katompa hat der VfB also bereits Spielertypen im Kader, die gut mit Pfeiffer harmonieren dürften. Allesamt Punkte, die einem unweigerlich Hamadi Al Ghaddioui in den Sinn bringen, der ähnliche Anlagen hatte.

Doch anders als der Deutsch-Marokkaner, der sich mit einer „Schattenmann“-Rolle hinter einem gesetzten zentralen Angreifer zufriedengab, hat Pfeiffer das Potenzial, in den wichtigen Momenten ins Licht zu treten. Pfeiffer wird als klarer Herausforderer für Kalajdzic gesehen und soll dem Österreicher Druck machen, ihn so auch wieder zu Bestleistungen antreiben.

Schon als Kind Fan

Der Stürmer freut sich auf seine neue Aufgabe: „Schon als Kind hat mich der VfB mit seinem Stadion und seinen Fans fasziniert. Deshalb bin ich sehr glücklich, dass es mit dem Transfer geklappt hat und ich im Trikot mit dem Brustring spielen darf.“ Nun ist der Angreifer also zurück an fast alter Wirkungsstätte und nicht weit entfernt von der Heimat. Gute Voraussetzungen also, dass es mit ihm und seinem neuen Klub funktionieren könnte – wenn man auf seine bisherigen Karrierestationen blickt.

Am Ball bei Verteidiger Medic vom FC St. Pauli


Die Fühler streckt der VfB auch noch weiter in Richtung Norden aus: Der Verein bemüht sich angeblich um eine Verpflichtung von Abwehrspieler Jakov Medic vom Zweitliga-Klub FC St. Pauli. Es heißt sogar, die Stuttgarter seien sich mit dem Innenverteidiger sogar schon über einen Wechsel einig. Die Verhandlungen zwischen den Vereinen über die Ablösesumme für den 23-Jährigen sollen allerdings noch laufen und die Hamburger ein erstes Angebot des VfB abgelehnt haben. Der Vertrag des Kroaten beim FC St. Pauli läuft noch bis 30. Juni 2024. Beim 4:3-Erfolg des Kiezklubs in der ersten DFB-Pokal-Runde beim Regionalligisten SV Straelen am Samstag erzielte Medic zwei Tore.