Marcel Dabo hat spannende Wochen vor sich. Mit den Indianapolis Colts bereitet sich der 22-Jährige auf die neue Saison in der NFL vor, die beste Liga der Welt im American Football. Die Vorfreude bei dem Defensive Back ist groß. Genauso wie die Herausforderung, die auf den Reutlinger wartet.

Herr Dabo, wie oft haben Sie Matt Ryan, Ihren Quarterback bei den Colts, im Training bereits intercepted?

Marcel Dabo: (lacht) Noch nicht, leider. Aber die Vorbereitung geht ja erst jetzt richtig los – da kommen hoffentlich ein paar Interceptions (Abfangen eines Passes, Anm. d. Red.) dazu. Wobei in der NFL sehr präzise gespielt wird und Pässe seltener abgefangen werden als in Deutschland. Da ist es für mich als Defensive Back entscheidender, richtig zu stehen und die Pässe abzuwehren.

Bis vor wenigen Tagen waren Sie noch in Reutlingen, dann ging es zurück in die USA. Wie muss man sich ein Training in der National Football League vorstellen?

Es ist alles dabei, vom Aufwärmen über bestimmtes Positionstraining, die Spielzüge werden einstudiert und am Ende der Einheit Matches sieben gegen sieben oder elf gegen elf gespielt. Schließlich ist es nicht mehr lange bis zum ersten Vorbereitungsspiel am 13. August. Es wird also richtig ernst.

Welches Feedback geben Ihnen die Trainer bisher?

Die Coaches sind sehr zufrieden mit mir. Sie erkennen, dass ich in den vergangenen Monaten bereits große Fortschritte gemacht habe, gerade im Positionsspiel. Diese Rückmeldungen sind für mich sehr wichtig, weil mir klar ist, dass ich nicht von Tag eins an auf MVP-Niveau spielen werde. Das ist ja vollkommen logisch. Es geht um die Fortschritte, und die sind vorhanden.

Wo ist dennoch Luft nach oben?

American Football in den USA ist um ein vielfaches komplizierter als in Europa. Diese Komplexität des Spiels und der einzelnen Spielzüge, das ist eine Schwierigkeit, an der ich arbeite.

Die Colts haben mehr als zehn Cornerbacks im Kader. Das bedeutet für Sie eine große Konkurrenz.

Das stimmt, aber die Stimmung in der Mannschaft ist nicht von diesem Konkurrenzkampf geprägt. Alle, das gilt für das gesamte Team, sind super freundlich – egal, wie viele Millionen manche auf dem Konto haben, sind alle auf dem Boden geblieben.

Mit Stephon Gilmore haben Sie einen der besten Defense-Spieler der NFL überhaupt im Kader – und dann auch noch auf Ihrer Position. Was können Sie sich abschauen?

Natürlich sehr viel, er ist ein überragender Spieler. Ich versuche aber, nicht zu viele Fragen zu stellen. Viel mehr beobachte ich die erfahrenen Kollegen sowohl im Training auf dem Platz als auch bei der Videoanalyse. Wie wärmen sie sich auf, wie positionieren sie sich bei Spielzügen? Da schaue ich mir vieles ab.

Können Sie Ihre Chancen auf einen Einsatz in Pre- oder Regular Season einschätzen?

Nein, dafür ist es noch zu früh. Wie gesagt, die richtige Vorbereitung beginnt nun – und dann werden wir sehen, wie es weitergeht. Zumal ich relativ sicher zunächst als Safety infrage komme.

Sie wechseln also die Position?

Das ist sehr wahrscheinlich. Die Cornerbacks in der NFL haben weniger Masse als ich. Es kommt auch immer auf die gegnerischen Spielzüge an, aber mir war im Vorfeld bewusst, dass ich am Anfang wohl als Safety eingesetzt werde.

Wie erleben Sie das ganze Umfeld und die Veränderungen im Alltag?

Es ist natürlich eine Veränderung um 180 Grad vom Studium in Tübingen zum Footballspieler in den USA. Auf einmal hat man ein Management in den Staaten, das ist alles eine große Veränderung.

Sie waren vor Kurzem bei der ELF, der European League of Football, als Experte im Moderatorenteam eingeladen. Dort sagten Sie, dass Indianapolis nicht allzu viel zu bieten hat. Gefällt Ihnen die Stadt nicht?

Doch, die Stadt ist super. Es ging viel mehr darum, dass es in Indianapolis nicht so viele Ablenkungen gibt wie beispielsweise in Miami, wo ein ganz anderes Flair und ein anderer Vibe zu spüren ist. Indianapolis dagegen ist keine Partystadt, aber das ist auch gut so. Ich kann mich voll auf das Training und auf die Aufgabe National Football League konzentrieren.

Wie hat Ihnen die Rolle als Football-­Experte an sich gefallen?

Das war sehr interessant und mein Ziel ist es ja auch, den Sport in Deutschland noch größer und populärer zu machen. Ich finde, diese Verantwortung gehört dazu, wenn man NFL-Spieler ist. Es ist wichtig, dass man wie Björn Werner (ehemaliger NFL-Spieler der Colts und jetziger TV-Experte, Anm. d. Red) seinen Sport in der Öffentlichkeit vertritt. Aber das ist etwas für nach der aktiven Karriere – noch stehe ich natürlich lieber selbst auf dem Platz.

Die Begriffe im Football und ein Team mit vielen Stars


American Football ist amerikanisch geprägt – auch in vielen Begriffen des Sports.

Die Preseason ist die Vorbereitung. Die Teams trainieren und haben jeweils vier Vorbereitungsspiele, die Preseason-Games.

Die Regular Season ist die eigentliche Saison, in der die Mannschaften an den Spieltagen aufeinandertreffen. Sie dauert 18 Wochen, der Spielplan wurde für jedes Team um ein Game auf 17 erhöht.

Als Cornerback spielt der Reutlinger Marcel Dabo in der Defense seines Teams. Seine Aufgabe ist es, die gegnerischen Passempfänger (Receiver) zu decken und wenn möglich den Pass des gegnerischen Quarterbacks selbst zu fangen – das ist eine Interception.

Sollte Marcel Dabo als Safety auflaufen, steht er hinter seinen Mitspielern der Verteidigung und hat keinen direkten Gegenspieler. Diese Position muss den gegnerischen Spielzug gut lesen können, um wenn nötig als letzter Spieler der Defense gegnerische Receiver zu stoppen.

Die Indianapolis Colts haben den Superbowl 1971 und 2007 gewonnen. Die größte Zeit erlebte die Mannschaft aus dem mittleren Westen mit Quarterback Peyton Manning Anfang der 2000er-Jahre. Auch im aktuellen Team gibt es Stars der NFL, darunter Quarterback Matt Ryan, Running Back Jonathan Taylor sowie Cornerback Stephon Gilmore.

Murray und Cardinals einigen sich auf Vertrag


Quarterback Kyler Murray und die Arizona Cardinals haben sich auf einen langfristigen Millionen-Vertrag geeinigt. Der 24-Jährige soll demnach bis 2028 für die Cardinals spielen und nach Informationen von ESPN bis zu 230,5 Millionen US-Dollar verdienen. 160 Millionen US-Dollar sind demnach garantiert.

Murray zählt zu den spektakulärsten Quarterbacks in der NFL die Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung zogen sich aber über Monate. Eine Rolle spielte dabei wohl auch, dass die Cardinals am Ende der vergangenen Saison einbrachen.