Es ging bereits stramm auf Mitternacht zu, als Bundestrainer Joachim Löw zur Pressekonferenz erschien. Kurz zuvor hatte der 60-Jährige vor den TV-Kameras Kritik an der großen Terminhatz geübt. Nun, im Gespräch mit den Zeitungs-Journalisten, lief Löw so richtig warm. Er sagte: „Wir müssen aufpassen: Die Gesundheit der Spieler steht über allem“, sagte Löw nach dem 1:1 gegen Spanien im Nations-League-Spiel in Stuttgart. Und gestand: „Einige sind richtig platt.“

Löw verwies auf die vielen Aufgaben in den kommenden Monaten. Es gehe Schlag auf Schlag: Spiele am Wochenende und etliche unter der Woche, Bundesliga, Pokal, Europacup, insgesamt sechs Länderspiele im Oktober und November, dazu keine Winterpause – und vor allem keine Zeit zu regenerieren.

Der Nations-League-Doppelpack mit den Begegnungen gegen Spanien und an diesem Sonntag in Basel gegen die Schweiz (ZDF/20.45 Uhr) komme zu früh für seine Schützlinge, die sich nach der Sommerpause mitunter erst seit wenigen Tagen  im Training befänden.

Ein Mammutprogramm

Dass der europäische Fußball-Verband Uefa vor diesem Hintergrund die möglichen Auswechslungen wieder von fünf auf drei reduziert hatte, machte den Bundestrainer wütend. „Gerade jetzt hätte man es gebraucht, weil die Spieler jetzt das Mammutprogramm haben. Und es hätte Sinn gemacht, weil einige echt auf dem Zahnfleisch gelaufen sind“, sagte  Löw, den man lange nicht mehr so energisch erlebt hatte.

Julian Draxler, den Löw in die Startelf gestellt hatte, pflichtete dem bei. Der Offensivspieler des französischen Meisters Paris St. Germain betonte: „Ich finde es auch sinnvoll, die fünf Wechsel zu haben, weil wir aus unterschiedlichen Situationen kommen. Es ist auch riskant, 90 Minuten zu spielen, wenn du nur zweimal trainiert hast.“

In der Tat ging vielen deutschen Spielern gegen Spanien in der zweiten Hälfte der Sprit aus. Dem wiedergenesenen Stürmer Leroy Sané etwa. Der Neuzugang des FC Bayern musste vorzeitig ausgewechselt werden. Er hatte Krämpfe, war platt und sichtlich erschöpft. „Man muss sehen, woher er kommt. Er hat in den letzten fünf Monaten kaum ein Spiel gemacht. Es war klar, dass die Kraft nachlässt“, sagte Löw. Sané stürmte nach 15 Monaten Pause wegen eines Kreuzbandrisses wieder für Deutschland. „Man muss aufpassen bei ihm“, mahnte sein Trainer.

Der Bundestrainer sieht sich gezwungen, häufig zu rotieren. Er will so die Belastungen verteilen. „Sonst haben wir Probleme im kommenden April und Mai. Das versuche ich zu verhindern.“ Optimale Voraussetzungen sind das nicht, wie Löw befand. Schließlich wolle er irgendwann auch mal jene Grundformation einspielen, die 2021 die Chance hat, um den EM-Titel mitzuspielen. Das Zeug dazu hat sein Team, wenn seine Jungs fit sind. Daran ließ der Coach in den Tagen von Stuttgart keinen Zweifel. Gegen Spanien verzichtete Löw bewusst auf die Stammkräfte Manuel Neuer, Leon Goretzka, Serge Gnabry und Joshua Kimmich von Triple-Sieger Bayern München. Sie werden auch am Sonntag gegen die Schweiz fehlen, erhalten erneut eine Pause.

Die DFB-Elf wartet indes noch immer auf einen Sieg in der Nations League. Dieser soll in Basel gelingen – auch wenn das Ergebnis, wie Löw sagte, nicht an „allererster Stelle“ stehe.

Und so war auch der Ärger über den Last-Minute-Ausgleich gegen den früheren Welt- und Europameister Spanien schnell verflogen. Die Spanier hatten in Stuttgart durch Luis José Gayà in der sechsten Minute der Nachspielzeit die Führung durch Timo Werner egalisiert.

Eigenes Spiel durchziehen

Angesichts der Debatte um die Belastungen der Nationalspieler geriet die Analyse des Spielgeschehens in den Hintergrund. Dabei war der Bundestrainer durchaus zufrieden mit dem Dargebotenen. Seine Mannschaft habe 60 Minuten lang überzeugt, mutig „nach vorne verteidigt“, dann hätten gegen starke Spanier die Kräfte nachgelassen.

Nations League hin oder her: Alle Blicke richten sich auf die Europameisterschaft im nächsten Jahr. „Ich habe der Mannschaft gesagt, ich möchte Entwicklung, Entwicklung, Entwicklung. Nächstes Jahr möchte ich eine Mannschaft haben, die ihr eigenes Spiel durchzieht“, sagte Löw, bevor er in die Nacht entschwand.

Kai Havertz: Chelsea-Deal perfekt


Der Rekordtransfer von Kai Havertz von Bayer Leverkusen zum FC Chelsea ist perfekt. Das gaben die Rheinländer am Freitagabend bekannt. Der Wechsel des 21-Jährigen soll Leverkusen laut Medienberichten 100 Millionen Euro einbringen; damit wird der Mittelfeldspieler zum teuersten deutschen Fußballer der Geschichte. Havertz unterschrieb bei den „Blues“ einen Fünfjahresvertrag.

Das Nations-League-Auftaktspiel der deutschen Elf gegen Spanien hat dem ZDF eine gute Quote beschert. Im Schnitt verfolgten 7,94 Millionen Zuschauer die Live-Übertragung.