Der Aufstieg Kalle Rovanperäs zum mit Abstand jüngsten Rallye-Weltmeister ist ein Paradebeispiel für Frühförderung. Sein Vater Harri war ein passabler Pilot. 2001, wenige Monate nach Kalles Geburt, gewann er die Rallye Schweden. Und mit seinem Filius machte Harri Rovanperä verboten früh die oft schneebedeckten Wege rund um Jyväskylä, Epizentrum des finnischen Rallyesports, unsicher.

Im Internet finden sich teils millionenfach geklickte Videos, in denen ein blonder, blauäugiger Junge von acht Jahren einen aufgemotzten Kleinwagen ans Limit bringt. Knapp 14 Jahre später ist dieses Talent das Maß der Dinge in der Rallye-WM. Sechs der elf bisherigen Saisonläufe entschied Rovanperä für sich, durch den Triumph in Neuseeland am Sonntag ist ihm im Alter von 22 Jahren und einem Tag der Titel nicht mehr zu nehmen. Er pulverisierte den Rekord des 2007 tödlich verunglückten Schotten Colin McRae, der bei seinem einzigen Titelgewinn 1995 27 war. Und ganz nebenbei beendete Rovanperä die 20-jährige Durststrecke der Rallye-Nation Finnland.

Weil er in Finnland als Minderjähriger nicht bei Rallyes starten durfte, ging er im Teenageralter nach Lettland. Dort durfte Rovanperä fahren, sofern sein Beifahrer den Führerschein besaß. Als Minderjähriger gewann er dreimal die lettische Meisterschaft.

In der WM stieg er ab 2017 zum jüngsten Fahrer in den Punkten auf, zum jüngsten Fahrer auf dem Podium, zum jüngsten Sieger einer WM-Station, und nun eben zum jüngsten Weltmeister. Mit dem aktuellsten Rekord hat er einem gewissen Max Verstappen etwas voraus, der in der Formel 1 ebenfalls fast alle Marken nach unten schraubte. Ansonsten sind die Parallelen frappierend: Der seit Freitag 25 Jahre alte Niederländer Verstappen und der seit Samstag 22 Jahre alte Rovanperä wurden von ihren rennverrückten Vätern, später von Red Bull gefördert und sorgen heute für einen Motorsport-Hype in ihren Heimatländern. sid