Es hört sich erst einmal attraktiv an, was da 2019 eingeführt wurde: eine Multisportveranstaltung, bei der gleich mehrere Sportarten gleichzeitig und möglichst in örtlicher Nähe ihre deutschen Meisterschaften austragen. Klein- Olympia quasi auf nationaler Ebene. An diesem Wochenende ist es zum dritten Mal so weit: Die sogenannten „Finals“ kehren nach ihrer Premiere vor drei Jahren wieder komplett nach Berlin zurück, nachdem sich die Hauptstadt die Ausrichtung 2021 mit dem Ruhrgebiet teilte.

14 Sportarten, von 3x3 Basketball bis Triathlon, sind bei den Wettkämpfen vom 23. bis 26. Juni dabei; einige, wie Fechten, Rudern und Trampolinturnen, zu ersten Mal, andere wie die Kernsportart Leichtathletik waren von Anfang an nicht wegzudenken bei dem in erster Linie für das Fernsehen konzipierten Ereignis.

ARD und ZDF übertragen fleißig: 30 Stunden Live-TV und ein umfangreiches Streaming-Angebot sind angekündigt. Vom Fernsehsessel aus lässt sich das am besten genießen, denn die Wege zwischen den einzelnen Sportstätten ziehen sich in der Metropole. Vor Ort lockt bei Triathlon, Bogensport oder dem ohne Reiten ausgetragenen Modernen Fünfkampf freier Eintritt. Andere stellen ungewohnte Zurückhaltung seitens der Fans fest.

Gründe dafür lassen sich mehrere finden: Bei wieder ansteigenden Corona-Infektionszahlen sind vor allem Indoor-Veranstaltungen noch nicht jedem wieder geheuer. Als spannende Alternative für einen Sporturlaub im eigenen Land bieten sich 2022 zudem die European Championships im August in München an, bei denen sogar kontinentale Kronen vergeben werden.

Eilig von der WM zurück

Manche Probleme der „Finals“ sind hausgemacht. Um alle Disziplinen im Programm unterzubringen, müssen einige auf wenig attraktive Zeiten ausweichen. Höhenflüge wie die der Trampolinturner an einem Vormittag während der Woche zu bewundern, dafür fehlt den meisten außerhalb der Ferien die Zeit.

Auch die Bedeutung der Titelkämpfe ist stellenweise gesunken. Traditionell wurden neben den Meistern und Medaillengewinnern dabei in früheren Jahren meist auch diejenigen ermittelt, die die deutschen Farben bei EM, WM oder gegebenenfalls Olympischen Spielen vertreten sollten. Dafür eignet sich der Termin nicht in allen Sparten.

Die Sportgymnastinnen beispielsweise sind gerade erst von der überraschend erfolgreichen EM zurückgekehrt, für die Kunstturnerinnen kommt der Testtermin mit Blick auf München noch zu früh, weshalb Rekordmeisterin Elisabeth Seitz oder Schwebebalkenkönigin Pauline Schäfer nicht an allen Geräten antreten werden. Die Schwimmer kraulen diese Woche bereits bei der WM in Budapest; die Brustspezialisten Lucas Matzerath und Anna Elendt, die mit Silber über die 100-Meter-Strecke glänzte, gehören zu dejenigen, die sich den Stress geben, schnell zurück zu flitzen, um am Sonntag noch mal ins Becken im Europasportpark zu springen. Vielleicht ist dann trotz Hochbelastung noch ein Titel zu retten, da andere wegen der Terminüberschneidung bereits weggeschwommen sind.

Ein Verzicht auf die „Finals“ kommt aufgrund der hierzulande ungewohnt großen Fernsehbühne für die oft als Randsportarten in einem Fußballland angesehenen Disziplinen nicht infrage. Da verbiegt man sich lieber, um den Bedürfnissen entgegenzukommen. Die Kanuten haben eigens ein neues Format für ihren Auftritt konzipiert: Beim Speed-Polo paddeln zwei Teams mit je vier Spielern in Einer-Kajaks gegeneinander und müssen versuchen, den Ball ins gegnerische Tor zu bringen. Ein Angriff darf dabei maximal 30 Sekunden dauern.

Die Bahnradfahrer traten 2019 vergeblich fest in die Pedale; sie wurden bei den folgenden beiden „Finals“-Auflagen aussortiert. Es heißt, dass ihre schnellen Runden beim TV-Publikum nicht ankamen. Die Leichtathletik-Fans dürfen sich auf heiße Rennen freuen: Für die Spezialisten für weite Sprünge, Würfe und Läufe gelten die Wettkämpfe im Olympiastadion als eine Art Trials, als entscheidende Qualifikation also für die WM im Juli im amerikanischen Eugene und die EM in München. Doch gerade diese Ernsthaftigkeit führt dazu, dass das Drumherum die Stars und Sternchen wenig interessiert. Hinfahren, abliefern und zurück, lautet etwa beim früheren deutschen Sprintmeister Kevin Kranz die Devise. Genauso wie bei einem Einzelsportevent.

Leichtathletik-Star Vetter muss absagen


Speerwurf-Ass Johannes Vetter (LG Offenburg) hat seinen DM-Start am Wochenende in Berlin (25./26. Juni) aufgrund einer Entzündung in der Schulter abgesagt. Dies bestätigte sein Trainer Boris Obergföll. Der Start des Weltmeisters von 2017 und Bronzemedaillen-Gewinners von 2019 bei den bevorstehenden Weltmeisterschaften in Eugene (15. bis 24. Juli) ist nicht in Gefahr, da er eine Wildcard hat. Für die Europameisterschaften in München (15. bis 21. August) kann er sich im Rahmen der Nominierungsrichtlinien weiter qualifizieren. DLV-Cheftrainerin Annett Stein sagte nach der Absage:  „Jede Absage eines Spitzenathleten trifft die gesamte Leichtathletik Familie.“