dpa Die Abfahrt auf der Streif in Kitzbühel ist mal wieder ein großes Spektakel. Bester deutscher Starter ist Romed Baumann – aus Österreich.

Thomas Dreßen hatte seine Sachen nach der heftigen „Watschn“ auf der Streif längst frustriert zusammengepackt, als Österreichs Skiheld Matthias „Mothl“ Mayer mit seinem 100 000-Euro-Jackpot siegestrunken durch Kitzbühel zog. „Klar bin ich sauer“, sagte Dreßen, dem für Platz 26 im wichtigsten Saisonrennen läppische 1450 Euro Preisgeld blieben, „er hat richtig eins vors Schienbein bekommen“, konstatierte Alpinchef Wolfgang Maier.

Dass die Stimmung im Lager der deutschen Abfahrer bei der wildesten Skiparty des Jahres trotzdem nicht im Keller war, lag an einem anderen Österreicher. „Im Endeffekt hat er die deutsche Fahne hochgehalten“, sagte Maier über Romed Baumann, der seit Saisonbeginn als „Piefke-Zebra“ im DSV-Rennanzug unterwegs ist, eine „Weltspitzenleistung“ sei dessen siebter Rang am heiligen Berg der Alpenrepublik gewesen. Ausgerechnet Baumann!

Sein Wechsel über die Grenze, wo der Familienvater mit seiner bayerischen Ehefrau Vroni und den beiden Kindern in Kiefersfelden lebt, hatte in Baumanns alter Heimat großen Wirbel verursacht. In Kitz wurde der 34-Jährige von einigen Landsleuten als „Judas“ beschimpft, und nein, versicherte Maier, „die waren nicht alle besoffen“.

Dieser hässliche Vorfall kurz vor dem Start, berichtete Baumann, „hat mich angespornt, ich war richtig heiß darauf, dass ich mein bestes Skifahren zeige“. Das tat er, die VIPs und „Adabeis“ wie Arnold Schwarzenegger, Heiner Lauterbach oder Andreas Gabalier applaudierten verzückt, unter den Jubel der 50 000 Skiverrückten mischten sich nur wenige Buh-Rufe.

„Bester Deutscher ist immer ein super Titel, meine Teamkameraden sind ja auch keine Nasenbohrer“, sagte Baumann schmunzelnd, „es ist ungewohnt, aber es fühlt sich gut an.“ Josef Ferstl, hinter dem guten Elften Andreas Sander als 25. drittbester DSV-Starter, schwärmte vom neuen Kollegen: „Das ist Wahnsinn, eine Hammergeschichte.“

In die riesige Freude mischte sich das Gefühl der „Genugtuung“ – ausgerechnet in Kitzbühel. Im Ski-Mekka hatte der Österreichische Skiverband Baumann im Vorjahr den Start verweigert, „das war ein Tiefpunkt meiner Karriere“, sagte er mit bewegter Stimme: „Da bin ich rumgelaufen wie ein geschlagener Hund und hab‘ nimmer g‘wusst, wie ich mich aus dem Loch herausbringe.“

Beim DSV wurde Baummann offenbar super aufgenommen. „Das ist echt Bombe“, sagte er über Dreßen und Co., die ihn aufgenommen hätten, „als ob ich schon immer dazugehört hätte. Ich habe das nicht gekannt, im ÖSV herrscht von Kindheit an Konkurrenz.“

Dreßen, der für die Mutprobe Streif das falsche Skimodell gewählt hatte, musste derweil „eine g‘scheite Watschn“ einstecken, wie Cheftrainer Christian Schwaiger meinte, „aber die werden wir verdauen“. Dreßen sagte schulterzuckend: „Mein Gott, lieber mache ich mal einen Fehler, als dass ich grundsätzlich zu langsam bin und hinterherfahre.“ Und Maier versicherte, für ihn sei die vermasselte Rückkehr des Siegers von 2018 „kein Problem“. Nach dem Knie-Totalschaden befinde sich Dreßen nach wie vor auf dem Weg zurück, „da setzen wir ihn nicht unter Druck“.

Sieger Matthias Mayer reift dagegen unter dem größten Druck in schöner Regelmäßigkeit zum Supermann. Zehntausende berauschte Österreicher feierten den Olympiasieger in Abfahrt (2014) und Super-G (2018) in der Gamsstadt. „Cooler wird es nicht“, sagte der 29-Jährige, „die Stimmung, das Flair, der Mythos - man trainiert ein Leben lang für so eine Sache.“ Nur bei der österreichischen Bundeshymne zeigte Mayer Schwächen. „Skifahren kannst du besser als singen“, raunte ihm der Zweitplatzierte Beat Feuz zu. dpa

Viktoria Rebensburg fährt weiter hinterher

Slalom Anton Tremmel hat am Sonntag beim Slalom-Klassiker in Kitzbühel eine Überraschung verpasst, Linus Straßer schied nach einer wilden Fahrt aus. Beim Sieg des Schweizers Daniel Yule am anspruchsvollen Ganslernhang fiel Tremmel, nach dem ersten Lauf noch starker Siebter, auf Rang 18 zurück. Bester Läufer des Deutschen Skiverbandes war somit Sebastian Holzmann. Der Oberstdorfer fuhr couragiert von Rang 30 noch auf den 17. Platz vor.

Abfahrt Viktoria Rebensburg fährt ihrer Form weiter hinterher und hat die Führung im Super-G-Weltcup verloren. Die 30-Jährige kam im bulgarischen Bansko nur auf Platz zwölf. 1,73 Sekunden fehlten Rebensburg auf Siegerin Mikaela Shiffrin aus den USA, die nun auch den Weltcup in der Super-G-Wertung anführt.