Hertha BSC droht der siebte Abstieg in seiner Bundesliga-Geschichte. Angesichts des desillusionierenden 0:1 im ersten Spiel der Relegation im Berliner Olympiastadion gegen Zweitligist Hamburger SV brauchen die Hauptstädter fast ein Wunder. Trainer Felix Magath wirft natürlich vor der zweiten Partie heute Abend im Hamburger Volksparkstadion nicht das Handtuch. Aber die Äußerungen der Hauptstädter vor dem entscheidenden Duell wirken wie Durchhalteparolen.

„Es sind ja nicht nur 90 Minuten, sondern zweimal 90 Minuten. Heute war der HSV der Glücklichere, aber warum sollen wir nicht auch mal der Glücklichere sein?“, sagte Magath. Und der 68-Jährige hat insofern recht, dass wohl nur Glück der Hertha gegen Magaths Ex-Verein noch die Bundesliga sichert. Es gibt kaum etwas, woran sich der Coach und seine Mannschaft aufrichten können. Also versucht Magath, den Spieß umzudrehen: „Im Moment sind wir raus. Wir können ja nur noch gewinnen.“ Der Druck liege beim Hamburger SV.

Aufgrund des Saisonverlaufs in der Endphase, als die Berliner gegen Bielefeld, Mainz und Dortmund drei Matchbälle für den Klassenerhalt liegen ließen, ist die Psyche der Berliner angeknackst. Im ersten Duell war das spätestens nach dem Treffer durch eine verunglückte Flanke von Ludovit Reis, die sich ins Tor senkte, zu sehen. Manche Szene glich schon einem Offenbarungseid. So blieb der eingewechselte Myziane Maolida nach einem Ballverlust am Mittelkreis stehen, blickte sich fast hilflos um. In Hamburg muss sich das ändern.

Die Spieler versuchen, dies zu vermitteln. „Es ist nur ein Tor Rückstand, wir hätten auch bei einem 0:0 in Hamburg gewinnen müssen. Deshalb hat sich nur wenig geändert“, sagte der ehemalige Stuttgarter Oliver Kempf. Und Herthas Manager Fredi Bobic glaubt, dass die Berliner ein anderes Gesicht zeigen werden. „Ich habe die Überzeugung, dass die Jungs auch mit einer gewissen Wut reingehen in dieses Spiel.“ Magath ist derweil froh, wieder auf Mittelfeldantreiber Santiago Ascacibar nach seiner Gelb-Sperre zurückgreifen zu können. „Er hat uns im ersten Spiel sehr gefehlt.“ 

Beim Hamburger SV strotzen sie dagegen vor Selbstbewusstsein. Zweifel, wie in den vergangenen Jahren, als der Aufstieg immer wieder verpasst wurde, gibt es keine. „Wir brennen auf solche Spiele, weil sie uns besser machen. Die Jungs sind so mutig, so voller Überzeugung“, sagte HSV-Trainer Tim Walter. Und sie haben euphorische Fans im Rücken. Schon in Berlin waren rund 20 000 Anhänger im Olympiastadion und sorgten für eine Atmosphäre die Walter als „sensationell, immens, grandios, unfassbar“ bezeichnete. In Hamburg können die Berliner sich auf ein noch größeres Spektakel einstellen. Glück allein wird dann nicht helfen. Uwe Wuttke