Das Machtwort kam am Mittwoch von höchster Stelle – aus dem Weißen Haus. Die USA werden die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking nicht boykottieren. „Wir haben nicht und werden auch nicht irgendeinen Boykott mit Verbündeten und Partnern diskutieren“, teilte Jen Psaki, die Pressesprecherin von US-Präsident Joe Biden, mit. Ein Thema wurde beendet, das offenbar gar keines war.

Für den Auslöser der Wirrungen hatte zuvor Ned Price gesorgt. Der Sprecher des US-Außenministeriums bestätigte, aufgrund der Menschenrechtsverletzungen in China gemeinsam mit anderen Nationen über ein Fernbleiben von den Spielen (4. bis 20. Februar) nachdenken zu wollen. Es dauerte keine 24 Stunden bis zur Antwort aus Peking.

Das chinesische Außenministerium ließ mitteilen, „dass es gegen die Olympische Charta geht, den Sport zu politisieren.“ Gleichzeitig sagte Sprecher Zhao Lijian, die Amerikaner hätten ihre Aussagen später erläutert und klargemacht, dass sie keinen Boykott anstreben. Ähnlich formulierte es das US-Außenministerium in einem Statement an den TV-Sender CNBC. Für endgültige Klarheit sorgte dann Jen Psaki.

Besonders die Verfolgung der Uiguren, einer muslimischen Minderheit, in der Region Xinjiang war immer wieder Anlass für Boykott-Forderungen. Die Unterdrückung der Demokratiebewegung in Hongkong durch China ist der freien Welt ebenfalls ein Dorn im Auge.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte im März deutlich gemacht, was es von einem Boykott hält, als Präsident Thomas Bach einen solchen in den ARD-Tagesthemen als „falsche Antwort auf solche Fragen“ bezeichnete. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte sich im Februar angesichts der Menschenrechtslage in China besorgt gezeigt und erklärt, die Athletinnen und Athleten vorbereiten zu wollen. Jedoch machte DOSB-Präsident Alfons Hörmann bei Sky auch klar: „Irgendwelche Boykott-Aktivitäten, das hat die Vergangenheit gezeigt, bringen wenig bis nichts.“  sid