dpa/sid Fußball Im fünften Jahr seiner Amtszeit stürzt der Fifa-Präsident in eine tiefe Krise. Die Schweizer Staatsanwaltschaft eröffnet ein Strafverfahren gegen den 50-Jährigen.

Fifa-Präsident Gianni Infantino gerät in der Schweizer Justiz-Affäre immer stärker unter Druck und steht nun auch selbst im Visier der Ermittler. Die Schweizer Staatsanwaltschaft eröffnete am Donnerstag ein Strafverfahren gegen den Chef des Fußball-Weltverbands und könnte die Fifa in die größte Krise seit der Skandal-Ära von Vorgänger Joseph Blatter stürzen.

In dem Verfahren geht es um geheime Treffen zwischen Infantino und dem Leiter der Bundesanwaltschaft (BA), Michael Lauber, wie die Aufsichtsbehörde über die BA am Donnerstagnachmittag in  der Schweizer Hauptstadt Bern mitteilte. Die Vorwürfe der Behörde gegen Infantino lauten: Anstiftung zum Amtsmissbrauch, Anstiftung zur Verletzung des Amtsgeheimnisses und Anstiftung zur Begünstigung. Angeklagt wird auch ein ebenfalls bei den Treffen anwesender Oberstaatsanwalt aus der Schweiz.

Zur Erinnerung: Vor gut einem Monat hatte sich der mächtige Fifa-Boss Infantino selbst noch zuversichtlich präsentiert und die Treffen als notwendig dargestellt. „Für mich ist diese ganze Sache absurd“, sagte der 50-Jährige damals bei einer Pressekonferenz nach der Sitzung des Fifa-Councils. „Lasst mich das ein für alle Mal klarstellen: Mich mit dem Bundesanwalt der Schweiz zu treffen, ist absolut legitim und legal. Es ist kein Verstoß gegen irgendetwas.“ Von der Fifa gab es zunächst keine Reaktion auf die Anklageerhebung.

Damit könnte Infantino, der sich seit Amtsantritt im Februar 2016 stets als Erneuerer und Reformer präsentierte, vorübergehend auch Ungemach in seinem Amt als Fifa-Präsident drohen. Als die Schweizer Bundesanwaltschaft 2015 ein Strafverfahren gegen den damaligen Weltverbandschef Blatter unter anderem wegen des Verdachts der „ungetreuen Geschäftsbesorgung“ eröffnete, wurde dieser für 90 Tage durch die Fifa-Ethikkommission gesperrt. Das Verfahren gegen Blatter läuft weiterhin.

Nun ist Infantino gut ein Jahr nach seiner Wiederwahl als Fifa-Präsident mehr denn je in Erklärungsnot. Die geheimen Treffen fanden in den Jahren 2016 und 2017 statt, während die Bundesanwaltschaft gegen die Fifa wegen Korruption ermittelte. Bei den Ermittlungen geht es unter anderem um die Vergaben der Fußball-WM 2018 an Russland und 2022 an Katar. Es bestünden „Anzeichen für ein strafbares Verhalten“, hieß es von der BA.

Auch gegen Lauber, den Chef der Bundesanwaltschaft, soll nun ein Strafverfahren eröffnet werden. Er ist aber noch bis Ende Januar 2021 im Amt und deshalb vor Strafverfolgung geschützt. Deshalb beantragte der eigens eingesetzte außerordentliche Staatsanwalt beim Parlament die Aufhebung seiner Immunität.

„Er (der außerordentliche Staatsanwalt) kommt zum Schluss, dass im Zusammenhang mit den Treffen von Bundesanwalt Michael Lauber mit dem Fifa-Präsidenten und dem Walliser Oberstaatsanwalt Anzeichen für ein strafbares Verhalten bestehen“, heißt es in der Mitteilung der Aufsichtsbehörde. Dabei gehe es um Amtsmissbrauch, Verletzung des Amtsgeheimnisses, Begünstigung und die Anstiftung zu diesen Tatbeständen. Es gelte die Unschuldsvermutung.

Nur Unterstützung angeboten?

Anfang Juni hatte der Fußball-­Weltverband Fifa sämtliche Vorwürfe gegen seinen Präsidenten Infantino zurückgewiesen. Der Schweizer „hat sicherlich nichts falsch gemacht, indem er Herrn Lauber getroffen hat. Es ist kein Vergehen, den Bundesanwalt zu treffen und solche Treffen sind nicht ungewöhnlich. Gianni Infantinos Motivation war, den Schweizer Behörden jegliche Unterstützung anzubieten“, hieß es damals in einer Erklärung.

Der Schweizer Bundesanwalt Lauber hat inzwischen für Ende Januar 2021 seinen Rücktritt eingereicht, nachdem die Aufsichtsbehörde ihn wegen der Treffen bereits gerügt und ihm eine Verletzung seiner Amtspflichten und unwahre Aussagen vorgeworfen hatte.

Michael Lauber selbst wies die Anschuldigungen übrigens wie Fifa-Präsident Gianni Infantino zurück. dpa

Fifa bringt Corona-Hilfsplan auf den Weg

Der Fußball-Weltverband Fifa hat den milliardenschweren Corona-­Hilfsplan für seine 211 Mitgliedsverbände auf den Weg gebracht. Der Council-Ausschuss bewilligte die Regularien für die Ausschüttung der 1,5 Milliarden Dollar.

Der Hilfsplan wurde von der Fifa-Administration in Zusammenarbeit mit den Konföderationen erarbeitet und bereits am 25. Juni vom Council bewilligt. Dieser Hilfsplan sei ein herausragendes Beispiel für die Solidarität und das Engagement im Fußball in dieser außergewöhnlichen Zeit, sagte Fifa-­Präsident Gianni Infantino.

Der Plan besteht aus Zuschüssen und Darlehen. So erhalten alle Mitglieder einen „Solidaritätszuschuss“ in Höhe von einer Million Dollar sowie zusätzlich 500 000 Dollar für den Frauenfußball. Zudem erhält jede Konföderation einen Zuschuss von zwei Millionen Dollar. Der Betrag wird bis Januar 2021 vollständig freigegeben. Desweiteren können alle Mitglieder zinsfreie Darlehen von bis zu 35 Prozent ihres geprüften Jahresumsatzes beantragen. 
dpa/sid