Antonio Rüdiger ist bei der Nationalmannschaft wieder als „Unterhändler“ auf einer Mission. Nachdem der Abwehrspieler des FC Chelsea schon Timo Werner erfolgreich zum Wechsel zu den Blues überzeugt hatte, baggert er in diesen Tagen an Kai Havertz. „Mit Timo hat das alles gut geklappt, ich habe meinen Beitrag dazu geleistet. Ich hoffe, dass mit Kai dasselbe passiert“, sagte Rüdiger am Dienstag und schmunzelte.

Viel Überzeugungsarbeit muss Rüdiger wohl nicht mehr leisten, der 100-Millionen-Euro-Transfer soll so gut wie perfekt sein. Bayer-Trainer Peter Bosz erwartet, dass Havertz nach der Länderspielpause zu Leverkusen „nicht mehr zurückkommt“.

Möglicherweise geht der Deal sogar noch vor den Auftaktspielen in der Nations League am Donnerstag in Stuttgart gegen Spanien und drei Tage später in Basel gegen die Schweiz (beide 20.45 Uhr/ZDF) über die Bühne. Dann wäre Havertz der mit Abstand teuerste deutsche Spieler der Geschichte - doch einen Stammplatz im Nationalteam hat er deswegen noch lange nicht. Bundestrainer Joachim Löw schwärmt zwar von dem Ausnahmetalent. Bislang aber war Havertz eher Mitläufer als Anführer: Sieben Länderspiele, eins über 90 Minute, ein Tor.

Sollte sich Havertz in Chelsea durchsetzen, dürfte das auch seiner Karriere im DFB-Team einen Kick geben. Der Chelsea-Block Rüdiger-Havertz-Werner hätte auch in der Nationalmannschaft gehöriges Gewicht. Noch aber stellt sich Havertz hinten an. „Es gibt Spieler in der Mannschaft, die schon viel mehr als ich erreicht haben“, sagte er mit Blick auf Konkurrenten im Mittelfeld wie Toni Kroos. Wenn er eingesetzt werde, „gebe ich Gas, um künftig vielleicht das eine oder andere Spiel von Anfang zu machen“. Der Rest, betonte Havertz, „kommt irgendwann von alleine“.

Sollte der von vielen Experten als „Jahrhunderttalent“ gepriesene Havertz langfristig auf der DFB-Bank sitzen, würde das im Misserfolg auch auf Löw zurückfallen. So wie bei der Nicht-Nominierung von Leroy Sane für die am Ende historisch schlechte WM 2018. Der Bundestrainer sollte für Havertz bis zur Euro im kommenden Sommer (11. Juni bis 11. Juli), spätestens aber bis zur WM 2022 eine spielbestimmende Position in der Startelf gefunden haben.

Die Startelf für das Spiel gegen die Spanier hat Löw weitgehend im Kopf. Die Langzeitverletzten Leroy Sané und Niklas Süle werden zurückkehren, mit Debütant Robin Gosens hat er eine Alternative für die linke Seite. „Ich plane mit ihnen von Anfang an“, sagt der Bundestrainer über das Münchner Duo, das nach Kreuzbandrissen wieder dabei ist. Auch Senkrechtstarter Gosens werde „auf jeden Fall“ beginnen: „Er hat die Chance verdient.“

Weil neben Torhüter Manuel Neuer auch dessen etatmäßiger Stellvertretere Marc-Andre ter Stegen (Knie-OP) fehlt, steht zunächst der Frankfurter Kevin Trapp im Tor. Davor tendiert Löw zu einer Dreierkette, auch Thilo Kehrer erhielt eine Einsatzgarantie. sid

So wollen sie spielen: Trapp – Rüdiger, Süle, Ginter – Kehrer, Gosens – Kroos, Gündogan – Havertz (Brandt) – Werner, Sané.