Als der letzte Ball der verschrobenen Saison 2020 im Netz gelandet war, fing Dominic Thiem an zu träumen. Der österreichische Star versetzte sich in eine Tenniswelt mit Zuschauern in den Arenen, mit großen Emotionen. Vielleicht sogar ohne Masken: „Ich glaube schon, dass irgendwann ein Ende in Sicht ist“, sagte Thiem, nachdem er das Endspiel der ATP Finals in London in drei Sätzen gegen den Russen Daniil Medwedew verloren hatte: „Ich will sicher nicht die nächsten acht Jahre ohne Zuschauer spielen.“ Doch mindestens der Beginn und wohl auch große Teile der kommenden Spielzeit werden weiterhin im Klammergriff der Corona-Pandemie stattfinden.

Hoffen und Bangen in Melbourne

Das zeigt schon das zähe Ringen um die Australian Open. Der Saisonstart steht immer noch nicht fest, die Behörden vor Ort zögern, die Profis hängen bei ihrer Planung in der Luft. Es ist anhaltend kompliziert in der Zunft, die viel reise-intensiver ist als andere Sportarten. Zwischen 1000 und 1500 Personen müssen in einer Bubble separiert werden, um das erste Jahreshighlight, eigentlich vorgesehen für den 18. Januar, zu realisieren. „Wir müssen einfach geduldig sein und die Situation akzeptieren. Das ist schwer für jeden“, sagte Rafael Nadal. Nicht jeder ist so geduldig wie der spanische Superstar. Der Mann, von dem Tennisprofis wie Nadal, Thiem oder auch Deutschlands Nummer eins Alexander Zverev nun abhängen, heißt Daniel Andrews, Premierminister des Bundesstaats Victoria. Er muss letztlich Grünes Licht geben, damit in Melbourne gespielt werden kann. Er sei „zuversichtlich, dass wir es schaffen werden“, sagte Andrews am Montag laut Sydney Morning Herald. Es gelte aber auch, „sich hinzusetzen und viele, viele komplexe Probleme zu lösen“. Victoria ist im strikt vorgehenden Australien, das bisher vergleichsweise gut durch die Pandemie gekommen ist, der am stärksten betroffene Bundesstaat.

Daniil Medwedew hatte erstmals bei den ATP Finals in London triumphiert. Der Weltranglisten-Vierte bezwang im Endspiel den österreichischen US- Open-Champion Thiem mit 4:6, 7:6, 6:4 und holte den wichtigsten Titel seiner Karriere. sid