In der Abgeschiedenheit der Wälder Lapplands haben sich die deutschen Langläufer den letzten Schliff geholt: Nordlichter, viele Schneekilometer und der erste Vergleich mit durchaus namhafter Konkurrenz aus Skandinavien. „Es war der beste Lehrgang, den ich in meiner Trainerkarriere bisher erlebt habe“, sagte Teamchef Peter Schlickenrieder fast schon euphorisch. Nun sollte man Testrennen nicht überbewerten, aber die Siege von Victoria Carl, Katharina Hennig und Friedrich Moch, dazu ein starker Sprint von Pia Fink entlockten ihm in Muonio ein erstes zufriedenes Lächeln.

Ausgerechnet nach dem überraschenden olympischen Gold im Teamsprint von Carl und Hennig sowie der Silbermedaille in der Frauen-Staffel hat das Trainerteam Erik Schneider und Janko Neuber sich verabschiedet. Die Verantwortung haben jetzt der Schwede Per Nilsson (Frauen) und der frühere Landestrainer Baden-Württembergs Marc Steur bei den Männern übernommen.

Zentrum im Allgäu

„Per ist mit seiner Frau ins Allgäu gezogen, um uns hier rund um die Uhr betreuen zu können“, sagt Hennig. Dort haben die deutschen Frauen ihr Zentrum, auch Pia Fink (SV Bremelau) hat ihren Lebensmittelpunkt längst von der Alb nach Fischen verlagert. „Wir haben mit ihm neuen Input bekommen“, sagt die 27-Jährige.  Es sei sehr motivierend, mit dem Heimtrainer der Schwedin Frida Karlsson zu arbeiten. Die 23-jährige Schwedin, die als Nachfolgerin von Therese Johaug gehandelt wird, hat im Sommer zeitweise mit den Deutschen trainiert.

Der Lehrgang in Muonio sei für sie wie in jedem Jahr ein Höhepunkt gewesen, sagt Pia Fink: „Wir haben uns auf lange, harte Einheiten konzentriert und viel an der Technik gefeilt.“ Die vergangene Saison ist nicht immer optimal gelaufen. Was ihr fehle, sei oft das Selbstbewusstsein, konstatiert Schlickenrieder.

Friedrich Moch hat davon viel getankt. Der 22-Jährige vom WSV Isny hat sich im Weltcup-Team mit starken und unbekümmerten Auftritten etabliert. Dass die Frauen mehr im Mittelpunkt stehen, stört den gebürtigen Memminger nicht: „Mir haben die Erfolge der Mädels gezeigt, dass wir nicht so weit weg sind von der Weltspitze.“

Während Moch sich schon „richtig gut in Form“ fühlt, hat Florian Notz (SZ Römerstein) noch Rückstand. Der Sommer verlief rukelig, inklusive Corona-Infektion, zuletzt eine Erkältung im Oktober. „Der Testwettkampf war ganz ordentlich. Aber ich bin noch im Formaufbau“, sagt der 30-jährige Routinier.

In Ruka erwarten die Langläufer von Freitag bis Sonntag drei Rennen, erst ein Klassik-Sprint, dann klassisches Einzel und die Freistil-Verfolgung über 20 Kilometer zum Abschluss – für Frauen und Männer. Denn das ist neu in dieser Saison. Die Strecken wurden angeglichen, die Gleichberechtigung im Langlauf komplett umgesetzt. „Ich bin kein Freund dieser Entscheidung“, stellt Sportdirektor Andreas Schlütter klar. Nun müsse man sehen, wie es sich bewährt.

Der nächste Schritt

„Team statt Individuum, Qualität statt Quantität und Spaß“, das hat Schlickenrieder für den letzten Lehrgang und auch für die ganze Saison ausgegeben. „Die Strecken in Ruka zählen nicht gerade zu meinen liebsten“, sagt Pia Fink mit Blick auf den Weltcup-Auftakt. Trotzdem will sie die Herausforderung optimistisch angehen. Genau das will Motivator Schlickenrieder sehen und hören. Den oft bemühten „nächsten Schritt“ sollen sie alle machen, auch die Olympiasiegerinnen. Denn Hennig hat es im Weltcup erst dreimal aufs Einzel-Podest geschafft. „Das Niveau hab ich noch nicht“, sagt die 26-jährige Sächsin. Eine Corona-Erkrankung im Herbst dämpft zudem ihre Erwartungen. Für die ein Jahr ältere Vicky Carl ist bislang sogar ein sechster Platz das beste Einzelergebnis im Weltcup.

Auf jeden Fall versprechen die Wettkämpfe spannender zu werden, denn Norwegens Dauersiegerin Therese Johaug hat aufgehört, die Russin Natalja Neprjajewa darf nicht antreten. Schlickenrieder bremst dennoch zu hohe Erwartungen: „Langlauf geht nicht in Meilenstiefeln.“

Schneemangel und weniger Reisen


Neu ist, dass die Langläufer nicht mehr kreuz und quer in der Weltgeschichte reisen, sondern die Weltcups geografisch in Blöcke eingeteilt werden. Der im Januar geplante Freistil-Sprint in Mailand wurde nach Livigno verlegt. In Lillehammer wegen Schneemangels die Strecken verkürzt.

Los geht es in Skandinavien, Mitte Dezember beginnt der Mitteleuropa-Block mit der Tour de Ski und der WM in Planica (22. Februar bis 3. März) als Höhepunkte. Danach geht es nochmal in den Norden.