Teresa Ribeiro, eine führende Beobachterin für Medienfreiheit in Europa, hat neue Regeln für Fußball-Übertragungen in Spanien als unzumutbar bezeichnet. Sie gefährdeten akut die Medienfreiheit. Der spanische Fußballverband hatte im vergangenen Jahr die Übertragungsrechte für die Spiele der ersten Liga für 4,95 Milliarden Euro für die nächsten fünf Jahre an Telefónica und DAZN vergeben.

Der Vertrag, der ab der aktuellen Saison gilt, enthält Klauseln und Verhaltensregeln für Sportjournalisten, die die Spiele übertragen. Darin heißt es, es sollten „Imageschäden für Wettbewerbe, Vereine, Spieler, Trainer und die Öffentlichkeit“ vermieden werden. Bei Zuwiderhandlung darf die Liga die Entlassung des entsprechenden Reporters oder Kommentators einfordern.

Kritik der spanischen Journalistenverbände wurde von LaLiga-Chef Javier Tebas zurückgewiesen. Laut Tebas sollten unmittelbar nach dem Schlusspfiff nur Fragen zum Match gestellt werden. Alles andere sei Thema in Pressekonferenzen. Welche Spieler oder Trainer dorthin geschickt werden, entscheiden die Vereine.

Ribeiro, Beauftragte der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), kritisierte am Mittwoch, dass unangenehme Journalistenfragen offenbar nicht mehr erwünscht seien. „Die neuen Klauseln schränken die Medienfreiheit und das Recht auf Information in unzumutbarer Weise ein“, sagte Ribeiro. Sie ging sogar noch weiter: Es handle sich dabei um einen allgemeinen Trend im Fußball. Sie betonte, dass der Staat die Pflicht habe, die Freiheit der Medien zu schützen. Das gelte auch für den Sport. Schutz von demokratischen Rechten zählen zu den Kernaufgaben der OSZE.

In Deutschland hatte vor nicht allzu langer Zeit ein Interview mit Real-Profi Toni Kroos für Aufsehen gesorgt, der wegen für ihn unangenehmer Fragen das Gespräch abgebrochen hatte. dpa