Berlin / dpa Hertha BSC revanchiert sich für die bittere Hinrunden-Niederlage beim Stadtrivalen Union Berlin. Das Team von Trainer Bruno Labbadia gewinnt im fast leeren Olympiastadion mit 4:0.

Diesmal jubelte Vedad Ibisevic ganz vorbildlich. Mit seinem zweiten Tor im zweiten Spiel unter Trainer Bruno Labbadia hat der Sturm-Routinier Hertha BSC am späten Freitagabend zum hochverdienten 4:0 (0:0)-Sieg im Berliner Geister-Derby gegen den 1. FC Union geführt. Nur eine Minute nach seinem Führungstor leitete Ibisevic am Freitagabend im praktisch leeren Olympiastadion auch den Treffer von Dodi Lukebakio (52. Minute) ein und hatte somit maßgeblichen Anteil an der gelungenen Wiedergutmachung für die schmerzhafte 0:1-Niederlage gegen den Stadtrivalen im November im Hinrunden-Spiel im Stadion An der Alten Försterei.

Matheus Cunha (61.) und Dedryck Boyata (77.) sorgten für den Endstand beim höchsten Derby-Sieg der Hertha und dem ersten im heimischen Olympiastadion überhaupt. Bei allen Treffern hielten die Profis im Gegensatz zum vorangegangenen 3:0 in Hoffenheim diesmal auch den gebotenen Corona-Abstand beim Torjubel ein. Torjäger Ibisevic machte darauf per Handzeichen extra aufmerksam.

Union muss nach unten schauen

Die Hertha setzte mit dem zweiten klaren Erfolg den Aufwärtstrend unter dem neuen Coach Bruno Labbadia fort und schob sich zum Auftakt des 27. Spieltags der Fußball-Bundesliga mit 34 Punkten auf den zehnten Platz vor. Aufsteiger Union kommt nach dem Re-Start der Liga nicht in die Gänge. Die Eisernen müssen sieben Spieltage vor Saisonende bei weiter 30 Zählern auf der Habenseite den Blick Richtung Abstiegsplätze richten.

Bevor sich die Mannschaften zur an diesem Spieltag in allen Stadien abgehaltenen Schweigeminute für die Opfer der Coronavirus-Pandemie aufstellten, erklang in der praktisch leeren riesigen Betonschüssel wie gewohnt die Hertha-Hymne „Nur nach Hause“ von Schlager-Barde Frank Zander. Das Problem: Die Aufnahme hakte diesmal allerdings bedenklich. Das Knattern und Krächzen aus den Lautsprechern war durchaus Sinnbild für eine Anfangsphase mit fußballerischen Hindernissen.

„Energie“ müsse seine Mannschaft ins Spiel bringen, hatte Labbadia vor dem Anpfiff im Interview bei Amazon Prime gefordert. Der Wille dazu war durchaus erkennbar. Aber wie vom Hertha-Coach prognostiziert, praktizierte Union zunächst auch im Derby-Highligt die den Köpenickern eigenen robuste Abwehrhaltung mit ganz wenig Spielraum für den Kontrahenten - später aber nicht mehr.

Der nach seiner Sperre als einzige Startelf-Variante zurückgekehrte Vladimir Darida versuchte, in der Hertha-Zentrale die nötigen Impulse nach vorne zu setzen. Vieles blieb aber zunächst Stückwerk. So lief Lukebakio (20.) völlig unbedrängt mit dem Ball ins Seitenaus. Kurz zuvor war der Belgier bei einer der wenigen viel versprechenden Aktionen mit einem Flachschuss an Union-Torwart Rafal Gikiewicz gescheitert.

Der Pole stand auch bei einem feinen Hackentrick von Matheus Cunha (27.) nach der sehenswertesten Hertha-Kombination über Ibisevic und Lukebakio genau an der richtigen Stelle. Die einzige gefährliche Toraktion der Eisernen war ein Freistoß von Robert Andrich (44.) kurz vor der Halbzeitpause knapp über das Tor. Das war es aber dann auch schon für die Gäste aus dem Südosten der Hauptstadt.

Nach dem Seitenwechsel reichten der Hertha dann gerade mal zehn Minuten großer Schwung, um dem Rivalen die Grenzen aufzuzeigen. Ibisevic köpfte nach Flanke von Marvin Plattenhardt unbedrängt ein. Sekunden später schickte Ibisevic Lukebakio frei Richtung Tor. Matheus Cunha hatte seinen Treffer mit einem feinen Dribbling selbst eingeleitet. Boyata sorgte für den Schlusspunkt – im Hinspiel in der Alten Försterei hatte er noch den letztlich entscheidenden Strafstoß für Union verursacht. dpa

Volker Schlöndorff: Wir müssen weitermachen

Für Oscar-Preisträger und Hertha-­Mitglied Volker Schlöndorff taugt der turbulente Saisonverlauf des Berliner Bundesligisten sogar für‘s Kino. „Die vielen Trainerwechsel und das ganze Drumherum mit Jürgen Klinsmann. Das war fast filmreif“, sagte der 81-Jährige der „Berliner Zeitung“.

Die Fortsetzung der Fußball-Bundesliga trotz der Coronavirus-Pandemie findet Schlöndorff richtig. „Fußball ist nun einmal in Deutschland der Volkssport Nummer eins und gehört zu unserem Leben. Die Spiele, auch wenn sie nur im Fernsehen zu verfolgen sind, geben vielen Menschen ein Stück Hoffnung auf Normalität.“ Der Fußball sei dabei auch eine Art Vorbild. „Wir müssen weitermachen auf allen Gebieten – im Fußball, in der Kunst und anderswo.“ dpa